. Weshalb ? « » Weil er mich demütigt . Und was mir früher peinlich war , ist mir jetzt vollends unmöglich geworden . Mag die Mama beschließen , was sie für gut findet , ich setze keinen Fuß – « Waldemar legte begütigend die Hand auf seinen Arm , » Sprich das nicht aus , Leo ! Das übereilte Wort könnte dir später einen Zwang auferlegen . Um dich handelt es sich hier ganz und gar nicht . Ich habe meiner Mutter den Wohnsitz in Wilicza angeboten , und sie hat ihn angenommen . Es war das , wie die Verhältnisse nun einmal liegen , einfach meine Pflicht . Ich kann und darf ihren dauernden Aufenthalt bei Fremden nicht zugeben , ohne mich selbst zu beschämen ; es bleibt also bei dem Plane . Du gehst ja übrigens zur Universität und kommst höchstens in den Ferien nach Wilicza , um die Mutter zu sehen , und was sie mit ihrem Stolze vereinbar findet , wirst du wohl auch ertragen können . « » Aber ich weiß , daß es sich dabei um unsre ganze Existenz handelt , « brach Leo aus . » Ich habe dich beleidigt ; ich sehe es jetzt ein , und da kannst du doch nicht verlangen , daß ich alles aus deiner Hand nehmen soll . « » Du hast mich nicht beleidigt , « sagte Waldemar ernst . » Im Gegenteil , du allein bist wahr gegen mich gewesen , und wenn mich das im Augenblick auch kränkte , jetzt danke ich es dir . Du hättest nur früher sprechen sollen , aber freilich , ich konnte von dir nicht fordern , den Denunzianten zu machen , und begreife , daß nur die Leidenschaft des Augenblicks dich zu der Eröffnung fortreißen konnte . Dein Dazwischentreten hat ein Netz zerrissen , in welchem ich gefangen lag , und du glaubst doch nicht , daß ich Schwächling genug bin , das zu beklagen ? – Zwischen uns beiden hat alle Feindschaft ein Ende . « Leo kämpfte zwischen Trotz und Beschämung . Er wußte recht gut , daß nur seine eigene Eifersucht ihn angetrieben hatte , und fühlte seine Mitschuld um so tiefer , je mehr man ihn davon entlasten wollte . Er hatte sich auf eine heftige Scene mit dem Bruder gefaßt gemacht , dessen Ungestüm er hinlänglich kannte ; jetzt stand er ihm völlig fassungslos gegenüber . Der junge Fürst war noch zu wenig Menschenkenner , um zu sehen oder auch nur zu ahnen , was sich hinter dieser unbegreiflichen Ruhe Waldemars barg und was sie diesem kostete ; er nahm sie für Wahrheit . Was er aber klar empfand , war das Bemühen des Bruders , ihn und die Fürstin das Vorgefallene nicht büßen zu lassen , ihnen trotz alledem den Aufenthalt auf seinen Gütern zu ermöglichen . Leo wäre unter ähnlichen Umständen einer gleichen Großmut vielleicht nicht fähig gewesen , aber ebendeshalb fühlte er sie in ihrem ganzen Umfange . » Waldemar , es thut mir leid , was geschehen ist , « sagte er , ihm freimütig die Hand hinstreckend , und diesmal hatte die Bewegung nichts Gezwungenes mehr ; sie kam aus vollem Herzen – diesmal ergriff der Bruder auch die dargebotene Rechte . » Versprich mir , die Mutter nach Wilicza zu begleiten ! Ich bitte dich darum , « fuhr er ernster fort , als Leo widersprechen wollte , » und wenn du wirklich glaubst , mich beleidigt zu haben , so fordere ich von dir diesen Dienst als Preis der Versöhnung . « Leo senkte das Haupt ; er gab den Widerstand auf . » Du willst also der Mutter nicht selbst lebewohl sagen ? « fragte er nach einer Pause . » Das wird sie schmerzen . « Ein unendlich bitteres Lächeln schwebte um Waldemars Mund , als er erwiderte : » Sie wird es zu ertragen wissen . Leb wohl , Leo ! Es freut mich , daß ich wenigstens dich noch einmal gesehen habe . « Der junge Fürst blickte eine Sekunde lang in das Gesicht seines Bruders , dann legte er wie in plötzlicher Aufwallung die Arme um seinen Hals . Waldemar duldete die Umarmung schweigend , aber er erwiderte sie nicht , und doch war es die erste zwischen ihnen . » Lebe wohl ! « sagte Leo erkältet , indem er die Arme wieder sinken ließ . Einige Minuten später rollte der Wagen , der den jungen Baratowski gebracht hatte , wieder aus dem Hofe und Waldemar kehrte in das Zimmer zurück . Wer ihn jetzt sah , mit diesen zuckenden Lippen , mit den qualvoll gespannten Zügen und dem starren , düsteren Blicke , der wußte , welche Bewandtnis es mit der Ruhe und Kälte hatte , die er während der ganzen Unterredung gezeigt . Sein tödlich verwundeter Stolz hatte sich aufgerafft ; Leo durfte nicht sehen , daß er litt , durfte am allerwenigsten das in C. berichten , jetzt aber bedurfte es der Selbstbeherrschung nicht mehr ; jetzt blutete die Wunde wieder . Stürmisch und gewaltsam , wie der ganze Charakter Waldemars , war auch seine Liebe gewesen , das erste Gefühl , das sich in dem vereinsamten , verwilderten Jüngling regte . Er hatte Wanda mit der vollen Glut der Leidenschaft geliebt , aber auch mit der ganzen Anbetung der ersten reinsten Neigung , und wenn er auch nicht zu Grunde ging an dem Bewußtsein , sich verhöhnt zu wissen , die Stunde , in der sein Jugendideal ihm zertrümmert wurde , kostete ihn doch manches andre – die Jugend selbst und das Vertrauen zu den Menschen . Schloß Wilicza , das der ganzen zu ihm gehörigen Herrschaft seinen Namen lieh , bildete , wie schon erwähnt , den Mittelpunkt eines großen Güterkomplexes , der nicht weit von der Grenze des Landes lag . Wohl selten mochte sich ein so ausgedehntes Besitztum in den Händen eines einzelnen befinden , und noch seltener mochte es vorkommen ,