Stück Eisen ein . Sonst , wenn Dachhausen an eine Arbeit herantrat , wußte er sofort , wozu sie war , wohin sie gehörte , ob sie gut oder schlecht war , er fühlte dann ordentlich mit Behagen , wie der praktische Sinn in ihm schnell und genau funktionierte . Heute nun kamen ihm hier ganz ungewohnte , phantastische Gedanken , es war ihm , als fühlte er den Zorn des Hammers , der auf das rote , wunde Eisen niedersauste . War er denn verrückt ? Schnell verließ er die Schmiede , er ging in den Kuhstall . Es war Futterzeit , von der Deckluke ward das Heu herabgeworfen , die Mägde standen und ließen lächelnd die grünen , duftenden Heumassen auf sich niederregnen , dann faßten sie sie mit den Armen und trugen sie zu den Krippen . Wenn sie an Dachhausen vorüberkamen , warfen sie scheue Blicke auf ihn , denn sie sahen es gleich , der Herr war heute nicht guter Laune . Dachhausen aber stand da , nagte an seiner Unterlippe und dachte an Dietz Egloffs geheimnisvolle Abenteuer , von denen die Leute erzählten , seinen nächtlichen Ritten , und plötzlich stieg in Dachhausen ein Bedürfnis auf , sich über jemand zu ärgern , laut zu schelten und zu schimpfen , er lief im Stall umher und suchte nach einer Unordnung . Einen Augenblick blieb er vor dem Stier stehen , es gefiel ihm zuzusehen , wie das Tier blies , die Augen rollte und wie der ganze mächtige Körper von Bosheit geschwellt schien . Da er hier keine Unordnung fand , ging er in den Pferdestall hinüber . Jürgen , der Stallknecht , striegelte gerade den Schimmel , auch er erkannte auf den ersten Blick , daß der Herr heute in gefährlicher Stimmung war . Dachhausen ging nun von Pferd zu Pferd , musterte ein jedes genau , ja , da hatte er es , der Rappe war am Hinterlaufe aufgerieben , warum war er aufgerieben ? Warum war es nicht gemeldet worden ? Warum geschah nichts dafür ? es war eine unerhörte Unordnung . Dachhausen begann sehr laut zu sprechen , der Zorn fuhr ihm heiß in die Glieder , er faßte Jürgen am Rockaufschlag und schüttelte ihn , der große , blonde Bursche errötete und sah seinen Herrn verwundert an , Dachhausen aber stampfte mit dem Fuß , er tanzte ordentlich vor Wut . Da zuckten die Lippen des Burschen in einem kaum merklichen Lächeln , Dachhausen schwieg plötzlich , der Bursche lacht mich aus , fuhr es ihm durch den Sinn , er wandte sich kurz um und verließ den Stall . Draußen kam der Inspektor auf ihn zu , aber den mochte er jetzt nicht sprechen , drum schlug er eilig den entgegengesetzten Weg ein . Ziellos irrte er zwischen den Feldern umher , der Roggen war gut eingegrast und der Weizen auch . Wie die Lerchen heute dort oben tobten , er blieb stehen und schaute hinauf , er wollte sie zählen , eins , zwei , drei , vier , aber wozu ? Das hatte ja keinen Sinn , alles das hatte keinen Sinn . Es war wohl Zeit , zum Frühstück nach Hause zu gehen , vielleicht würde Liddy am Frühstückstische sitzen wie sonst und ihn anlächeln . Eine starke , kindische Hoffnung ließ ihn eilen , aber , als er in das Speisezimmer trat , sah er , daß nur ein Gedeck aufgelegt war . Er seufzte . Wie lange war es denn schon , daß er so einsam wie ein Junggeselle seine Mahlzeiten einnahm . Das Frühstück war gut , der Koch hatte da ein Fischgericht au gratin gemacht , das Dachhausen sonst sehr anzuerkennen pflegte . Er verstand es ja so gut , die kleinen Freuden des Lebens zu genießen , aber wenn man mit Sorgen allein bei Tische sitzt , dann wird einem die beste Speise vergällt . Mein Gott , warum wurde denn gerade sein Glück gestört , er verlangte ja vom Leben nichts , als daß es korrekt und heiter sei . Er hatte stets seine Pflicht getan , früher im Regiment und jetzt als Gutsbesitzer . Selbst der alte von der Warthe hatte seine Landwirtschaft gelobt . Er war kein Spieler wie Dietz und war seiner Frau nicht untreu wie der Graf Bützow , warum mußte nun etwas Rätselhaftes kommen und gerade ihm das Liebste , das er hatte , seine Ehe , stören . Er verstand das nicht . Gleich nach dem Frühstück ging er zu Liddy hinüber . Er trat in das Zimmer ein , ohne anzuklopfen , er wollte sich nicht wieder abweisen lassen . Lydia lag auf der Couchette in ihrem hellrosa Morgenrock , das Haar hing in zwei langen schwarzen Zöpfen über die Schultern hinüber , das Gesicht war sehr weiß , sie regte sich nicht , als Dachhausen eintrat und schaute mit den blanken Augen unverwandt zur Decke hinauf . » Liddy , « rief er im zärtlichsten Ton , den er aufbringen konnte , » wieder eine schlechte Nacht , was tun wir wohl , diese verdammten Nerven ! « Er beugte sich über sie und küßte das regungslose Gesicht . » Wie fühlst du dich jetzt ? « » Müde « , erwiderte Lydia , ohne ihn anzusehen . Er zog einen Stuhl heran und nahm ihre Hand , die schlaff in der seinen lag . » Ja , ja , « fuhr er fort , » das ist dieses Frühlingswetter , es sieht hübsch aus , aber es ist giftig . Alle spüren das . « Lydia antwortete nicht , da wurde auch Dachhausen befangen . Was sollte er mit dieser Frau beginnen , die tat , als sei er gar nicht da ? Er fing an etwas zu erzählen : » Ich war gestern in Witzow , die arme Gertrud ist auch leidend . Nun , und die beiden Alten , die brummen so herum in gewohnter Weise . Die