was gesagt ! “ Die Magd eilte herzu und Ernestine drehte und wendete sich und blieb dabei , sie liege mit dem Kopfe unten und mit den Füßen oben . Rieke kam endlich auf den Gedanken , daß Ernestinens vorige Bettstelle an der entgegengesetzten Wand gestanden hatte , und daß sich die alte Gewohnheit nun beim Erwachen gel ­ tend mache . Sie war klug genug , das als ein gutes Zeichen zu betrachten und bettete Ernestinen rasch und vorsichtig um . Als diese die Hand ausstreckte und nun die Wand an der Seite fühlte , wo sie es ge ­ wohnt war , schien sie zufrieden wieder einzuschlummern , und Rieke entfernte sich , um ihre Arbeit fortzusetzen . Doch bald schlug Ernestine die Augen auf und blickte zum erstenmal mit klaren Blicken um sich . „ Angelika ! “ sagte sie verwundert — dann sah sie sich im Zimmer um : „ Das ist ja die Stube von Frau Gedike — und welch großes , weiches Bett ! “ „ Nicht wahr , “ brach Angelika vergnügt aus : „ Da liegt sich ’ s gut drin ? Ach Du arme , liebe Ernestine , bist Du denn nun wieder ein bißchen gesund ? Ist Dein Köpfchen wieder ganz ? “ Ernestine befühlte ihre Binde . „ Was hab ’ ich denn da ? “ „ Sie haben Dir ja Deinen Kopf zerbrochen — o — so etwas ist schrecklich — ich weiß das von meinen Puppen — und denen tut ’ s doch nicht einmal weh und man kann ihnen neue Köpfe aufsetzen — aber Dir konnte man das nicht und sie sagten , Du müßtest sterben . Du bist aber doch nicht gestorben ! “ „ Ach ja , “ sagte Ernestine sich besinnend , „ jetzt weiß ich ’ s , heute Nacht schlug mich der Vater und warf mich um — ja — das tat sehr weh ! “ „ Es war nicht heute — es war vor einigen Tagen , da hast Du wohl die ganze Zeit geschlafen und hast auch nicht gemerkt , daß sie Dir die Haare abschnitten ? “ fragte Angelika , lief zur Kommode und holte ein dickes Büschel langer schwarzer Locken herbei . „ Siehst Du , da sind sie , — sie sind noch ganz von Blut verklebt — aber wenn Du sie mir lassen wolltest , wüsche ich sie aus und machte meiner großen Laufpuppe eine prachtvolle Perrücke davon ! — Bitte , bitte , liebe Ernestine , schenke sie mir , Dir wachsen sie ja doch nicht wieder an ! “ „ Ich will sie Dir gerne schenken , “ sagte Ernestine , „ aber frag ’ erst Frau Gedike , ob Du sie behal ­ ten darfst . “ „ Ei , die ist ja nicht mehr da , Onkel Heim hat sie fortgejagt ! “ erwiderte Angelika , die dunkeln Sträh ­ nen sehnsüchtig durch die Finger ziehend . „ So frag ’ meinen Vater . “ Diese Antwort brachte Angelika ganz außer Fassung . „ Deinen Vater kann ich nicht fragen , “ klagte sie und legte ärgerlich die Haare weg . „ Der ist ja tot . Sie steckten ihn vorhin in den Leichen ­ wagen — ich hab ’ s gesehen . “ „ Ach , “ sagte Ernestine erschrocken , „ er lebt nicht mehr ? O , warum mußte er sterben ? “ „ Ich denke , weil er so böse mit Dir war “ — meinte Angelika altklug : „ Weißt Du , — wenn ich unartig bin , sperrt mich Mama ins dunkle Zimmer — und weil Dein Vater doch noch viel schlimmer war als ich — sperrt ihn der liebe Gott in das finstere Grabloch hinein , da muß er nun immer drin bleiben ! “ „ Ach meinetwegen hätte der liebe Gott das nicht tun sollen , meinetwegen nicht , “ — sagte Ernestine , aus ihrer Stumpfheit in Tränen übergehend : „ Nun hab ’ ich ja keinen Vater mehr — nun hab ich gar Niemanden mehr — und bin ganz allein auf der Welt ! — Ach , der arme Vater ! um meinetalben muß er jetzt in das enge Grab hinein , wo ihn die Würmer fressen , daß nur die Knochen übrig bleiben — o wie schrecklich , wie schrecklich ! Ich habe einmal auf einem Gemälde ein Totengerippe gesehen — solch ein Gerippe wird er nun werden — der arme , arme Vater . “ Und sie rang ihre dürren Hände und wälzte sich laut jammernd im Bette herum . Angelika war in Verzweiflung über das Unglück , das sie angerichtet . Sie hatte ganz vergessen , daß man ihr verboten hatte , für den Fall von Ernestinens Erwachen von ihrem Vater zu reden . Sie trippelte in großer Angst an dem hohen Bette auf und nieder und holte endlich einen Schemel herbei , auf den sie sich stellte , um zu Ernestinen hinauf reichen zu können . Sie küßte sie , streichelte ihr unaufhörlich die Wangen und drückte ihr mit dem weichen Händchen den Mund zu , um sie zum Schweigen zu bringen , aber nichts half . Endlich kam sie auf den Gedanken , ihr das Buch vorzuhalten , das neben ihr lag . Sie schlug ein Bildchen auf und zeigte es ihr : „ Schau , liebe Ernestine , schau doch Dein schönes Buch an “ — flehte sie und sogleich hob diese den Kopf und wischte die Tränen aus den Augen , als sie das Bild sah : „ Der Schwan “ — rief sie — „ der Schwan , das ist die Geschichte vom häßlichen , jungen Entlein ! “ Sie nahm das Buch hastig aus Angelikas Händen , und sie blätterten zusammen darin . Allmälig verdrängten die wundervollen Gestalten der Schneekönigin , der kleinen Seejungfrau und Andere mehr das furchtbare Bild ihres toten Vaters , und seine enge Gruft verwandelte sich bald in