der Ehe erst eigentlich an . « Wie ihm das übrigens jetzt merkwürdig gleichgültig war , wie , was oder wen der Statthalter liebte oder nicht liebte ! Entschieden , der Verstand hatte ihn ganz ohne Grund und Ursache geschreckt . Nur schade , daß er bei diesem Anlaß dem Statthalter hatte versprechen müssen , am Freitagabend zum Nachtessen zu kommen . Allein , wie man so in der Bedrängnis Einladungen annimmt : zu drei Vierteln genötigt und zum letzten Viertel gezwungen . In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag aber , ohne daß etwas Besonderes vorgefallen wäre - er hatte tagsüber gearbeitet und war dann nach dem Abendessen ein wenig ausgegangen - verriet ihn ein Traum . Ihm träumte , Pseuda hüpfe in seinem Schlafzimmer herum , das eine Bein im Strumpf , das andere barfuß . » Wo ist denn mein Strumpf ? « rief sie ärgerlich , » so hilf mir doch suchen , Faulpelz ! Ah bah ! weg mit ! Der Johann soll den Jakob holen . « Setzte sich auf den Fußboden , zog den Strumpf aus und warf ihn in die Höhe . Da flügelten beide Strümpfe wirblings unter der Decke wie eine Windmühle . Dann war es eine Zeitlang verworren . Plötzlich stand sie neben seinem Bett , in einem kurzen Kinderhemdchen . » Platz da ! Dilldapp ! « befahl sie , stieß ihn gegen die Wand und lag neben ihm . Verwundert , mit großen Augen fragte er : » Ja , bist du denn nicht mit dem Statthalter verheiratet ? « » Ich ? mit dem Statthalter ? wie kommst du auf diesen wunderlichen Einfall ? Das wäre mir eine saubere Geschichte ! da müßte ich mich ja zu ihm ins Bett legen ! äh ! uäh ! « Da tat er aus tiefstem Herzen einen Seufzer , wie ein auf dem Wege zum Schafott Begnadigter . » So wäre es möglich ? du wärest wirklich , wahrhaftig meine Frau und nicht dem Statthalter seine ? O Gott , ich wage es noch immer nicht recht zu glauben . Wenn es am Ende bloß ein Traum wäre ? « » Was hast du nur heute ? « schalt sie unwillig . » Wenn es bloß ein Traum wäre , so schliefe doch nicht unser Kind dort in der Wiege , sondern dem Statthalter seins . Das ist doch klar ! « » O Pseuda , Pseuda , wenn du wüßtest , wie unsäglich , wie namenlos unglücklich ich war , als mir träumte , du wärest dem Statthalter seine Frau ! « » Wie kann man aber auch so einfältig träumen ! « schmälte sie , » und noch so unanständig dazu ! pfui , schäme dich ! « Und stieß ihn mit dem Bein und patschte ihm mit der Hand auf den Mund . Wie er dann aufwachte und , mit dem Finger die Tapete betastend , erfuhr , daß alles gerade umgekehrt war : er einsam im Bette liegend und Pseuda drüben beim Statthalter , wurde er inne , wie es um ihn stand ; denn dieser Traum , das spürte er an seiner Traurigkeit , war ihm nicht von ungefähr gekommen ; den hatte seiner Seele Sehnsucht gedichtet . Nicht mehr wegzutäuschen : er war liebeskrank , und zwar durch und durch , bis in die innersten Fasern . Und wen mußte er lieben ! - o Schimpf der Demütigung ! eine Frau , die er von oben herab zu behandeln pflegte , eine ihm gleichgültige Fremde , namens Ix , eine Frau , die ihn haßte . Er , der Bräutigam der hehren Imago . Jetzt konnte er an sich selber keine Freude mehr haben ; am liebsten hätte er überhaupt nicht mehr leben mögen . Trübsinnig drehte er den Kopf gegen die Wand und versuchte , Gefühl und Bewußtsein zu verlernen . Und so oft ein Gedanke ihn berührte , drückte ihn die Schmach von neuem nieder , als ob eine mit Bausteinen geladene Wolke auf ihm lastete . Schließlich mußte er halt doch leben ; und da ihm seines Körpers Ungeduld Gesundheit meldete , blieb ihm nichts übrig , als ihn aus dem Bett zu heben und auf die Beine zu stellen . Meinetwegen ; es tut denselben Dienst , sich aufrecht zu schämen als liegend . Da saß er nun den langen Tag , mut- und willenlos , mit stumpfem Geist seiner Erniedrigung nachstarrend . Plötzlich , gegen Abend , überfiel ihn eine garstige Erinnerung : Freitag ist heute ; und er , der dem Statthalter versprochen hatte , Freitagabend zum Nachtessen zu kommen ! Jetzt , in diesem Zustande , dorthin ! zu ihr ! Verhaßter Gedanke . Allein sein Versprechen stupfte ihn unablässig mit der Schnauze wie der Metzgerhund das Kalb ; es half nichts , und so zwang er sich denn zu Direktors . War das ein trostloser , von allen guten Geistern verlassener Abend ! Er war gar nicht erwartet worden , das merkte er gleich bei seinem Eintritt , er störte bloß . Er wieder , in seiner Grabesstimmung , wäre lieber überall anders gewesen als gerade hier . Das spürten ihrerseits die andern , was ebenfalls nicht zur Erheiterung beitrug . Zu allem mußte er ihnen obendrein noch das Musikspiel verleiden ; eigentlich ganz gegen seinen Willen , denn er war heute nichts weniger als angriffslustig ; allein jetzt in seiner Schwermut irgend etwas Aufdringliches , was irgend jemand belieben würde , über sich ergehen zu lassen , nein , dazu fehlte ihm die Kraft . Wie er dann freilich Pseuda trostlos vor sich hin starren sah , ihrem zerstörten Musikabend nachsinnend , so trostlos , daß sie sogar vergaß , ihm deswegen zu zürnen , tat ihm der Anblick weh ; tief schnitt ihn das Mitleid . » Weißt du , arme Pseuda « , gelobte er sich im stillen , » ich spare dirs auf ; aber heute , nicht wahr , das begreifst