Lachlust - ihr zukünftiger Brotherr hatte sie am Bahnhof abgeholt . » Wo wünschen Sie abzusteigen ? « Das wußte sie nicht , da sie hier ganz unbekannt war . » Dann haben Sie wohl nichts dagegen , mit in mein Hotel zu gehen ? « » O nein , gewiß nicht . « Als sie im Wagen saßen , fragte er rasch : » Es ist Ihnen doch nicht unangenehm , wenn ich Sie als meine Frau einschreibe - nur um alles Auffallende zu vermeiden . « Es kam ihr etwas seltsam vor , aber sie fand es ganz lustig und dachte , es sei am besten zu tun , als ob alles ganz selbstverständlich wäre . Dann hatte er ein Zimmer mit Salon genommen und ließ das Abendessen heraufbringen , und jetzt saß sie mit dem wildfremden Mann , der etwas gebrochen deutsch sprach , beim Souper . Er war groß und brünett , sehr elegant und sehr aufmerksam . Als was mochte er sie wohl engagieren wollen ? - Er fragte nach allem , was sie gelesen hätte , wofür sie sich interessierte , sprach über Kunst und Bücher . Als der Kellner wieder hereinkam , duzte er sie - sie galt ja für seine Frau - und darüber fiel Ellen plötzlich aus ihrer Würde und fing an zu lachen . » Gott sei Dank « , sagte er , als sie wieder allein waren , » Sie können also doch lachen . Mir war schon angst , daß Sie immer so ein feierliches Gesicht machten . « Darauf ließ er Sekt und Zigaretten bringen , sie unterhielten sich immer lebhafter , und es wurde ziemlich spät . Ellen saß in einem bequemen Liegestuhl und fühlte sich sehr wohl . Dann fiel ihr wieder ein , weshalb sie hier war , und sie entschloß sich jetzt endlich nach ihrer künftigen Stellung zu fragen . » Ach , davon können wir morgen noch sprechen . « Louis Michel ging im Zimmer herum und dann ans Fenster . » Kommen Sie einmal her . « Da lag der Rhein im Mondlicht , die alten Häuser am Ufer im tiefblauen Schatten , aus dem viele einzelne Lichter funkelten . Es war Festtag - drunten in der Straße zogen Trupps von lärmenden Menschen vorbei . Ellen setzte sich auf die Fensterbank , er stand vor ihr und sah sie an . » Wollen Sie mit mir auf Reisen gehen ? « fragte er plötzlich . » Bitte , lassen Sie mich ruhig ausreden . - Ich habe Ihnen erzählt , was für ein Leben ich führe , heute in Paris , morgen in Monte Carlo , und dann spiele ich wie toll , das ist meine einzige Leidenschaft , und weil ich nicht weiß , was ich anfangen soll . Irgendeinen Reiz muß das Leben haben . Dann hab ich einmal gedacht , wenn ich einen Menschen mit mir hätte , eine Frau , die alles mit mir teilt , nicht verheiratet , nur als guter Kamerad - und sah zufällig Ihre Annonce . Warum können Sie nicht ebensogut mit mir reisen , wie mit einer unangenehmen alten Dame ? - Ihr Bild gefiel mir - dann hab ' ich mit Ihnen selbst gesprochen - - « In Ellen wogte und wirbelte es - reisen , wohin man will - was konnte sich da alles vor ihr auftun ! Aber mit diesem Menschen - irgend etwas in ihr widersprach gegen ihn . Dann dachte sie an Allersen . » Ich bin an jemand gebunden « , sagte sie . » So machen Sie sich los - oder wollen Sie etwa heiraten ? « » Das weiß ich noch nicht - vor allem will ich malen , sowie ich die Mittel dazu habe . Das bindet mich auch . « » Aber ich gehe mit Ihnen , wohin Sie wünschen - lasse Sie ausbilden . « Ellen war so verwirrt von all den Gedanken , die auf sie einstürmten , daß sie schwieg . Als er sie dann anrühren wollte , wehrte sie sich . » Nein , nein , haben Sie nur keine Angst . Ich gehe fort , wenn Sie es verlangen . Aber Sie sind - - sagen Sie mir , warum Sie nicht mit mir kommen wollen ? « Sie waren währenddem wieder an den Tisch gekommen , er lehnte sich in seinem Sessel zurück . » Sehen Sie , ich wollte ganz ruhig mit Ihnen reden , aber das kann ich jetzt nicht mehr . - Zuerst war es natürlich nur ein Experiment , daß ich an Sie schrieb , Sie kommen ließ . Als wir hier beisammen saßen , habe ich mich immer mehr in Sie verliebt - und jetzt will ich , daß Sie mit mir gehen . Sie müssen . « » Und wenn ich aber nicht will ? « » Warum wollen Sie denn nicht ? Ist es denn ein so unmöglicher Gedanke , mit mir zu leben ? « » Ich könnte nur mit einem Mann leben , wenn ich ihn liebe oder wenigstens in ihn verliebt bin . « » Lieben Sie denn den andern ? « » Das nicht , aber ich bin doch manchmal verliebt in ihn , und vor allem hängt er so an mir , daß ich ihm sein Leben ganz zerstören würde . « » Gott , das ist alles so pathetisch , so echt deutsch . Treue bis in den Tod . « Im Grunde fand Ellen das auch und schämte sich etwas - wie ein Schuljunge , der mit seiner Unschuld geneckt wird . » Wenn ich mich doch etwas in diesen Mann verlieben könnte « , dachte sie . Im Gespräch war er nicht unsympathisch , aber sowie er eine Annäherung versuchte , stieß er sie wieder ab . Und dann wurde er so geschmacklos , fing an zu schauspielern , warf sich vor ihr nieder und sprach davon , wie unglücklich er