und der arme Jung ’ , der muß für ein paar Tag ’ das Kreppbändel vom Arm und in die Tasch ’ un thun . – Ja , wie die z ’ samm ’ komm ’ n , dös kännt a ’ m a Rätsel sein , wann ma net wüßt , daß – – “ Sie verstummte und goß Aenne eine zweite Tasse ein . „ So , Fräul ’ n May , da ist der Zucker , bedienen S ’ Ihn ’ n ! “ Aenne kam mechanisch der Aufforderung nach und starrte dann irgend ein Bild an . Die Dämmerung war herabgesunken , undeutlich verschwammen alle Gegenstände . Die Sängerin hatte ihren Spitz auf den Schoß genommen , streichelte , wie in Gedanken verloren , das weiße Fellchen ihres Lieblings und dachte an irgend etwas , das sie der Gegenwart entrückte . Sie hörten beide nicht , wie ein fester Schritt die Treppe empor und über den Flur kam . Der Azorl fuhr erst auf , als ein kräftiges Klopfen an der Stubenthür erscholl , nun sprang er wie ein Gummiball zur Erde und bellte aus Leibeskräften . Fräulein Hochleitner eilte zur Thür und fragte ins Dunkle hinaus . „ Wer ist da ? “ „ Verzeihen Sie , mein Fräulein – Günther , Oberförster Günther . Ich wollte meine Braut abholen , sie ist doch noch hier ? “ „ Ah ! Schaun ’ s , wie galant ! Herr Oberförster , bitt ’ , kommen ’ S nur einer . – Fräul ’ n May , da ist er , der Herr Bräutigam ! “ rief sie Aenne zu , die ganz erstaunt in ihrem Sessel verblieben war , aber trotz der tiefen Dämmerung deutlich die hohe breite Gestalt ihres Verlobten erkannte . „ Guten Abend , Aenne , “ klang seine Stimme , „ ich traf eben Tante Emilie auf der Straße , sie wollte hierher , um dich abzuholen , und ich bat , mir dies zu überlassen – es ist dir hoffentlich recht ? “ Sie erhob sich langsam . „ Ja ! “ antwortete sie halb erstickt . In diesem Augenblick glühte die Flamme der Lampe unter der Hand der Sängerin auf , die Blicke des Brautpaares begegneten einander . „ Wie blaß sie aussieht , “ dachte er , „ es ist ihr unlieb , daß ich hinter ihr kleines Geheimnis gekommen bin . “ Sie dachte nichts , fühlte nichts als die ungeheure Schuld , die sie ihm gegenüber trug . „ Aber da setzen S ’ Ihn ’ n do no a bisserl , “ bat Fräulein Jeannette , „ hat ’ s denn gar so große Eil ’ , Herr von Günther ? Kann i Ihn ’ n an Liqueur anbiet ’ n – gelt , ja ? Setze S ’ Ihn ’ n doch ! “ Sie kam schon mit einem eleganten Liqueurkästchen an , das sie öffnete , und wies auf die Flasche , „ Benediktiner ? Chartreuse ? Creme de Cacao ? oder Anisette ? Was möcht ’ n S ’ ? “ rief sie fröhlich . „ Aennerl , wollen S ’ net a – ? “ Der Oberförster wandte langsam seinen Blick von dem schönen Mädchen im roten Plüschhauskleid , mit dessen langer Schleppe Azorl spielte , zu Aenne hinüber . Sie hatte nicht wieder Platz genommen und stand hinter ihrem Stuhl in ihrem schwarzen Wollkleid , das nur durch einen einfachen weißen Leinwandkragen geschmückt war , einen peinliche Zug um den Mund ; die Röte kam und ging auf ihrem Gesicht . Er trank das Gläschen aus , das ihm gereicht worden . „ Auf Ihr Wohl , Fräulein ! Aber nehmen Sie es nicht übel , wenn wir aufbrechen , ich habe noch Wichtiges mit meiner Braut zu besprechen – wegen der Hochzeit , wissen Sie ; der Herzog reist am dreißigsten Dezember heim , eben erfuhr ich ’ s auf der Jagd von ihm selbst . “ „ Also endli a Aussicht , daß man wieder ins Städterl kummt ! “ rief die Sängerin und schlug jubelnd die Hände zusammen . „ Gott sei Dank , daß wir aus dem Räubernest erlöst wer ’ n ! Wie wird sich ’ s Mutterl freu ’ n ! Mir is nur um ans lad , um die da “ – sie wies auf Aenne , die mit großen angstvollen Augen auf den Oberförster starrte – „ von der trenn ’ i mi schwer , Herr Oberförster , sie is a Gold , a reins Gold und ’ a Stimm ’ hat ’ s – – i hab ’ schon immer dacht , der Herr Oberförster , der versteht ’ s , er schießt net allein die Hirscherln , er fangt a sogar die Nachtigall ’ n ! “ Aenne wandte sich hastig um und legte ihre Sachen an . Als sie der Hochleitner die Hand reichte , sah sie aus wie eine , die entschlossen ist zu irgend etwas Verzweifeltem . „ Gute Nacht ! “ sagte sie heiser und ging nach der Thür , an Günther vorüber , diesen noch ein paar Minuten unter dem Wortschwall der Sängerin lassend . An der Pforte des Vorgärtchens wartete sie auf ihn . Es war jetzt völlig Abend geworden , aber der Schnee verbreitete eine bläuliche Helle auf der Straße , in welche die erleuchteten Fenster der Wohnungen rötlichgelb hineinflammten . Eine große Ruhe lag über der verschneiten Welt . Jetzt trat er aus der Thür und kam die Stufen hinunter , sie erkannte , daß er noch den Jagdanzug trug , die hohen Stulpenstiefeln und die Joppe . Er mochte auf die Nachricht von der bevorstehenden Abreise des Herzogs hin nur die Büchse ins Haus gestellt haben , um ihr die Kunde zu bringen , da hatte er Tante Emilie getroffen . Aber , wie um alles in der Welt , wußte die von ihrem Besuch bei der Hochleitner ? – „