ich für ein Bild etwas Geld bekomme , kaufe ich sie und trage sie nach Hause . Ich stelle sie auf meinen Tisch . Der Tisch hat eine scheußlich gelbe Decke mit blauen Blumen . Nein das geht nicht . Ich stelle sie auf den Kasten , einen plumpgebeizten gelben Kasten . Aber das geht noch weniger . Ich stelle sie auf den Waschtisch , auf das Fenster - na , was soll ich dir sagen , wo diese Schale auch steht , überall gibt es einen falschen Ton , quält mich wie Zahnweh . Ich bin glücklich , als das Ding wieder beim Kunsthändler ist . Siehst du , so . « » Bin ich diese Schale ? « fragte Doralice . - » Nicht du , dein Kleid , dein Kleid . « Hans stand vor Doralice und wartete gespannt , was sie sagen würde . Sie jedoch sagte nichts , erhob sich und ging in ihr Schlafzimmer hinüber , um sich umzukleiden . Er aber begann wieder im Zimmer auf- und abzurennen , er war wütend . Also er hatte sie wieder einmal gekränkt , aber das schien jetzt nicht anders sein zu können . Sah es nicht aus , als sei die Liebe eine Einrichtung , die zwei Menschen aneinander bindet , damit sie einander quälen ? Wahrhaftig , so sah es aus . Aber es sollte anders werden und als Doralice in ihrem dunkeln Kleide zurückkehrte , um sich wieder still in ihren Sessel zu setzen , brach er los : » Du bist gekränkt , ich weiß , ich weiß . Aber du wirst sehen , ich werde dir einen Rahmen schaffen , in dem du dich anziehen kannst wie eine Königin . « » Ah , das kleine Häuschen « , warf Doralice hin . » Nun , etwas viel Schöneres « , fuhr Hans ungeduldig fort . » In München läßt sich jetzt viel machen . Ich werde eine Malschule gründen und dann werde ich arbeiten , ich bin voller Ideen , ich habe ja so viel in mir aufgespeichert , ich bin geladen wie eine Bombe , und wenn ich da einschlage in diese Welt abgelebter Großstadtleute , die werden Augen machen . Ich freue mich schon drauf . Wir wollen die Lampe anstecken und gleich zusammen einige Briefe nach München schreiben . « Er rieb sich die Hände und lachte , er war ganz Eifer , ganz Tatendurst . Aber Doralice sagte müde : » Ach nein , nur nicht die Lampe . « Hans stand einen Augenblick da und sann , dann setzte er sich langsam auf einen Stuhl , zündete sich eine Zigarette an und rauchte . Beide schwiegen , es dunkelte immer mehr , die Dämmerung schien mit dem Regen auf das Land niederzufließen , der Wind verfing sich irgendwo im Hause und es gab einen Ton wie ein trauriges Lachen . Doralice fühlte wohl , daß Hans dort neben ihr in der Dämmerung mit sich kämpfte , das Bewußtsein dieser Erregung , die Erwartung , daß es vielleicht einen leidenschaftlichen Auftritt geben würde , tröstete sie in der Melancholie dieser Stunde . Da begann Hans wieder ruhig , freundlich : » Sieh , das kommt daher . « » Was denn ? « fragte Doralice . - » Daß wir hier so zusammensitzen und nicht zueinander sprechen , als seien wir verfeindet . Wir sind nicht miteinander verfeindet und wir haben uns sehr viel zu sagen , aber das kommt daher , daß etwas in unserer Liebe zu Ende ist und etwas Neues anfangen muß . Jetzt haben sich die feinsten , empfindlichsten Teile unserer Seelen auseinanderzusetzen , jetzt fängt die ganz komplizierte Rechnung an , so eine Art Ausziehen von Kubikwurzeln , das ist immer so , das muß so sein . Ich kann nicht immer wie damals ein Ereignis sein . « » Ich habe gar nicht verlangt von dir , immer ein Ereignis zu sein « , meinte Doralice . - » Ich weiß , ich weiß , und ich weiß auch , was wir zu tun haben , um jetzt dieser jämmerlichen Stunde ein Ende zu machen . Wir müssen hinausgehen ans Meer . Es ist dunkel und es regnet , das macht nichts , das Meer wird uns kurieren , das Meer kann immer ein Ereignis sein und da wollen wir uns anschließen und du wirst sehen , dort werden wir uns wieder einander befreundet fühlen und dann wirst du auch wieder die Lampe ertragen können . « Er holte Doralicens Mantel , hüllte sie fest ein , nahm sie und zog sie mit sich hinaus . Draußen mußten sie gegen einen starken Wind ankämpfen , das Meer rauschte sehr laut , ein Durcheinander großer Stimmen , die sich überschrien und einander ins Wort fielen . Und in der Dämmerung hoben sich die Wellen wie große weiße Gestalten , die sich aufrecken , sich neigen , niederfallen . Zuweilen standen Hans und Doralice plötzlich wie auf einem weißen kalten Tuche , das war dann eine brandende Welle , die bis zu ihnen heraufgelaufen war . Beide lachten , drückten sich fest aneinander und Hans fragte laut in das Rauschen hinein : » Fühlst du es , fühlst du es schon , wie wir einander wieder befreundeter werden ? « » Ja , ja « , erwiderte Doralice atemlos von all der mächtig bewegten Luft , die sie atmen mußte . - - - Im Bullenkrug drückte der Regennachmittag auch auf die Stimmung . Es lag ohnehin eine Spannung in der Luft , welche die Menschen mit einer gereizten und freudlosen Unruhe in den engen Räumen herumtrieb . » Meine Schar « , sagte die Generalin zu Fräulein Bork , » geht hier heute umher wie die Eisbären im Käfig . Lassen Sie alle Lampen anstecken , nur keine Dämmerung , die ist gefährlich . Und dann viel und gutes Essen . So kommen wir am leichtesten über die Schwierigkeiten hinweg .