dort auf- und niederschwebten , konnte wahrlich nicht zur Bitterkeit stimmen . Soeben flog Gabriele mit ihrem Tänzer vorüber . Der Oberst hatte Recht ; ihre Schönheit war noch nie so siegreich zur Geltung gekommen , wie hier im Tanze , dem sie sich mit leidenschaftlichem Vergnügen hingab . Ringsum heller Kerzenglanz , rauschende Musik , festlich geschmückte Räume – das war die Umgebung , der Rahmen , der allein für diese Gestalt paßte , das eigentliche Element , in dem sie athmete , und ihre glühenden Wangen und strahlenden Augen zeigten , wie völlig sie darin aufging . Ihr ganzes Wesen war wie verklärt , wie sonnig durchleuchtet von Freude und Glück , als sie so in Georg ’ s Armen dahinschwebte . Auch er schien die ganze Umgebung vergessen zu haben ; ihm ging alles Andere unter in der Nähe , in dem Anblicke der Geliebten . Ein Strahl unendlichen Glückes leuchtete in seinen Augen , als ihr Arm in dem seinigen lag und ihr Athem an seiner Wange hinstreifte – diese Augen sprachen nur zu verräterisch das Geheimniß seines Herzens aus . Das junge Paar war so glücklich in diesem Augenblicke , daß es jede Vorsicht vergaß , und ein scharfer Beobachter konnte wohl ahnen , daß es noch etwas Anderes war , als die Freude am Tanzen , was aus dem Antlitze der Beiden sprach . Der romantische Zauber der ersten Jugendliebe umfloß sie wie ein verklärender Hauch . Und jener Beobachter war in der Nähe . Raven behauptete noch immer seinen Platz am Ende des Saales ; er stand jetzt in einem Kreise von Herren , die sich zu ihm und dem Oberst gesellt hatten , und nahm anscheinend lebhaft an der Unterhaltung Theil , aber dabei haftete sein Blick wie festgebannt auf den Tanzenden . Sein Blick wurde immer glühender , immer durchbohrender ; es mußte eine magnetische Gewalt darin liegen , denn als Gabriele jetzt zum zweiten Male den Saal umkreiste , wandte sie langsam , wie von einer geheimnißvollen Macht angezogen , das Haupt nach jener Richtung . Einen Moment lang begegnete ihr Auge dem ihres Vormundes – dann floß urplötzlich eine dunkle Gluth über das Antlitz des jungen Mädchens , und der Blick des Freiherrn flammte auf , furchtbar und unheildrohend ; er wandte sich mit einer heftigen Bewegung ab . Mit der Beendigung des Tanzes trat eine größere Pause ein , die für das Souper bestimmt war . Man verließ den Ballsaal , wo die Hitze nachgerade unerträglich zu werden begann , und suchte die angrenzenden kühleren Räume und die Buffets auf . Die Gesellschaft vertheilte sich zwanglos in den größeren und kleineren Gemächern , wo sich überall plaudernde Gruppen zusammenfanden . Jetzt endlich kam auch der so lang ersehnte unbewachte Augenblick , wo Georg und Gabriele einige vertrauliche Worte wechseln konnten , die ersten an diesem Abende . Bisher hatten die Augen der ganzen Versammlung auf ihnen geruht und jede Verständigung unmöglich gemacht . In einem der entfernteren Zimmer , das augenblicklich leer war , während im Nebengemache eine lebhafte Unterhaltung geführt wurde , stand die junge Baroneß Harder am Kamin und ihr gegenüber Assessor Winterfeld . Beide schienen im ruhigen , absichtslosen Gespräche begriffen , für den zufällig Eintretenden wenigstens , aber es war etwas Anderes als Gesellschaftsphrasen , was sie wechselten . „ Endlich eine Minute des Alleinseins ! “ flüsterte Georg leidenschaftlich . „ Die erste seit Wochen ! Ich habe es mir leichter gedacht , Dir stets so nahe und zugleich so fern zu sein . “ „ Du hattest Recht , “ sagte Gabriele , gleichfalls in leisem Tone . „ Wir sind , uns hier unendlich fern , obwohl Du täglich im Schlosse bist . Ich hoffte immer , Du würdest Mittel finden , die Schranken zu durchbrechen , die uns trennen . “ „ Habe ich nicht das Möglichste versucht ? Du weißt ja , wie meine Annäherung von Deiner Mutter aufgenommen wurde . Sie empfing mich freundlich , aber sie sprach auch nicht ein einziges Wort , das als Einladung gedeutet werden konnte . Ich darf den Besuch nicht wiederholenn , wenn man mir so entschieden zeigt , daß er nicht gewünscht wird . “ Auf der klaren Stirn der jungen Dame kräuselte sich eine Falte des Unmuthes . „ Mama trägt keine Schuld daran ; sie würde Dich hier ebenso gern empfangen wie früher ; mein Vormund war es , der die Einladung verhinderte . Ich veranlaßte Mama , ihm von Deinem Besuche und unserer Bekanntschaft zu sprechen , denn ich selbst – “ sie stockte . „ Du wagtest nicht – – “ „ Ich wage alles Mögliche , “ erklärte Gabriele , ein wenig gereizt , aber Onkel Arno ’ s Blick auszuhalten , wenn man etwas vor ihm zu verbergen hat , das gehört entschieden nicht zu den Möglichkeiten . Genug , er sprach sich mit der größten Bestimmtheit gegen die beabsichtigte Einladung aus ; das galt nicht Dir persönlich , denn er ahnt ja nichts von unserem Einverständnis , aber er will keinen Verkehr mit den jüngeren Beamten überhaupt , und wir mußten uns fügen . “ „ Ich wußte es , “ sagte Georg . „ Ich kenne meinen Chef . Er und die Seinigen bleiben unnahbar für Alles , was er unter sich glaubt , und selbst sein Machtwort könnte uns kaum mehr trennen , als es diese letzten Wochen gethan haben . Ich durfte Dich ja immer nur aus der Ferne sehen , und wenn uns wirklich einmal eine Begegnung vergönnt ist , wie die heutige , so müssen wir kalt und gleichgültig scheinen . Ich muß es mit ansehen , wie Du umschwärmt und gefeiert wirst , wie Jeder sich Dir nahen darf , nur ich , der das erste , das alleinige Recht auf Dich hat , bin zu dem Schweigen und der Zurückhaltung eines Fremden verurtheilt – Gabriele , das ertrage ich nicht länger . “ Gabriele hob das Auge