zu Tag nur schwieriger , das Geld blieb aus und unser Fieberkranker , dem kräftige Speisen verordnet waren , mußte von Semmel und Weintrauben leben . Wer weiß , was geworden wäre , wenn nicht der Hauswirt , voll jenes Zartsinns , von dem die Italiener trotz aller Vetturine doch auch ihre Proben geben , sich ins Mittel gelegt und von freien Stücken offeriert hätte , » bis auf weiteres mit seiner Küche vorliebnehmen zu wollen . « Dies geschah und – endlich kam das Geld . Schinkel und sein Reisegefährte ( Steinmeyer ) bestellten nun eine gebratene Ente , worauf der Italiener lachend erwiderte : capisco , i denari son ' venuti . Die Rückreise nach Deutschland ging über Paris , dessen jedoch in den betreffenden Briefen nur flüchtig Erwähnung geschieht ; die Sehnsucht , nach fast zweijähriger Abwesenheit , stand wieder nach der Heimat und Ende Januar 1805 war er zurück . Hier bot sich für seine Wirksamkeit als praktischer Architekt vorläufig wenig , und durch die unglückliche Katastrophe , die das Jahr darauf hereinbrach , wurde vollends alle Aussicht gestört . Dies war ein Unglück . Waagen indes äußert sich dahin , daß das , was anfänglich unbedingt als eine schwere Fügung des Schicksals erscheinen mußte , schließlich der mehrseitigen Entwickelung Schinkels fördersam gewesen sei und auf seine reifere Ausbildung zum praktischen Architekten den wohltätigsten Einfluß ausgeübt habe . Wir lassen dies dahin gestellt sein und verzeichnen unsererseits nur die Tatsache , daß unser Ruppiner Superintendentensohn , den wir uns gewöhnt haben als Architekten und nur als solchen zu kennen und zu bewundern , daß unser Schinkel , sag ' ich , zum Teil der eigenen Neigung , aber mehr noch dem Zwange gebieterischer Umstände nachgebend , zehn Jahre lang ( von 1805 bis 1815 ) vorwiegend ein Landschaftsmaler war . Er malte große hochpoetische Landschaften in Öl , vor allem jenen reichen Zyklus perspektivisch-optischer Bilder ( meist für die Gropiusschen Weihnachtsausstellungen ) , worin er fast aus allen Teilen der Welt das Schönste und Interessanteste vor den staunenden Augen seiner Landsleute entrollte : Ansichten von Konstantinopel , Nilgegenden , die Kapstadt , Palermo , Taormina mit dem Ätna , den Vesuv , die Peterskirche , die Engelsburg und das Kapitol in Rom , den Mailänder Dom , das Chamonixtal , den Markusplatz , den Brand von Moskau , die Leipziger Schlacht , Elba , St. Helena usw. Vor allem verdienen hier die 1812 für das kleinere Gropiussche Theater gemalten » Sieben Wunder der alten Welt « einer besonderen Erwähnung . Sie gaben ihm eine erwünschte Gelegenheit , neben der vollen Entfaltung seines malerischen Geschicks , sich auch als genialen Architekten aufs glänzendste zu bewähren . Franz Kugler nannte diese Arbeiten » die geistreichsten Restaurationen der Wunderbauten des Altertums . « Auch Staffeleibilder in großer Zahl entstanden um diese Zeit : Landschaften in Öl , Gouache , Aquarell und Sepia . Er entwickelte auf diesem Gebiet eine Vielseitigkeit , wie die Kunstgeschichte sonst kein Beispiel aufweist , so daß er nach der Meinung Waagens als der mutmaßlich größte Landschaftsmaler aller Zeiten dastehen würde , wenn er die Technik der alten Meister besessen und seine ganze Kraft diesem Fache hätte zuwenden können . Denn er vereinigte das lebhafte und innige Gefühl für die bescheidenen , anspruchslosen Reize einer nordischen Natur , welche uns die Bilder eines Ruisdael , eines Hobbema so anziehend machen , mit dem Liniengefühl und dem Sinn für zauberhafte Beleuchtung eines Claude Lorrain . Andere seiner Bilder erinnern durch eine gewisse Klassizität und kühle , harmonische Farbenwirkung an die Landschaften Nikolaus Poussins . Was uns , die wir die Mark durchreisen und beschreiben , mit besonderer Genugtuung erfüllt , ist der Umstand , daß die herrlichen Gegenden des Südens , in denen er so lange geschwelgt , ihn nicht unempfindlich für die Reize seiner märkischen Heimat gemacht hatten . Er verachtete unsere Landschaft keineswegs , wie so viele tun , die sich dadurch das Ansehen feineren Kunstverständnisses zu geben vermeinen . Neben Palermo oder Taormina malte er » die Oderufer bei Stettin « , und selbst » Stralau und die Spree « erschienen seinem Künstlerauge nicht zu gering . Alle unsere großen Landschafter haben in diesem Punkte empfunden wie Schinkel . Ich nenne nur Blechen , anderer jüngerer , wie Riefstahl und Bennewitz von Loefen zu geschweigen . Vieles von den zahlreichen Arbeiten jener Epoche – namentlich alles bloß Dekorative , für eine bestimmte Gelegenheit Entworfene – ist verlorengegangen , anderes ist in den Schlössern und Herrenhäusern der Mark zerstreut , in denen ich , wie z.B. in Neu-Hardenberg , Steinhöfel , Radensleben und Friedrichsfelde einer ganzen Anzahl von Gouache- und Ölbildern begegnet bin . 24 Wie manches aber auch dem Auge entzogen oder verlorengegangen sein mag , das Wesentlichste , das er als Landschafter geleistet , ist unserer Hauptstadt erhalten geblieben , und die jetzt der National-Galerie zugehörige Wagnersche Sammlung bietet uns Gelegenheit , einen Einblick in die reiche schöpferische Kraft Schinkels auch als Maler zu tun . Die Technik ist seitdem eine andere geworden und die Schinkelsche Farbe , wie nicht geleugnet werden soll , hat zum Teil etwas kalkig-nüchternes , das uns heutzutage , wo wir an die Farbenzauber der Achenbachs gewöhnt worden sind , befremdlich ansieht , aber als stilisierte Landschaften sind sie schwerlich seitdem ihrem inneren Gehalte nach übertroffen worden . Bis hierher haben wir uns fast ausschließlich mit Schinkel dem Maler beschäftigt , der Friedensschluß von 1815 aber schuf einen plötzlichen Wandel , und von nun ab tritt der Baumeister in den Vordergrund . Es fällt diese Wandlung der Verhältnisse ( nachdem er übrigens schon 1810 in die Ober-Bau-Deputation berufen war ) mit seiner Ernennung zum Geheimen Oberbaurat zusammen . Man darf fast sagen , er wurde lediglich auf Vertrauen und Diskretion hin in diese Stellung eingeführt , denn noch war es ihm versagt geblieben , durch irgendeinen ausgeführten Bau von Bedeutung die Aufmerksamkeit oder gar die Bewunderung der Fachleute auf sich zu ziehen . Fünfundzwanzig Jahre lang ,