, welche hie und da von den Gevollmächtigten dagegen langsam vorgebracht wurden , gar bald darin erstickten . – Auch das ging vorüber ; aber noch eine Genugtuung empfing der Deichgraf eines Tages , da er in stillem , selbstbewußtem Sinnen auf dem neuen Deich entlangritt . Es mochte ihm wohl die Frage kommen , weshalb der Koog , der ohne ihn nicht da wäre , in dem sein Schweiß und seine Nachtwachen steckten , nun schließlich nach einer der herrschaftlichen Prinzessinnen » der neue Karolinenkoog « getauft sei ; aber es war doch so : auf allen dahin gehörigen Schriftstücken stand der Name , auf einigen sogar in roter Frakturschrift . Da , als er aufblickte , sah er zwei Arbeiter mit ihren Feldgerätschaften , der eine etwa zwanzig Schritte hinter dem andern , sich entgegenkommen . » So wart doch ! « hörte er den Nachfolgenden rufen ; der andere aber – er stand eben an einem Akt , der in den Koog hinunterführte – rief ihm entgegen : » Ein andermal , Jens ! Es ist schon spät ; ich soll hier Klei schlagen ! « – » Wo denn ? « » Nun hier , im Hauke-Haien-Koog ! « Er rief es laut , indem er den Akt hinabtrabte , als solle die ganze Marsch es hören , die darunterlag . Hauke aber war es , als höre er seinen Ruhm verkünden ; er hob sich im Sattel , gab seinem Schimmel die Sporen und sah mit festen Augen über die weite Landschaft hin , die zu seiner Linken lag . » Hauke-Haien-Koog ! « wiederholte er leis ; das klang , als könnt es alle Zeit nicht anders heißen ! Mochten sie trotzen , wie sie wollten , um seinen Namen war doch nicht herumzukommen ; der Prinzessinnen-Name – würde er nicht bald nur noch in alten Schriften modern ? – Der Schimmel ging in stolzem Galopp ; vor seinen Ohren aber summte es : » Hauke-Haien-Koog ! Hauke-Haien-Koog ! « In seinem Gedanken wuchs fast der neue Deich zu einem achten Weltwunder ; in ganz Friesland war nicht seinesgleichen ! Und er ließ den Schimmel tanzen ; ihm war , er stünde inmitten aller Friesen ; er überragte sie um Kopfeshöhe , und seine Blicke flogen scharf und mitleidig über sie hin . – – Allmählich waren drei Jahre seit der Eindeichung hingegangen ; das neue Werk hatte sich bewährt , die Reparaturkosten waren nur gering gewesen ; im Kooge aber blühte jetzt fast überall der weiße Klee , und ging man über die geschützten Weiden , so trug der Sommerwind einem ganze Wolken süßen Dufts entgegen . Da war die Zeit gekommen , die bisher nur idealen Anteile in wirkliche zu verwandeln und allen Teilnehmern ihre bestimmten Stücke für immer eigentümlich zuzusetzen . Hauke war nicht müßig gewesen , vorher noch einige neue zu erwerben ; Ole Peters hatte sich verbissen zurückgehalten , ihm gehörte nichts im neuen Kooge . Ohne Verdruß und Streit hatte auch so die Teilung nicht abgehen können , aber fertig war er gleichwohl geworden ; auch dieser Tag lag hinter dem Deichgrafen . Fortan lebte er einsam seinen Pflichten als Hofwirt wie als Deichgraf und denen , die ihm am nächsten angehörten ; die alten Freunde waren nicht mehr in der Zeitlichkeit , neue zu erwerben , war er nicht geeignet . Aber unter seinem Dach war Frieden , den auch das stille Kind nicht störte ; es sprach wenig , das stete Fragen , was den aufgeweckten Kindern eigen ist , kam selten und meist so , daß dem Gefragten die Antwort darauf schwer wurde ; aber ihr liebes , einfältiges Gesichtlein trug fast immer den Ausdruck der Zufriedenheit . Zwei Spielkameraden hatte sie , die waren ihr genug : wenn sie über die Werfte wanderte , sprang das gerettete gelbe Hündlein stets um sie herum , und wenn der Hund sich zeigte , war auch klein Wienke nicht mehr fern . Der zweite Kamerad war eine Lachmöwe , und wie der Hund » Perle « , so hieß die Möwe » Klaus « . Klaus war durch ein greises Menschenkind auf dem Hofe installiert worden : die achtzigjährige Trin ' Jans hatte in ihrer Kate auf dem Außendeich sich nicht mehr durchbringen können ; da hatte Frau Elke gemeint , die verlebte Dienstmagd ihres Großvaters könnte bei ihnen noch ein paar stille Abendstunden und eine gute Sterbekammer finden , und so , halb mit Gewalt , war sie von ihr und Hauke nach dem Hofe geholt und in dem Nordweststübchen der neuen Scheuer untergebracht worden , die der Deichgraf vor einigen Jahren neben dem Haupthause bei der Vergrößerung seiner Wirtschaft hatte bauen müssen . Ein paar der Mägde hatten daneben ihre Kammer erhalten und konnten der Greisin nachts zur Hand gehen . Rings an den Wänden hatte sie ihr altes Hausgerät : eine Schatulle von Zuckerkistenholz , darüber zwei bunte Bilder vom verlorenen Sohn , ein längst zur Ruhe gestelltes Spinnrad und ein sehr sauberes Gardinenbett , vor dem ein ungefüger , mit dem weißen Fell des weiland Angorakaters überzogener Schemel stand . Aber auch was Lebiges hatte sie noch um sich gehabt und mit hieher gebracht : das war die Möwe Klaus , die sich schon jahrelang zu ihr gehalten hatte und von ihr gefüttert worden war ; freilich , wenn es Winter wurde , flog sie mit den andern Möwen südwärts und kam erst wieder , wenn am Strand der Wermut duftete . Die Scheuer lag etwas tiefer an der Werfte ; die Alte konnte von ihrem Fenster aus nicht über den Deich auf die See hinausblicken . » Du hast mich hier als wie gefangen , Deichgraf ! « murrte sie eines Tages , als Hauke zu ihr eintrat , und wies mit ihrem verkrümmten Finger nach den Fennen hinaus , die sich dort unten breiteten . » Wo ist denn Jeverssand ? Da über den roten oder über den schwarzen Ochsen hinaus