Herzogs . Und hastig die Tasse leerend , fragte er : » Ist es jetzt Mode bei dir , im Dunkeln zu sitzen , Liesel ? Früher mußtest du Licht haben um jeden Preis . « » Fräulein Klaudine von Gerold ! « sagte plötzlich die alte Hofdame , und zugleich tönte das Rauschen eines seidenen Gewandes . Durch die tiefe Dämmerung schritt eine Gestalt , und eine leicht vibrierende klangvolle Frauenstimme sprach : » Hoheit haben befohlen ! « » Ach , meine liebe Klaudine ! « rief die Herzogin erfreut und winkte nach einem Sessel , » meine ungeduldige Bitte hat Sie doch nicht gestört ? « In diesem Augenblicke flammten die Lampen unter der Decke auf , und ein durch mattes Glas gedämpftes Licht erhellte das Gemach und tauchte die kleine Gruppe der am Kamin versammelten Menschen in einen milden weißen Schein . Der Herzog hatte sich , wie auch Baron Gerold , erhoben , und beide sahen zu dem schönen Mädchen hinüber ; beide mit dem nämlichen Ausdruck der Überraschung . In den Augen Seiner Hoheit blitzte es einen Augenblick auf , dann wurde der Ausdruck wieder genau so apathisch wie vorher . Auf des Barons Stirn lag eine düstere Falte , doch auch sie verschwand blitzgeschwind . Dort neben dem Sofa der Herzogin stand sie , die schwarze einfache Seidenrobe hob ihre schlanke , ebenmäßige Gestalt prächtig hervor . Sie hatte kaum einen Hauch von Farbe auf ihren Wangen und sah nach einer tiefen Verbeugung vor Seiner Hoheit mit stillem Gesichtsausdruck zu der fürstlichen Frau hinunter . Die Herzogin wies auf einen Sessel , den man hingeschoben hatte , und sprach von einem gemütlichen Plauderabend , und ob Klaudine auch wohl sei , sie sehe so blaß aus . Und mit eigener Hand reichte sie der jungen Dame ein Kristallfläschchen : » Nur ein paar Tropfen , liebste Klaudine , etwas Arrak macht warm nach der kalten Fahrt . « Der Herzog hatte nicht wieder Platz genommen , er lehnte am Kamin und sah augenscheinlich mit größtem Interesse auf die Bewegungen der alten Freiin , die eben mit einem Körbchen voll bunter Wollsträhne sich ihrer Gebieterin näherte und auf die abweisende Handbewegung der eifrig Sprechenden sich wieder entfernte . Mit keinem Worte beteiligte er sich an der Unterhaltung , in welche die fürstliche Frau auch Lothar hineinzog . Dieser stand hinter dem Sessel Klaudines , dem Herzog gegenüber , und antwortete mit eigentümlichem Tonfall , als ob eine Gemütsbewegung ihn am fließenden Sprechen hinderte . » Ich meine , der L ' hombretisch wird uns erwarten « , sagte der Herzog plötzlich , indem er leicht die Stirn seiner Gemahlin küßte und mit einer flüchtigen Verbeugung gegen Klaudine hinausschritt , gefolgt von Lothar . » Liebste Katzenstein « , bat die Herzogin , » ich weiß , Sie wollen Briefe schreiben , lassen Sie sich nicht stören ! Sie sehen , ich bin in der allerliebenswürdigsten Gesellschaft . Lassen Sie die Vorhänge zuziehen , die Spuren des Teetisches beseitigen und meinen Liegesessel hierherschieben . Ich finde es so behaglich am Kamin , obgleich heute der sechste Juni im Kalender steht . Und , liebste Katzenstein , die Lampen an den Flügel . Sie singen doch ein wenig ? « wandte sie sich an Klaudine . » Wenn Hoheit befehlen . « » O , ich bitte darum . Aber zunächst plaudern wir ! « Die lebhafte junge Frau , auf dem Ruhebette liegend , versuchte durch die bezauberndste Liebenswürdigkeit ihre stille Gefährtin zu diesem » Plaudern « zu bewegen , und es lag doch wie ein Bann auf dem Mädchen . Es war ihr , als müsse sie ersticken in diesem künstlich erwärmten Raume , in den Erinnerungen an vergangene Zeiten , die sich aus jedem Winkel lösten , aus jeder Stuckarabeske auf sie herniederschwebten . Hier in diesem schönen großen Gemach war ihnen als Kindern immer zu Weihnacht beschert worden , Joachim und ihr , hier hatte die kleine Ballfestlichkeit stattgefunden , ihrem jungen achtzehnjährigen Dasein zu Ehren , hier hatte sie weinend in tiefer Trauer den heimkehrenden Bruder und sein junges schönes Weib empfangen , während dort unten im Erdgeschoß die Leiche des Vaters aufgebahrt lag . Damals war jener Erker in einen Garten verwandelt gewesen , unter blühenden Granatbäumen hatten Sessel gestanden , damit Joachims Weib die nordische Heimat nicht gar so traurig erscheine . Die purpurroten Blüten sollten ein Gruß sein aus dem fernen Vaterlande , hatte Klaudine gemeint , und sie hatte doch nur erreicht , daß die schönen Augen der jungen Schwägerin sich mit Tränen füllten . » O , wie klein sind diese Blüten , wie sehen sie krank aus ! « hatte sie geklagt . Ach , wie schwer war doch diese Zeit gewesen ! Klaudines Blicke kehrten wie aus tiefen Träumen in die Gegenwart zurück . Die Stimme der Herzogin hatte sie geweckt , und so bang und tränenschwer waren diese Blicke , daß die fürstliche Frau verstummte ; aber eine zaghafte Hand griff nach der des Mädchens und hielt sie fest . » Ach , ich vergaß , daß es Sie traurig machen muß , fremde Menschen in Ihrem Vaterhause zu sehen . « Es klang so innig , so weich , und Klaudine wandte den Kopf , um die Tränen zurückzudrängen , die ihre Augen verschleierten . » Weinen Sie doch , es erleichtert « , sagte die Herzogin einfach . Klaudine schüttelte den Kopf und bemühte sich gewaltsam , ihre Fassung wiederzugewinnen , doch wollte es ihr nicht recht gelingen . Was tobte und stürmte nicht alles in ihrer Seele , und nun auch noch die Güte dieser Frau ! » Verzeihung , Hoheit , Verzeihung ! « stieß sie endlich hervor . » Gestatten Hoheit , daß ich mich bald zurückziehe . Ich fühle , ich kann heute nicht die Gesellschaft sein , die Hoheit wünschen . « » O nimmermehr , meine liebe Klaudine ! Ich lasse Sie nicht ! Denken