wie in jedem orientalischen Hafen , einen unbeschreiblichen Lärm , doch vollzieht sich hier die Ausschiffung in langen , bequemen Böten und einer anderorts sehr wünschenswerten Bedachtsamkeit . Mit Paß- und Zollformalitäten hatte ich nichts zu tun . Unter dem Regendach der Landestelle sitzen Geldwechsler , bei denen man alle möglichen Münzen des Ostens haben kann . Ich verweilte mich bei einem von ihnen , um mich mit landläufigem Silber zu versehen , und schlenderte dann dem Hotel zu . Es ist , beiläufig gesagt , das teuerste , welches ich im Orient gefunden habe . Dennoch ging ich , ohne ein anderes zu wählen , jetzt wieder hin , weil ich gern wieder in demselben Zimmer wohnen wollte wie früher . Ich bin in dieser Beziehung ein sonderbarer Kauz . Erinnerungen sind und bleiben mir stets heilig . Noch ehe ich die zur Tür führenden Stufen betrat , hörte ich die zankende Stimme meines vorangeeilten Sejjid Omar , welche aus dem rechts im Flur liegenden Bureau ertönte . Er sprach sein eigenmächtiges Englisch und war , wie es schien , in Wut . Als er mich kommen sah , klagte er mir seine Not arabisch : » Denke dir , Sihdi , man will dir kein großes , schönes , sauberes , fein möbliertes , billiges Zimmer geben , eine Treppe hoch und mit der Aussicht in das Freie ! Man sagt , es sei Alles besetzt . Wie kann Alles besetzt sein , wenn mein Sihdi kommt ! Und wenn Einer drin ist , oder wenn Zehn drin sind oder Fünfzig oder Hundert , so müssen sie alle raus , alle , alle ! Sodann soll ich deinen Namen sagen ! Habe ich etwa diesen Portier schon nach dem seinigen gefragt ? Was tut der Name ? Der Glaubensirrtum steckt nicht in dem Körper und mein Sihdi nicht in seinem Namen ! Ich habe einfach gesagt , daß du keinen brauchst und also auch keinen hast . Ist das nicht deutlich genug ? Willst du einen haben , so kannst du jeden nehmen , den es gibt ; du bist der Mann dazu ! Und endlich mir , mir will man nicht einmal eine Wohnung geben , weil ich ein Araber bin ; denke dir , dieser Portier , dem Allah nicht einmal einen Bart hat wachsen lassen , hat mir gesagt , daß nur eingeborene und andere Dienerschaft hier wohnen dürfe , arabische aber nicht , weil man da wegen Schmutz und Ungeziefer schlechte Erfahrungen gemacht habe . Ich , Sejjid Omar und Schmutz ! Ich , Sejjid Omar und Ungeziefer ! Dieser Portier spricht auch arabisch , aber so , wie es hier gesprochen wird . Das ist doch keine Sprache ! Und dieser Mann , der nicht einmal reden kann , wie man mit Sejjid Omar reden muß , sagt , daß hier überhaupt kein Moslem wohnen dürfe ! Er meint , wir machten mit unsern Glaubensgebräuchen nur Störung und seien keine reinlichen Menschen ; die Singhalesen aber , diese Götzendiener , seien gerad so sauber wie die Christen ! Ist das nicht unerhört ? Wenn ein echter und wahrer Bekenner des Propheten hier wegen Ungeziefer nicht wohnen darf , so frage ich diesen Portier , warum dann er keins hat ! Doch nur , weil er nichts zum Beißen hat und so unappetitlich ist , daß alles , was zu den Debaib17 gehört , bei seinem Anblicke hier zur Tür hinaus und auf die Straße springt ! Komm , Sihdi ; wir danken für ein solches Hotel und suchen uns ein anderes ! « Er wollte fort . Ich gebot ihm mit einer Handbewegung , zu bleiben , und wendete mich an den Portier . Dieser war ein ganz höflicher Mann . Ein Zimmer , wie Omar verlangt hatte , war nicht frei ; aber ich wollte auch kein solches , sondern gern mein früheres , und dieses war noch unbesetzt . Der Sejjid konnte allerdings keinen Raum zum Schlafen bekommen , doch durfte er sich am Tage zu meiner Bedienung beliebig im Hause aufhalten . Die Verwaltung hatte infolge der erwähnten Erfahrung ganz berechtigter Weise verboten , arabische Diener für die Nacht zu behalten , und meinem islamstolzen Omar konnte es nach seinem verächtlichen Urteile über die » Götzenanbeter « gar nichts schaden , wenn er hier die Beobachtung machte , daß diese Buddhisten erfahrungsgemäß den Muhammedanern vorzuziehen seien . Ich erklärte also , daß ich hier bleiben und das Zimmer nehmen werde . Omar konnte in dem » Pettah « genannten Eingeborenenviertel wohnen , wo ein mir bekannter Deutscher ein Hotel niedrigeren Ranges besaß . Dort gab es für ihn übrigens auch mehr Gelegenheit zu den ihm so am Herzen liegenden Sprachstudien als hier im Grand Oriental-Hotel . Der Portier erhielt für das , was er von des Sejjid Strafpredigt verstanden hatte , als Entschädigung ein Trinkgeld , welches er mit einer Miene zu sich steckte , die mir deutlich sagte , daß er mich von diesem Augenblicke an trotz des arabischen Dieners für einen » Gentleman « halte . Mein Raum lag auch hier zwei Treppen hoch , nicht nach der See oder nach der Straße , sondern nach dem Hofe zu , bei dessen Anblick mich das Gefühl überkam , daß ich nach langer Zeit nun wieder einmal zu Hause sei . In diesem Hofe kannte ich jeden , auch den kleinsten und verborgensten Winkel , obgleich ich ihn nie betreten hatte . Er war der Bereich der interessantesten ethnographischen Studien gewesen , welche ich von meinem hochgelegenen Söller aus hatte machen können , denn er wurde teils vom Hotel , teils von Geschäftshäusern eingeschlossen und stand mittelst breiter Durchgänge mit den Straßen in Verbindung . Es gab ein immerwährendes Kommen von Gestalten aller Farben und aller Sorten . Am interessantesten war mir ein Tamile gewesen , dessen linkes Bein im Beginne der Elephantiasis gestanden hatte und - - - siehe da , kaum war ich jetzt in das Zimmer