, die noch in Interlaken weilte , während ihr Vater sich schon seit einigen Wochen in Berlin befand . Statt der Antwort kam ein Telegramm , in dem Edith sich zu einem kurzen Besuch in Gernsbach anmeldete , sie werde auf ihrer Rückreise den Umweg machen . Der jungen Frau kam das zwar überraschend , aber sie fand es erklärlich , Ronald war nach Steinfeld geeilt , wahrscheinlich um dort seine Maßregeln gegen jeden Angriff zu treffen , und Steinfeld lag nur einige Stunden entfernt . Da wollten die Verlobten natürlich hier zusammentreffen , sie hatten sich ja seit Monaten nicht gesehen . Die beiden Damen saßen wieder auf der Terrasse des Herrenhauses , aber nicht im ruhigen , behaglichen Geplauder wie damals im Frühjahr . Zwar zeigte Edith äußerlich die gewohnte Selbstbeherrschung , sie fragte nach allerlei gleichgültigen Dingen und erzählte von ihrer Reise , aber das war nicht mehr die kühle , vornehme Weltdame , die zu einem Besuche auf dem Lande war und die Menschen hier so unglaublich spießbürgerlich und unbedeutend fand . Sie sah bleich und überwacht aus , als liege eine schlaflose Nacht hinter ihr , und so lebhaft sie auch sprach , man sah es , daß sie mit ihren Gedanken ganz anderswo war . Die junge Frau saß befangen und beklommen neben ihr . Sie hatte den Zweck des Besuches noch mit keiner Silbe berührt , jetzt aber brachte ihn Edith selbst zur Sprache . » Du hast mich noch gar nicht gefragt , Wilma , weshalb ich dich so unvermutet überfalle , « sagte sie . » Vermutlich hast du es schon erraten . « » Ich glaube ja , « entgegnete Wilma etwas unsicher . » Ich wollte dich aber gestern abend bei deiner Ankunft nicht gleich mit Fragen quälen . Ronald ist ja in Steinfeld , und da habt ihr hier eine Zusammenkunft verabredet , nicht wahr ? « » Verabredet – nein ! Ronald weiß es natürlich , daß ich hier bin . Ich habe ihm Nachricht gesandt , und er wird wohl herüberkommen , sobald er sich frei machen kann . « Die junge Frau sah sie betroffen an . Keine Verabredung ? Und Ronald wurde nicht einmal bestimmt erwartet – was aber führte dann ihre Cousine her ? Diese ließ ihr jedoch nicht viel Zeit , darüber nachzudenken , sondern fuhr hastig fort : » Zunächst handelt es sich um etwas anderes : Herr Raimar wird heute vormittag nach Gernsbach kommen . Du entschuldigst es wohl , wenn ich ihn allein empfange . « » Unser Notar ? « Wilma fiel von einem Erstaunen in das andere . » Er wollte mir allerdings den neuen Pachtkontrakt selbst bringen , aber – « » Sein heutiger Besuch gilt mir , « unterbrach sie Edith . » Ich habe ihn darum ersucht ; bitte , sorge dafür , daß ich ihn ungestört sprechen kann . « » Du willst seinen Rat hören , wegen jener – jener peinlichen Angelegenheit ? « fragte die junge Frau , die sich diese seltsame Einladung nicht anders zu erklären wußte . » Raimar ist allerdings Jurist und ziemlich bekannt in Steinfeld , aber du selbst kennst ihn ja kaum . « » Ich bitte dich , überlaß das mir , « sagte Edith , offenbar gepeinigt durch diese Fragen . » Ich wünsche nur eine Auskunft , die mir Herr Raimar am besten geben kann und wohl auch geben wird – unsere Unterredung wird nicht lange dauern . « Sie stand auf , trat an die steinerne Brüstung und begann die roten und gelben Blätter der dort rankenden Weinreben zu zerpflücken . Es lag eine nervöse Hast in dieser Bewegung , eine mühsam verhaltene , aber fieberhafte Unruhe in ihrem ganzen Wesen . Wilma war ihr gefolgt und wagte es jetzt endlich , den Hauptpunkt zu berühren . » Du hast natürlich die Flugschrift gelesen , das › Hexengold ‹ ? « » Ja , mein Vater sandte es mir – du kennst es auch ? « » Ich erhielt es durch den Notar Treumann , – Edith , um Gottes willen , das sind ja furchtbare Dinge , die Ronald da vorgeworfen werden ! Was wird er thun ? « » Was er thun wird ? « Es blitzte drohend auf in den Augen des schönen Mädchens . » Den Kampf aufnehmen . Das ist doch selbstverständlich . Er wird die Antwort darauf nicht schuldig bleiben . « » Er hat ja bereits geantwortet , aber er erklärt , sich mit einem solchen Gegner nicht einlassen zu wollen . « » Mit dem Namenlosen ! « Es klang wie bitterer Hohn in den Worten . » Nun , vielleicht zwingt man ihn doch noch , sich zu nennen . – Ah , da kommt ein Wagen ! Herr Notar Raimar scheint pünktlich zu sein . « Sie deutete auf die Allee , die zum Herrenhause führte , und in die jetzt ein offener Wagen einbog . Wilma blickte gleichfalls hinüber . » Ja , er ist es , « bestätigte sie . » Aber ich glaube – ich glaube , Major Hartmut sitzt neben ihm . « Die junge Frau war dunkelrot geworden und wandte sich ab , um ihre Verwirrung zu verbergen , aber Edith bemerkte das nicht . Sie hatte sich emporgerichtet und blickte mit fest zusammengepreßten Lippen und finsteren Augen dem Wagen entgegen , als erwarte sie einen Feind . » Major Hartmut ? « wiederholte sie . » Gleichviel , es wird sich ja wohl irgend ein Vorwand finden , Raimar allein zu sprechen . « Als die Herren zehn Minuten später in den Salon traten , fanden sie beide Damen dort . Die Begrüßung zwischen Edith und Raimar entsprach der Kürze ihrer Bekanntschaft , sie war zurückhaltend und fremd . Hartmut wunderte sich allerdings , als er Fräulein Marlow erblickte ; aber die Erklärung , daß sie auf der Rückreise von der Schweiz ihrer Cousine einen Besuch