zwölf Menschen und vierzehn Pferde . Zwei von diesen letzteren standen von den anderen getrennt . Es waren unsere Rapphengste ; ich irrte mich nicht , denn ich erkannte sie ganz deutlich . Als ich dies Halef sagte , rief er aus : » So wollen wir eilen , schnell hinabzukommen ! Diese Schurken sollen keinen Augenblick zu lange das Vergnügen haben , sich für die Besitzer unseres Eigentums zu halten ! « Er wollte sofort wieder in den Sattel steigen . » Keine Uebereilung , Halef , « warnte ich . » Wir können nicht anders zu ihnen kommen , als daß wir die diesseitige Berglehne hinabreiten , und da müssen sie uns sehen . « » Du meinst , dann fliehen sie und entkommen uns ? « » Nein , ich bin vielmehr der Ansicht , daß sie bleiben würden , um uns Widerstand zu leisten . Wir wären ohne Deckung ; sie aber könnten sich hinter die Büsche stecken . Hast du Lust , dich erschießen zu lassen , ohne dich wehren zu können ? « » Welche Frage ! Ich will auf keinen Fall erschossen sein , gleichviel , ob ich mich wehren kann oder nicht . Aber können wir denn nicht von einer anderen , besseren Seite an sie kommen ? « » Das würde uns zu einem Umwege nötigen , für den uns die Zeit mangelt . In einer Viertelstunde wird es dunkel sein . Bedenke das ! « » Was soll ich thun , Sihdi ? Denken ? Das kann ich nicht ! Soeben ist es mir wie ein leiser Hauch der Wüste durch den Kopf gegangen . Mein Hirn ist heiß , und alle Gedanken sind aus ihm hinweggeblasen . Was ist das plötzlich nun ? Ich muß mich setzen . « Er ließ sich auf die Erde nieder und legte den Kopf in die Hände . Ich wollte mich zu ihm niederbücken ; er aber wehrte ab : » Sorge dich ja nicht um mich ! Das ist gar nicht schlimm , sondern nur die letzte Wirkung des giftigen Kaffees , den wir gestern getrunken haben . Es wird schnell vorübergehen . Glaube mir : ich bin so gesund , wie du nur wünschen magst ! « Er schob mich von sich fort , und ich gab mir den Anschein , daß ich beruhigt sei . Ich konnte ja nichts Besseres thun , zumal Nafar Ben Schuri mich jetzt in Anspruch nahm : » Was du zum Scheik der Haddedihn sagtest , waren Worte der Vernunft . Wollten wir so , wie er es wünschte , zum Angriffe schreiten , so würde keiner von uns lebend an die Feinde kommen . Wir müssen hier warten , bis es dunkel ist . « » Dann aber wird der Weg nur schwer zu finden sein , « bemerkte ich . » Nein . Wir sind ihn oft geritten und kennen ihn genau . « » Aber das Geräusch der Pferdehufe kann uns leicht verraten . « » So lassen wir die Pferde hier zurück . Auch verfehlen können wir trotz der Dunkelheit die Feinde nicht , weil sie wahrscheinlich ein Feuer anzünden werden . Auch hoffe ich , daß meine Leute kommen , ehe es finster wird . « » Wo ist die Stelle , an welcher sie zu uns stoßen sollen ? « » Hier diese ist es . Sie werden durch den Paß kommen , durch den wir soeben geritten sind . Ich sage dir , daß uns die Leute da unten gar nicht entgehen können . Erlaube , daß wir uns niedersetzen ! Wir können jetzt nichts anderes thun , als warten . « Er hatte recht . In Beziehung auf die Wiedererlangung unseres Eigentums lagen die Verhältnisse so , daß ich mich beruhigt fühlte . Dagegen war es mir um Halef bang . Ich setzte mich an seiner Seite nieder und versuchte , ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen . Er gab mir nur ganz kurze Antworten ; sein Ton war matt , der Klang fast widerwillig ; darum hielt ich es für besser , zu schweigen . Da auch die Dinarun nicht sprachen , so herrschte hier oben bei uns eine Stille , welche nur durch das jeweilige Schnaufen oder Hufscharren eines Pferdes unterbrochen wurde . Der Tag ging schnell zu Ende . Der Abend senkte sich hernieder , aber die erwartete Verstärkung stellte sich nicht ein . Da der Scheik keine Bemerkung hierüber machte , nahm auch ich diesen Umstand schweigend hin . Wozu über etwas Worte machen , was man durch sie doch nicht ändern kann ! Auch brannte unten am Wasser jetzt noch kein Feuer , und uns an die Feinde schleichen , ohne einen solchen Wegweiser zu haben , das wäre doch wohl unvorsichtig gewesen . Da fühlte ich Halefs tastende Hand , welche meinen Arm berührte und an demselben niederglitt . Er ergriff meine Rechte , nahm sie in seine beiden Hände und lehnte seinen Kopf an meine Seite . So saß er längere Zeit still und unbeweglich . Mir war es , als ob seine Hände ungewöhnlich warm seien . » Sihdi ! « erklang es leise . » Halef ! « antwortete ich ebenso . » Siehst du die Sterne dort oben ? « » Ja . « » Man meint , daß das der Himmel sei . Ob euer oder unser Himmel ? « » Meinst du , es gebe verschiedene Himmel , mein guter Halef ? « » Nein . Und wenn ! Hätte Allah zehn Himmel , und mir wäre der höchste von ihnen bestimmt . Und hätte der Gott der Christen auch zehn Himmel , und für dich sollte der unterste sein . Weißt du , was ich thäte ? « » Nun ? « » Ich verzichtete auf meinen obersten und ginge mit dir in deinen niedrigsten . Er würde für mich doch der höchste sein , denn wo die Liebe wohnt , da ist die schönste