da Hierangl it g ' logen hat . « » Warum soll der Hierangl lügen ? « » I behaupt ' s net . Aba , weil ma halt nia was anders g ' hört hat , als daß der Schuller mit sein Vater guat g ' haust hat . « » Dieser Mann hat eine eiserne Stirne . Ich habe ihm selbst lange geglaubt . Da ist es kein Wunder , daß sich auch andere täuschen lassen . « » Ma hat nia was g ' hört ... « » Es ist doch so ! Aber jetzt gehen Sie ; ich will allein sein . « Baustätter griff nach dem Gebetbuche , welches er auf seinen Schreibtisch gelegt hatte , und der Paulimann zog leise die Türe hinter sich zu . Der Schuller ging heim . Das drückende Gefühl hatte er los ; er kannte jetzt den Hinterhalt , aus dem der vergiftete Pfeil geflogen war . Konnte er ihn treffen ? Wußte nicht jeder im Dorfe , daß er zu allen Zeiten ehrbar gegen seinen Vater gehandelt hatte ? Auch in schlimmen Zeiten . Der alte Vöst hatte es nebenher mit dem Güterhandel probiert und viel Geld verloren . Damals lebte noch der ältere Bruder vom Schuller . Der war auf der leichten Seite und ließ alle fünf gerad ' sein . Das schöne Sach ' kam herunter , und er konnte nichts dawider tun . Weil er es aber nicht länger mit ansehen wollte , ging er selbigesmal nach Rettenbach und nahm Dienst beim Schloßbauern . Da wurde der Johann krank und starb weg über Nacht . Und der Schuller kam wieder heim und richtete das Anwesen zusammen , daß alle Leute ihn loben mußten . Wie viel Arbeit traf ihn damals als blutjungen Menschen ! Wie viele Sorgen gingen ihn an ! Er schwieg dazu , wenn der Vater die sauer verdienten Groschen in die Handelschaft steckte , und mühte sich ab . Dann ging es endlich besser . Die Mutter brachte den Alten dazu , daß er das Herumfahren mit den Schmusern aufgab und daheim mithalf . Es kamen gute Jahre . Zu derselbigen Zeit konnte sich einer noch herausreißen , denn Korn und Weizen hatten schöne Preise . Und wie alles wieder in Ordnung war , da durfte er , der Andreas Vöst , mit Stolz sagen , daß er das beste dazu getan hatte . Etliche Jahre später übernahm er das Anwesen und heiratete . Von der ersten Stunde an gab er dem Vater , was ausgemacht war , und zog ihm keinen Pfennig ab bis zu dem Tag , an dem sich der Alte zum Sterben hinlegte . Die Nachbarn wußten es , und jedermann im Dorfe wußte es . Nein , die Verleumdung traf ihn nicht . Auf den Pfarrer Held wollte es der Mensch hinüberschieben ! Weil er wußte , daß dem sein Wort überall gegolten hatte . Dreißig Jahre war er Pfarrer von Erlbach gewesen ; ein gutherziger Mann , überall dabei mit Rat und Tat . Wer Sorgen hatte , ging zu ihm und fand allezeit ein heiteres Wort und gute Aufmunterung . Der Schuller hatte es selbst erfahren . Und jetzt sollte er glauben , daß der Mann ihn hinterrücks verleumdet hatte . Es war eine dumme Lüge . Zehntes Kapitel Der Buchdrucker Schüchel fühlte sich in den Mittelpunkt der Ereignisse gestellt , seitdem er sein » Nußbacher Wochenblatt « als Organ des bayerischen Bauernbundes bezeichnete . Sein Beitritt zu dieser Partei war nicht ein durchaus freiwilliger . Vor nunmehr zwanzig Jahren hatte der evangelische Schriftsetzer Adolf Schüchel die verwitwete Besitzerin der einzigen Nußbacher Zeitung geehelicht und sich in den Schoß der katholischen Kirche geflüchtet . Und von diesem Tage an war es ihm gut ergangen . Die Geistlichkeit schätzte den Eifer des Neubekehrten , und ihr Wohlgefallen äußerte sich nicht nur in Worten . Schüchel fand tatkräftige Unterstützung und Hilfe . Man empfahl seine Zeitung und sorgte für ihre Verbreitung ; junge Heißsporne lieferten ihm streitbare Leitartikel , und zuweilen ergriff eine wichtige Persönlichkeit das Wort im Nußbacher Wochenblatte . Auch im nichtpolitischen Teile kamen häufig Beiträge aus geistlichen Federn . Dekan Metz schilderte hier seine Reise zum heiligen Hause von Loreto , Benefiziat Scheible seine Pilgerfahrt nach Jerusalem , und was des Spannenden mehr war . Nebenher verdiente Schüchel durch den Verlag von Gebetbüchern und Erbauungsschriften ein schönes Stück Geld , bekam Heiligenbilder , Sterbeandenken und Kirchenzettel zu drucken und wurde im Laufe von fünfzehn Jahren ein wohlhabender Mann . Er fand großen Gefallen an dem behäbigen Leben der Altbayern , welches sich so angenehm von den Gepflogenheiten seiner mittelfränkischen Heimat unterschied . Er setzte allmählich Fett an und war wie alle Nußbacher Bürger . Wenigstens äußerlich ; denn daß er sie geistig überragte , blieb ihm stets eine tröstliche Überzeugung . Nun wäre alles recht und schön gewesen , wenn nicht eines Tages Frau Johanna Schüchel plötzlich verstorben wäre . Dieses Ereignis zog andere nach sich , welche in ihrem Verlaufe der katholischen Kirche einen eifrigen Anhänger entfremdeten und das Nußbacher Wochenblatt zu einem Organ des Bauernbundes machten . Adolf Schüchel wurde zu frühe Witwer . Er war nicht alt genug , um allen Freuden des christlichen Ehestandes zu entsagen und Versuchungen zu widerstehen , welche an wohlhabende Männer herantreten . Nach dem Tode seiner Frau wandte er sich an seine Verwandten in Ansbach , ob sie nicht eine geeignete Person wüßten , welche ihm den Haushalt führen könnte . Diese fanden ein passendes Mädchen , und kurze Zeit darauf zog Sophie Schnell in das Schüchelsche Haus . Sie war jung , hübsch und hatte die rundlichen Formen , welche Witwern gefährlich sind . Ein halbes Jahr später wurde sie die Gattin des Buchdruckereibesitzers . Das klingt einfach und ist menschlich . Aber es war ein Umstand dabei , der die Sache verwickelt machte . Sophie Schnell , jetzige Schüchel , war Protestantin und verstand sich nicht dazu , ihren Glauben zu wechseln .