. » Ja , hier im Duar der Dschamikun ! « » Der Aemir-i-Sillan ? « rief der Ustad . » Er selbst ? « stimmte der Pedehr ein . » Er selbst ! « bestätigte ich . » Er kommt mit seinem Henker . « » Der ist doch hier ! Den haben wir ja schon ! « warf der Ustad ein . » Hast du vergessen , daß der Multasim der Henker ist ? Unser Gefangener , oder vielmehr dein Gefangener , dem du es wohl verleiden wirst , jemals wieder hierher zu kommen ! « » Verleiden ? Das würde der größte Fehler sein , den ich als euer Freund begehen könnte ! Wenn ich mich heut oder morgen an ihm vergreifen wollte , so käme vielleicht schon übermorgen ein ganzes Heer von Schatten über euch , die ich mit dieser meiner That geschaffen hätte ! Wir wollen Feinde vernichten , aber keine neuen hervorrufen ! « » Willst du ihn etwa laufen lassen ? « fragte der Pedehr . » Ja , « gestand ich ein . » Unmöglich ! « » Doch ! « » Den Henker freigeben , welcher Dschafar Mirza ermorden soll ! Bedenke , Effendi ! « rief er warnend aus . » Ich habe es bedacht ! « Da sagte der Ustad in beruhigendem Tone zum Pedehr : » Du vergissest eins : Der Multasim hat den Brief ja nicht erhalten . Er weiß also gar nicht , was der Aemir-i-Sillan von ihm verlangt , und kann es folglich auch nicht thun . « » Du irrst ! « warf ich ein . » Er wird den Brief bekommen . « » Von wem ? « » Von uns . Wenn auch nicht direkt . « Da waren sie beide still . Darum hob ich freundlich mahnend den Finger und sagte : » Pedehr , Pedehr ! Noch soeben hast du dich verständig meiner angenommen , und jetzt schaust du mich an , als ob du ganz und gar vergessen hättest , daß ich wohl meine Gründe haben werde ! Ihr seid mit mir fast durch den ganzen Brief gegangen und habt die Augen immer noch nicht offen . Ich sah euch bei dem Gedanken , daß der Aemir-i-Sillan hierherkommen könne , förmlich erschrecken . Warum doch nur ? Er ist ja schon hier gewesen ! « » Wann ? « fragte der Ustad im Tone des Unglaubens . » Vielleicht schon oft , nämlich heimlich . Ganz offen aber heut . « » Heut - - ? Wann ? Wo ? Wie ? « » Mit den Persern . Er ist ja Perser ! « » Effendi , ich weiß nicht , was ich sagen soll ! « » Sage nichts , sondern suche ! « » Wo ? « » Hier in diesem Briefe , und in den Reden , welche uns gehalten worden sind . Man soll nicht nur körperlich , sondern auch geistig sehen und hören lernen ! « » Ich sehe nichts , und ich höre nichts ! « » Und doch meine ich grad den Ton , in welchem dieser Brief verfaßt und jene Rede gehalten worden ist . Du sollst ihn jetzt noch einmal hören . Ich bin überzeugt , daß du mir dann sofort den Namen des Aemir-i-Sillan sagen wirst . « Ich nahm das Schreiben mit der linken Hand hoch , las es in der beabsichtigten Weise vor und ahmte mit der Rechten die heut beobachteten , unendlich selbstbewußten Gesten nach . Kaum war das letzte Wort von meinen Lippen , so rief der Pedehr : » Der Mirza , der Mirza , wie er leibt und wie er lebt ! « Der Ustad aber holte tief Atem . Seine Augen schienen größer zu werden . Sie schauten durch die offene Thür in die Nacht hinaus , genau mit jenem Blicke , den er in die unsichtbare Ferne gerichtet hatte , als er heut vor der Dschemma unter dem Baume stand . » Ah - - ri - - man - - - - - - Mir - - za - - ! « seufzte er dann . » Wer ist von uns beiden der Hellsehende , Effendi ? Als ich heut vor euch stand und diese Stimme hörte , deren Nachahmung dir jetzt so täuschend gelungen ist , da stiegen alte , ferne , ferne Bilder in mir auf . Es ging ein Schatten von mir aus , weit über diese meine geliebten Berge hinüber . Im Westen angekommen , richtete er sich auf , um Gestalt , um Farbe und um Leben anzunehmen . Ich erkannte diese Gestalt und dieses Gesicht : ich war es selbst ; es war das meine ! Da aber begann es , sich zu verwandeln . Es nahm andere Konturen und andere Züge an , und als sich das vollzogen hatte , als wer stand ich dann da ? Als Ahriman , als Ahriman Mirza , der jetzt , in diesem Augenblick , zu meiner Dschemma sprach . Hatte dieser aus meiner Vergangenheit auftauchende Schatten hier in der Gegenwart menschliches Wesen angenommen , damit mir endlich , endlich die Erleuchtung komme , wem ich den raschen Absturz meines Lebensweges zu verdanken habe ? Wer warf mich damals nieder ? Wer gab mir den Gedanken ein , zu fliehen ? Du sagtest , Effendi , daß es nicht das Leben , sondern mein eigener Schatten gewesen sei . Ich hatte ihn so oft , so oft gesehen , doch aber nie erkannt . Heut zeigte er mir endlich sein Gesicht . Heut war er Ahriman , der geistige Weltzerstörer , der mit dem niedern Sinn der blinden Masse kost , um alles ihm Verhaßte zu vernichten . « » Wohl dir , « sagte ich . » Du hast den Richtigen gesehen ! « » Meinst du es auch ? Den Mirza mit dem falschen Prunkgeschmeide ? Den Geist der nachgemachten Edelsteine , mit deren Flimmern