könne er in schlechte Hände kommen und zu Leuten , die nicht verstünden , wie kostbar er ist . Er war aber aus grüner Seide gehäkelt und waren Rosen , Vergißmeinnicht und Veilchen aus Perlen darauf , und in der Mitte war ein Wort » Souvenir « , das war auch aus Perlen , aber aus goldenen ; gefüttert war er mit guter Schweinsblase . Dorrel sagte , wenn Hans erst Pastor sei , dann werde er sich das Rauchen aus einer langen Pfeife angewöhnen , und natürlich hätte er dann seinen Tabak in einem Kasten , aber wenn er einmal auf Besuch gehe , dann müsse er einen Tabaksbeutel haben , da solle er dann diesen nehmen ; denn für einen Pastor schicke sich wohl so ein teures Stück , aber nicht für einen Tagelöhner , und eigentlich sei es ein rechter Unsinn gewesen von ihrer Mutter , ein solches Geschenk zu machen . Dann zeigte sie ihm einen geschnitzten Stockknopf aus Knochen . Der stammte desgleichen von ihrer Mutter her , welche als Mädchen in einem großen Hause gedient . Der Knopf hatte auf einem Rohr gesessen , das der Herr zu tragen pflegte , und wie das Rohr einmal zerbrochen war , wurde der Knopf mit fortgeworfen , Dorrels Mutter aber hatte sich ihn ausgebeten , abgeschraubt und sorgfältig aufgehoben . Jetzt sollte ihn nun Hans kriegen , wenn er erst eine Pfarre hatte , und da sollte er sich ein gutes Meerrohr mit ordentlicher Zwinge beim Drechsler kaufen und an den Knopf andrehen lassen ; denn der Knopf war zwar altmodisch , aber von guter Arbeit , und weil die Mode sich immer ändert , so kommt es gewiß auch einmal wieder auf , daß die Männer von Ansehen solche Art Stöcke tragen . Zuletzt hatte sie noch einen Hund aus Gußeisen , der für einen Briefbeschwerer dienen sollte , und hatte noch eine ganz andre Geschichte . Auch Dorrel war einmal ein hübsches junges Ding gewesen mit prallen Backen und lustigen Augen , aber brav und ordentlich war sie auch schon , wie sie erst ihre achtzehn Jahre hatte . Da war da ein junger Knecht bei der gräflichen Herrschaft auf dem Hofe , der verliebte sich in sie und sie in ihn , und wie Kirmes war , tanzten sie viel zusammen , und er bezahlte für sie Himbeerwasser , und weil sie sich so recht glücklich fühlten , wollten sie sich etwas schenken , was sie später einmal brauchen konnten in der Wirtschaft . So kaufte Dorrel ihrem Schatz eine Samtweste , die mit bunten Blumen bestickt war , und er kaufte ihr den eisernen Hund , denn er sagte , wenn sie sich später erst etwas gespart hätten , so müßten sie sich einen Glasschrank kaufen , und in dem würde sich der eiserne Hund gar prächtig machen . Wie sie aber nach Hause ging , hatte sie schon Angst vor ihrer Frau , denn sie war damals schon bei Hansens Großmutter von der mütterlichen Seite , was die zu ihrer Liebschaft sagen würde ; und in Wahrheit bekam sie auch starke Schelte , und die Frau hielt ihr vor , daß sie selbst nichts habe , und er habe zehn Geschwister , und wenn sie heirateten , so komme Hunger und Kummer zusammen , vornehmlich , wo sie sich so läppisch zeigten und sich so einfältige Geschenke aufschwatzen ließen von den Krämern , denn wenn die Dummen zu Markte gehen , so lösen die Krämer Geld . Darum solle sie ihr nicht wieder kommen mit einer Liebschaft , ehe sie nicht fünfundzwanzig Jahre alt wäre . Da seufzte und weinte Dorrel die Nacht durch , aber bedachte sich doch , daß die Frau recht hatte , und daß ihr Liebster erst noch zu den Soldaten mußte . Deshalb sagte sie zu ihm , was die Frau zu ihr gesprochen , und versprach , daß sie auf ihn warten wolle , und sie müßten ihre Zeit ausharren und sich erst anschaffen und sparen . Da schimpfte der Mann wohl recht auf ihre Frau und sagte , die solle ihm nur einmal in den Weg kommen , der wolle er schon die Wahrheit sagen , aber am Ende mußte er sich geben , sah auch wohl ein , daß Dorrel recht hatte . Weil er indessen wohl ein guter Kerl war , aber einen leichten Sinn hatte , ließ er sich mit einer andern ein ; als er in der Stadt bei den Soldaten stand , heiratete die auch , zog fort und kam nachher in großes Elend . Dorrel aber brauchte lange , bis sie die Gedanken an ihn verwand ; und wie sie wieder so weit war , daß sie dachte , sie möchte wohl heiraten , da schien ihr keiner recht , denn sie war inzwischen etwas altjüngferlich geworden , hatte große Besorgnis , daß dieser liederlich werden möchte und jener krank und der dritte faul ; später hätte sie wohl auch einen Witmann bekommen können , aber da bedachte sie , daß sie es doch zu lange gut gewohnt war bei ihrer Herrschaft und fürchtete sich vor den Sorgen und der Not ; und so geschah es , daß sie ledig blieb , und die Liebesgeschichte mit dem Knechtlein , wo sie den eisernen Hund geschenkt kriegte , war ihre einzige . Diesen Hund nahm sie nun hervor , wickelte ihn sorgfältig aus dem Papier und reichte ihn dem Hans , indem sie sagte , weil er jetzt als Student so viel schreiben müsse , so solle er den Briefbeschwerer gleich haben , denn sie schreibe ja doch nicht , weil sie niemand habe in der Welt . Die Geschichte erzählte sie ihm zwar nicht , wie sie zu dem Hund gekommen , aber wie sie an die alte Zeit dachte , da kamen ihr die Tränen in die verrunzelten Augen ; sie war aber auch gerührt , weil sie sich recht lebhaft vorstellte , wie es erst wäre