ihres Herzens ungeniert an ihre Brust . » Lieber Herr von Kosegarten , verschaffen Sie mir von diesen netten Aktien ! O , seien Sie lieb , verschaffen Sie mir von diesen netten Aktien , so viel , wie Sie können ! « » Hoheit , « sagte Fritz , » nicht ich bin der Verfüger über diese Aktien . Hier steht der Gründer ! « er wies auf Debberitz . » Mein Freund wird dafür sorgen , daß das Wort » Geldverlegenheit « niemals wieder in Hoheits Umkreis genannt werden darf . Thete , was sagst du zu unserer ersten Aktionärin ? « Debberitz strich sich mit sichtlicher Befriedigung den Schnauzbart . » Donnerschlag , nicht übel , gar nicht übel ! Bist doch ein ganz jeriebener Hund , Fritzeken ! « » Wo die Prinzessin vorangeht , « sagte Fritz , » da folgt auch der Hof , folgt sicher die Bürgerschaft . Hoheit , dürfen wir auf Ihre Bundesgenossenschaft rechnen ? Dürfen wir Sie zu den Mitgründern unseres Projektes zählen ? « Die Augen der Prinzessin blitzten , sie erhob sich mit einem plötzlichen Ruck aus ihrem Sessel und rief begeistert : » Bundesgenossenschaft , süperb ! Ich , ich werde Ihre Bundesgenossin sein ! « Sie reichte jedem der Männer eine ihrer weißen warmen , ringgeschmückten Hände , Fritz neigte sich über die ihm gebotene und drückte feurig seine Lippen darauf und – Deibel auch – warum sollte Debberitz nicht das gleiche tun ? Er war entschlossen , Fritzens Pläne zur Ausführung zu bringen . Die Prinzessin Karoline war wahrhaftig immer noch eine schöne , verführerische Frau , und wilde Hoffnungen durchwogten die Brust von Theodor Debberitz . Am Abend des bedeutungsvollen Tages teilte August den Eltern mit , daß Mimi eingewilligt habe , seine Frau zu werden . Mimi war lieb und glückstrahlend ; nur wenn Fritz anwesend war , konnte sie eine gewisse Befangenheit nicht überwinden . August zeigte sich von freundlicher Herablassung gegen den besiegten Bruder – er war von dieser Zeit an voller Rücksicht auf dessen Wünsche . Es kam ihm sehr gelegen , der Familie seiner Braut nicht als der Stellung suchende junge Mann , sondern als der technische Leiter und Mitgründer einer großen Unternehmung aufzutreten . Unter dem energischen Einfluß seiner beiden Söhne gab denn auch der alte Herr schließlich seine Zustimmung zum Verkauf der Grundstücke an Debberitz . Sie betrugen etwa drei Viertel des Rittergutes . Er selbst wollte nichts mit der Geschichte zu tun haben . Die Jungen konnten die Sache für ihn abschließen . Als alle Formalitäten des Verkaufs erledigt waren , überredete Fritz mit Hildens Hilfe seine Eltern , zur Besichtigung einer großen landwirtschaftlichen Ausstellung nach München und dann zu einer weiteren Erholungstur nach der Schweiz zu gehen . Die häufige Anwesenheit des Berliner Spekulanten im Schloß zu endlosen Verhandlungen mit Fritz und August , die dann meistens in opulenten Frühstücksmahlzeiten endeten , wäre von den alten Herrschaften doch schwer ertragen worden . So begann denn ein gewaltiges Schaffen in Rauschenrode , ein Wühlen , Graben und Bauen , das den stillen Waldfrieden jählings zerstörte und an seine Stelle vorläufig nur ein Chaos von Staub , Bauschutt , aufgerissenen Erdflanken und das Gestampfe , Geklopfe und Gedröhne eifrigster Arbeit setzte . Dabei war Fritz in seinem Element . Er zog durch seine stürmische Energie auch den trägeren Bruder mit sich fort . Erst einmal auf den richtigen Weg gebracht , zeigte sich August , wenn auch langsam in Entschluß und Ausführung , als umsichtiger und kluger Techniker . Trotz der verschiedenen Temperamente der drei Männer rückten die Bauten gut und schnell vorwärts . Im Herbst sollte die Tätigkeit des Elektrizitätswerkes beginnen . Die Konzession für die elektrische Bahn hatte man erhalten , denn Herzog und Ministerium des kleinen Bergstaats interessierten sich aufs lebendigste für die Neugestaltung der Dinge in ihrem Ländchen . Das Richtfest des Kurhauses sollte schon im Herbst gefeiert werden . Mit unglaublicher Schnelligkeit erhob sich der weitläufige Bau aus dem Innern der Erde empor zum Himmelsblau , und die Dorfleute kamen am Sonntag in hellen Scharen aus der ganzen Gegend herbeigeströmt , um das Wunderwerk zu schauen , das mit seinen Türmen und Altanen , seinen Sandsteinpilastern und Karyatiden an den gewölbten Toren das altersgraue Schlößchen Rauschenrode , ja sogar den fürstlichen Besitz Nassenstein an Pracht und Größe weit hinter sich ließ . Das Kurhaus war der Lieblingsbau von Debberitz . In ihm trachtete er alle seine Träume von weltlicher Herrlichkeit zu verwirklichen , und nur er wußte , welch ein gutes Teil seiner so leicht erworbenen Millionen dieser Bau verschlang , bei dem er unter den Augen der Kosegarten den Ehrgeiz entwickelte , zum erstenmal während seiner erfolgreichen Bautätigkeit solide zu Werke zu gehen . Aber er stellte auch sein Licht nicht unter den Scheffel : Jede Woche fand sich in irgendeiner hauptstädtischen Zeitung eine Notiz über den Fortschritt des Baus , über ein scherzhaftes Abenteuer , das der große Berliner Baumeister , der die Entwürfe geliefert , bei seiner Anwesenheit mit einem Harzer Holzweiblein erlebt hatte , über den Wettbewerb unter den bedeutendsten jungen kunstgewerblichen Meistern um die Ausgestaltung der Innenräume , über die Summen , mit denen schon die eingesandten Entwürfe gekrönt wurden . Debberitz kannte seine Mitbürger von Berlin W. Aus zahllosen Familien der reichen Industriellen , der Kaufleute und Bankiers erklangen die Anfragen an ihn , wann man den Feenpalast in Rauschenrode beziehen könne . Man drängte sich um die Vorausbestellung von Wohnungen für die erste Saison , und Debberitz konnte Fritz und August eines Tages freudestrahlend berichten , daß alle Zimmer des großen Baus für Juli und August des nächsten Jahres bereits in festen Händen seien . Fritz drängte zu einer baldigen Heirat seines Bruders , und August sah die Notwendigkeit der angedeuteten Gründe vollständig ein . Die Verfügung über Mimi Rahlens nicht unbeträchtliches Vermögen gab ihm Debberitz gegenüber eine unabhängigere und würdigere Stellung . Anfang September wurde Hochzeit auf Niedernrode gehalten , nur die nächsten Nachbarn