Bewegung wieder . Und da sehe ich , wie der Gedanke , daß das Gewaltsystem dem Rechtssystem weichen müsse , wächst und wächst und in immer höhere Kreise dringt . » Die Wogen müssen so hoch gehen , « sagte neulich Björnstjerne Björnson in einer Versammlung im Freien , vor einer Zuhörerschaft von zehntausend Menschen , » die Wogen des Friedensgedankens müssen so hoch gehen , daß sie bis in die ersten Stockwerke spritzen . « Ob sie bis zu einem Thronsaal dringen ? Die Leute behaupten , das sei unmöglich , denn die Throne ruhen auf der bewaffneten Macht . Aber was » behaupten die Leute « nicht alles ? Zu den neuesten Eintragungen meines Protokolls gehören die Versammlungen in Rom : die interparlamentarische Konferenz ( mit bewundernswerter Energie vorbereitet vom Kammermitglied B. Pandolfi ) und der dritte Weltfriedenskongreß . Offizieller Empfang auf dem Kapitol . Die beiden Körperschaften haben beschlossen , je ein Zentralbureau in Bern zu errichten . Der Gedanke nimmt immer mehr Gestalt an ; seine Vertreter organisieren sich . Das Umherflatternde ballt sich zusammen und verdichtet sich . So entstehen Planeten und ebenso - Institutionen . Kolnos , dem ich neulich mein Protokoll zeigte , sagte : » Sie tragen da zusammen , meine liebe optimistische Freundin , alles was in der Welt zu gunsten Ihrer Lieblingsidee geschieht , und lassen unverzeichnet , was zu deren Nachteil vorgeht . Ihre Sammlung umfaßt ein Zehntausendstel dessen , was tatsächlich gedacht , gesprochen und getan wird . Die übrigen 999 Tausendstel , von denen sagt Ihr Protokoll nichts - und die geben den Ausschlag . « » Ja , heute - aber später ? - Millionen Schneeflocken begraben das erste Veilchen im März ... wer gibt den Ausschlag ? Fragen Sie den Lenz : - das Veilchen . « » Optimistin ! « » Mit diesem Namen beleidigen Sie mich nicht . « » Das war auch nicht meine Absicht . « » Sie treffen mich aber auch nicht . Das Wort will sagen , daß man nur das Gute sieht und für alles bestehende Böse blind ist . Ich sehe beides - Ormuzd und Ahriman . Der Kampf der beiden dauert ja fort . In diesem Büchelchen sind aber nur die Ormuzd-Siege notiert - und da nur auf einem Felde ... er siegt ja noch auf so vielen anderen . Zum Beispiel hat er die Höhlenmenschen abgeschafft und an deren Stelle Kolnosse gesetzt . « » Ein magerer Gewinn , « gab mein Freund zur scherzenden Antwort . Seit jeher haben Bücher in meinem Leben die Rolle von Ereignissen gespielt . Wie haben in meiner Jugend Darwin und Buckle auf mich gewirkt , und vor kurzem noch Tolstoi mit seinem » Das Reich Gottes ist in Euch . « Weil ja solche Bücher mir als etwas noch ganz anderes sich offenbaren , denn als wissenschaftliche und literarische Erscheinungen : Fackeln sind sie mir , ganze , dunkle Gebiete plötzlich erhellende Fackeln . Und die sie schwingen : ganze Menschen , mit ganz lichterfüllten Seelen ... Vor einiger Zeit fiel mir eine Schrift in die Hand , die mir Ereignis - ein frohes Ereignis ward . Nicht so sehr , was der Verfasser darin schrieb , hat mich erschüttert , als daß er es schrieb ; daß einer den edlen Mut hatte - möge es ihm auch seine Stellung kosten - das hinauszurufen , was seinen nach Wahrheit dürstenden Geist erfüllt . Nur ein dünnes Heftchen : » Ernste Gedanken « von Moritz von Egidy . Das Aufsehen war groß . Egidy , Oberstleutnant bei den Husaren im preußischen Dienst , hat seinen Abschied erhalten . Und nun - wird er die Kraft dazu haben ? - will er sich ganz der Aufgabe widmen , das auszubauen - in sich selber und für die Mitwelt , was er als Heilslehre in die Worte zusammenfaßt : » Religion nicht mehr neben dem Leben - unser Leben selbst Religion . « In rascher Folge kam nun eine Schrift nach der andern . Er zieht immer mehr die Konsequenzen seiner ersten Ideen ; der Horizont der Gedanken weitet sich , das » Ernste Wollen « ward immer inbrünstiger . Es ist eine Lust , daß solche Menschen leben . Jubeln wollte ich , daß - - Lust , Jubel ? habe ich , die Beraubte , diese Worte niedergeschrieben ? Gibt es denn noch für mich die Möglichkeit , zu frohlocken ? Drängt sich nicht gleich zu jeder freudigen Regung der trübe , dämpfende Gedanke : Er ist nicht mehr da , die Freude zu teilen ... Möge die Welt auch noch so herrlich sich gestalten , mögen Schätze und Wonnen , wie aus Füllhörnern , über sie sich ergießen : die schwarze Leere , in die mein Liebstes versunken , für mich bleibt sie leer und schwarz ... ein Abgrund ohne Boden . Wie man einen Stein in die Tiefe wirft , um zu lauschen , wann er auf den Boden fällt , so lasse ich manchmal meine Empfindungen - Kummer und Freude - in jenen Grabesabgrund fallen und horche hin ... » Friedrich - was sagst Du zu diesem Egidy ? « - Nichts . Stumm - auf ewig . » Liebe Martha , « sagte mir neulich eine alte Cousine , » ich begreife Dich nicht ... immer finde ich Dich in Zeitschriften und Bücher vertieft und alles Neue , was in der Welt auftaucht : Dichtungen , Erfindungen , Bewegungen - das greifst Du auf und erwärmst Dich dafür , auch wenn es noch so illusorisch ist . - Dabei behauptest Du doch , Du hättest mit dem Leben abgeschlossen . Woher dieser Widerspruch ? In unserem Alter hat man ja auch mit dem Leben abgeschlossen , selbst wenn man keinen solchen Trauerfall erlebt hat wie Du . Da hat man doch nur mehr ein Interesse : das Schicksal seiner Kinder und Enkel . « Meine gute Cousine ist siebzig Jahre alt und ich höre es