« » Rosa , spricht nicht aus Ihnen Eifersucht ? « sagte er gereizt . Rosa zuckte zusammen und schwieg eine Minute lang , dann aber sagte sie voll Würde : » Wäre das so , dann hätten Sie ein Recht , mich zu verachten ; aber weil dem nicht so ist , darf ich sagen , was ich jetzt bekennen werde . Ja , vom ersten Augenblick an , wo ich Sie sah , hat Ihnen mein Herz einen heiligen Kultus gewidmet ; ich sah mein Ideal in Ihnen verkörpert , und erst als der Schmerz der Entsagung mir mit der Erkenntnis der Wirklichkeit klar wurde , verstand ich , daß das , was mein Herz fühlte , die Liebe sei . « » Rosa , « rief der Prinz erschüttert und wollte sie umfassen . Sie wehrte ihm sanft und fuhr fort : » Nein , nicht so ! Wir sehen uns heute zum letztenmal . Nach dem , was ich gesagt habe , darf ich Sie nicht wieder sehen . Aber um so mehr darf ich als Schutzgeist Sie umschweben , darf ich in Ihrem Leben sein , was Sie himmelan führt und vor den » Erinnyen « bewahrt . Lassen Sie mir das Glück , lassen Sie mich glauben , daß , wenn einst tausende segnend zu Ihnen als dem Vorbild aller Tugenden aufsehen , ein Teil dieses Segens auch im stillen auf mein Haupt zurückfällt . « Sie schwieg , von innerer Bewegung überwältigt . Waldemar aber rief : » Ach , Rosa , Sie zerreißen mir das Herz ! Ich fühle es , ich weiß es : Sie haben recht : ich hätte widerstehen , hätte dem Zauber , der meine Sinne gefangennahm , Einhalt tun müssen , ich war es meinen Idealen , ich war es den tausenden schuldig , die dereinst von mir ein Beispiel fordern , aber - jetzt bin ich den Erinnyen verfallen , ich kann nicht mehr zurück - in einer Stunde muß ich fort mit ihr , die mir alles opfert - sie jetzt verlassen , hieße auch einen Treubruch begehen , hieße ein Herz brechen , das sich mir ergeben , es zurückstoßen in entwürdigende Verhältnisse , es vielleicht einer grausamen Rache preisgeben - hieße mein Wort brechen . Meine Ehre fordert , daß ich es halte ... « » Nein , nein , das ist ein falscher Begriff , « fiel ihm Rosa ins Wort ; » ich bin jung und kenne die Welt noch wenig , aber mein Herz sagt es mir : es ist ein Wahn , die größere Schuld auf sich nehmen , um eine kleinere von sich abzuwenden . O , lassen Sie mich in diesem letzten heiligen Augenblick die eitle Konvenienz der Welt von mir werfen : Waldemar ... hören Sie das Wort eines Wesens , das der Schmerz zur Seherin gemacht hat , der plötzlich alles klar ist : Nein , Sie retten auch jene Frau , wenn Sie ihr entsagen . Sie ist eine Verlorene in der Welt , der sie angehört , wenn sie mit Ihnen flieht und vielleicht wird dann die Rache eines beleidigten Gatten sie ereilen . Kann sie um Ihretwillen , um Sie Ihrer hohen Bestimmung zu erhalten , ihrer egoistischen Liebe nicht entsagen , dann ist sie Ihrer nicht wert und Sie dürfen sie ohne Vorwurf verlassen . Ist sie aber ein echtes , großes Frauenherz , so wird sie auch in der letzten Stunde umkehren , sobald sie einsieht , um was es sich handelt , und Sie freigeben . Sie behält die Achtung der Welt , die Achtung ihres Gatten und vor allem die Achtung vor sich selbst . Ist das nichts ? Es ist viel . « » Für ein Herz , das glühend liebt ? « sagte Waldemar zweifelnd . » Ein Herz , das so liebt , ist zu egoistisch , um zu verbluten , « sagte Rosa schmerzlich . » Jetzt gehen Sie , noch ist es Zeit , noch können Sie alles wenden . Wollen Sie es , Waldemar ? « setzte sie mit tiefer Innigkeit hinzu . » Wählen Sie , o wählen Sie und - bleiben Sie Sieger . « » Rosa , wenn es noch möglich wäre - Sie sprechen wie mein besseres Selbst , - wie mein Schutzgeist . Teure , liebe Rosa , wäre ich nur Ihnen allein hier begegnet . « » Die Zeit drängt , « fiel sie ihm ins Wort . » Waldemar , es ist die Stunde am Ölberg , die für jeden kommt ; entscheiden Sie . « » Sie siegen , Rosa - ich will ' s versuchen , ob ich - sie bewegen kann , zu entsagen - sie wird mich der Schwäche zeihen - mich verachten . « » Besser das , als wenn Sie sich selbst verachten müßten , « erwiderte Rosa ; » und ist sie edel , so wird sie sich selbst besiegen und es verstehen . Aber Heil Ihnen , Prinz , daß Sie so entschieden ; nun darf ich mein Ideal in Ihnen lieben für ewig , und nun - leben Sie wohl ! .... « setzte sie mit brechender Stimme hinzu . » Rosa , teures Wesen , ich sehe Sie wieder , « rief Waldemar und ergriff ihre Hand . » Nein , nein , « hauchte sie kaum hörbar und entzog ihm sanft die Hand ; » morgen bin ich fern von hier , eilen Sie . « Waldemar wollte schmerzergriffen noch einmal sich ihr nähern ; sie wehrte ihm mit der Hand , ohne reden zu können , und er verließ sie und den Palast , ohne von jemandem bemerkt zu werden . Als sie allein war , sank Rosa nieder auf die Bank und griff mit der Hand nach dem Herzen , das in heftigen Zuckungen schmerzvoll erbebte . Wie groß die Anstrengung gewesen war , ihre Kraft zusammenzuhalten während der vorhergehenden Augenblicke ,