und bei allen andern Thronen als einen Wahnwitzigen und Unfähigen auskünden , der sein Reich sowenig als sein eigen Gemüt bezähmen und regieren kann . Bleibt es so , oder wird es schlimmer mit ihm , ei , wie leichtes Spiel haben die Brüderlein , dem Vater die Krone vom Haupte zu reißen und mir mein Erbteil zu entwinden ! Aber bei den Augen Gottes ‹ , beteuerte er , › das darf nicht dauern ! . . . ‹ › Habet Geduld , Herr Richard ‹ , unterbrach ich ihn , › und weichet nicht von einem Kranken ! Wenn Ihr mit Sicherheit in Euer Erbe treten wollt , bauet auf Gottes Verheißung , die denen , so Vater und Mutter ehren , langes Leben und den Besitz des Landes verbürgt ! ‹ › Nicht meinetwegen allein muß das Ding ein Ende nehmen ‹ , sagte Herr Richard . › Ich bin der Drittgeborne , und meiner Treu , mich ergötzte besser , ein Reich mit dieser Faust zu ergreifen , als das des Eroberers zu erben ! Aber ... ‹ er sprang auf die Füße und reckte die Hand gen Himmel , › umkommen lasse ich es nicht , das Reich des Normannen , so wahr sein Blut in meinen Adern rollt ! Diesseits und jenseits des Meeres soll es zusammenhalten und die Welt beherrschen ! ‹ Wie er so hoch und herrlich vor mir stand , konnte ich von seinem Glanz das Auge nicht verwenden . Er aber wandte sich zu mir mit den ungeduldigen Worten : › Hans , wo begann das ? Und wurde so schlimm ? In der Stunde , sag ich dir , wo der Vater mit der Weisheit , das ist mit Herrn Thomas sich entzweite . – Widersprich mir nicht ! – Ich will verkappt über Meer und nach dem Kloster fahren , wo der Primas fastet und betet . Er hat mich liebgehabt und liebt mich zur heutigen Stunde , wenn noch eine Faser seines Wesens unvermöncht ist . – Rede mir nicht ein ! Ich gehe , seine Kniee zu umfassen ! Ich will flehen und bitten – nicht wie ein Königskind und nicht wie zu einem Menschen ... ich ruhe und raste nicht , bis ich die zweie zueinander gezogen und versöhnt habe ! . . . Er muß wiederum des Vaters Kanzler werden ; denn allein seiner großen und einzigen Weisheit ist es möglich , das Wirrnis zu lösen ! ‹ – Ich wußte , wie gerne Herr Richard sich verkleidete und auf Abenteuer ausritt . Diesmal jedoch wurde er durch frommes , kindliches Leid mehr noch als durch sein Blut getrieben . Ich hielt dem ehrlichen Wildfang noch vor , wie leicht mißlungene Versöhnung in verschärfte Feindschaft umschlägt ; dann ging ich unverzüglich , ihm und mir geringes Gewand zu verschaffen , willfährig ihn auf seinen Wegen zu begleiten , denn die fröhliche Zuversicht seiner Augen hatte mich Gewitzigten verblendet . Urlaub von meinem Könige nahm ich nicht , dieweil es ihm selbst genehm sein mußte , nachdem ich der Zeuge seiner Schmach gewesen , meinen Anblick etliche Tage zu missen . Wir durchritten Frankreich in zwei ärmliche deutsche Reiter verkleidet , die Kriegsdienst und Löhnung suchen . Herrn Richards Jugend und Adel aber strahlte so siegreich aus dem geflickten Mantel hervor , daß ich , um jeden Verdacht abzuwenden , mich meiner Hofsitten gänzlich entäußerte , in Herbergen und auf Heerstraßen greulich fluchend und schwörend in meinem väterlichen Alemannisch . Auch ritten wir nachts und rasten des Tages . Da stieß ich mit einem zusammen in einer Herberge , wo Herr Richard in der entlegensten Kammer schlief , mit einem , der von unten her Gewalt über die Geister empfangen hatte , der mit scharfem Schwerte und noch schärferer Zunge , wo er stand und ging , wie ein Engel der Zwietracht Bande der Natur zerschnitt und den Frieden mordete . Auch das Löwenherz sollte ihn später erfahren , aber jenes Tages blieb er noch vor ihm verschont . Ich saß vor meinem Imbiß in der Trinkstube , da hörte ich Pferdegestampf auf dem gepflasterten Flur und den Lärm eines anlangenden reisigen Truppes . Ein Fünf oder Sechs in Kostbarkeit gekleideter und turniermäßig gewaffneter Ritter traten ein und verlangten einen guten , schnellen Trunk . Es waren Südfranzosen von gelenken Gliedern , feurigen Augen und geflügelter Rede , die , wie ich bald erfuhr , von einem Lanzenspiele in der berühmten Stadt Paris kamen , das sie infolge eines plötzlich entleerten bösartigen Zwistes fluchtweise verlassen hatten . Sie ließen Scheiter ins Feuer werfen und setzten sich scherzend und silbenstechend um den lodernden Herd . Kreuz und quer sprangen die klingenden Worte . Die einen der Jünglinge setzten die Frauen von Paris herunter neben den Schönheiten von Arles und Tarascon , die andern erhitzten sich wiederum an dem Zwist , der ihnen das Fest vergällt und gekürzt hatte . Wer diesen gestiftet , darüber war ich nicht im Zweifel . Gerade jetzt sprang er wieder von seinem Sitze und in ihre Mitte , der mit den brennenden Augen und flatternden Haaren , und machte sich zum Herrn des Gespräches . › Wahr ist es , überall wo ich hintrete , lodert die Flamme aus der Erde ‹ , rief er ihnen zu : › hoch und aufrichtig , kein ersticktes Feuer , wie das eurige ! Hasset ihr sie doch auch im stillen , ihr Provenzalen und Aquitanier , Kinder der Sonne , diese Leute des Nordens mit den gepanzerten Gliedern und steifen Gebärden , mit der herrischen Sprache und den begehrlichen Augen ! Fühle ihr doch , wie sie euch beneiden , ihr Begünstigten , eure von Öl , und Wein triefenden Hügel , die alte Freiheit eurer römischen Städte , eure glücklichen Porte , wo die Waren und die Gedanken der Erde getauscht werden , Meer und Himmel , eure vollkommenen Weiber , eure süßeste Sprache ! Fühlet ihr doch , daß sie euch