, in einfacher Gesellschaftstoilette , war augenscheinlich nur zu einem kurzen Rundgang erschienen . Lutz trug schon den Winterüberzieher und den kleinen schwarzen Hut auf dem hellen Kopf — er wollte wohl die Daniel heimbegleiten . Agathe glaubte , er sei gegangen . Plötzlich — während sie mit dem Assessor schwatzte , fühlte sie etwas , das einer leichten Berührung glich , doch unendlich viel zarter und flüchtiger war . Sie wandte den Kopf . Lutz stand noch immer in der Thür — allein . Er beobachtete sie . Nach einem schnellen , scheuen Blick sprach sie weiter . Wie innerlich gut ihr diese kurze Beachtung that — wie es schon ein Erleben von Freude war , gegen das alles andere nichtig wurde — verschwand . Die Daniel kam , in den Pelz und einen Spitzenshawl gewickelt , wieder zu ihm und redete leise auf ihn ein . Er machte eine ungeduldige Bewegung , schließlich folgte er ihr hinaus . Und gleich stand er aufs neue an derselben Stelle , den Hut noch auf dem Kopf . Agathe war es mit einem Mal , als habe sie ungeheuer viel Champagner getrunken . Sie lachte zu allem , was Raikendorf sagte und sah ihn mit glänzenden , übermütigen Blicken an . Als sie dazwischen herumtanzten , verlangte sie keck , auf ihren alten Platz geführt zu werden . Da hatte Lutz auf sie gewartet , und an den fremden Gesichtern vorüber grüßten ihre Augen sich . Jemand fragte den Maler , ob er die Absicht habe , während des ganzen Balles den Überzieher anzubehalten . “ Ja — so ! — Ich wollte längst gehen — ich muß ja fort , ” antwortete er . . . . . Seine Stimme — seine leise , hastige , absonderliche Stimme wieder zu hören . . . — Nun würde er aufgeweckt sein , nun würde er gehen . . . . Nein , er ließ sich den Mantel von einem jungen Manne abnehmen und auch den Hut entreißen . Lachend zeigte er , daß er keinen Frack trug , ein paar Komiteeherren klatschten Beifall und zogen ihn tiefer in den Saal . Agathe wurde von andern Tänzern geholt , schlenderte mit Freundinnen in den Räumen umher , nahm unter Eugenies Schutz , die als verheiratete Frau das Recht erworben hatte , Mutterstelle an ihr zu vertreten , eine Portion Eis und ein Stückchen Kuchen zu sich — überall fand sie Lutz in ihrer Nähe . Ob es nicht eine Selbsttäuschung war ? Das Glück hatte etwas so Unwahrscheinliches . “ Traumwandlerin , ” rief Eugenie sie an , “ sollen wir Dich in unserm Wagen nach Haus schicken ? Wir wollen im Restaurant noch ein Glas Bier trinken . Oder möchtest Du auch noch bleiben ? ” “ Bleiben , bleiben ! ” Walter lachte . — Agathes Bitte klang inständig , als hinge ein Schicksal davon ab . “ Was werden die Alten sagen , wenn Du Dich unter unserm Schutz so unsolide beträgst ? ” “ Laß das Würmchen , ” entschied Eugenie . “ Siehst Du nicht , daß sie ohne Muttern gleich viel lebendiger geworden ist ? ” Lutz hatte Agathe angesprochen — im Tabaksqualm des Restaurants — zwischen zwei und drei Uhr morgens — und sie gefragt , ob sie kürzlich Nachricht von Woszenskis gehabt habe . Und dann bat er sie , ihn mit ihrer Schwägerin bekannt zu machen . Er erinnerte sich ihrer also doch noch . Agathe mußte am andern Morgen eine ordentliche Strafpredigt über sich ergehen lassen . Für ein junges Mädchen schicke es sich nicht , nach einem Ball mit Männern in der Kneipe zu sitzen . Wenn Walter es seiner Frau erlaube , so wäre das seine Sache . Sie sollte künftig nicht mehr mit Walter und Eugenie ausgehen . Das Komitee hatte eine Art von Nachfeier verabredet . — Lutz wollte auch kommen . Würde Papa sie hindern — gut — so ging sie eben heimlich . Aber sie bat Mama himmelhoch , wie sie noch niemals gebeten hatte — denn sie fand es unwürdig , dies Quälen und Betteln , das die andern jungen Mädchen immerfort mit ihren Eltern aufführten . Und die gute , süße , liebste Mama brachte Papa schließlich dazu , verdrossen ein “ Ja ” zu sagen . — Man blieb nur im kleinen Saal — gar nicht viel Menschen . Es wurde geradezu auffallend , wie Lutz ihr den Hof machte . Er tanzte zwar nicht mit ihr — er tanzte überhaupt nicht — aber er beobachtete sie , an die Thür zum Rauchzimmer gelehnt , mit einem heiteren und befriedigten Lächeln . So völlig ging er in dieser Beschäftigung auf , daß er allen Herren , die ihn begrüßten , zerstreute und kurze Antworten gab . Dann zog er sich zu einer Cigarette zurück . “ Agathe , kommst Du mit , ich suche Walter , ” sagte Eugenie , als dieser Zeitpunkt eingetreten war , faßte ihre Schwägerin unter den Arm und zog sie ins Rauchzimmer . “ Laß Dir nicht zu sehr merken , daß Du ihn gern hast , ” flüsterte sie ihr ins Ohr und verließ sie nach wenigen Sekunden in einer langen Unterhaltung mit dem Maler . Lutz sprach viel und lebhaft , Agathe hatte nur halblaute , kindische Töne als Antwort , wie ein furchtsames kleines Mädchen . Er mußte sie für dumm und albern halten . . . . die schöne , einzige Gelegenheit , ihm zu gefallen , ging ungenützt vorüber . Eugenie hatte sich für den Abend einen treuherzigen Fähnrich zum Opfer erkoren . Es machte ihr den größten Spaß , damit ihren Mann und den kahlköpfigen Hauptmann , der viermal in der Woche bei ihnen vorsprach , zu ärgern . Sie ging auf die Passionen des rotbäckigen Knaben in Uniform ein , ließ sich von seiner Mutter erzählen und von seinen Leibgerichten . Und dem wurde sehr heiß , der rote steife Tuchkragen