sehr viele geschlechtliche Geschichten mit , ohne daß sich die Andächtigen bewußt werden , daß sie in ihrem andächtigen Getue hauptsächlich wieder vom Geschlechtstriebe bewegt werden , dessen unerbittliches protzenhaftes Sichbreitmachen sie grade vernichten wollen . Aber - so unklar die Empfindungen der Andächtigen auch sein mögen - die Empfindungen sind doch sehr stark . Ja - ich muß sogar zugeben , daß alle klar zu zergliedernden Stimmungen nie eine so große Kraft besitzen - fast gar keine Kraft dagegen besitzen . Die kräftig auf uns einwirkenden , die überwältigenden Empfindungen sind niemals klar zu durchschauen . Die Verdammung des Unklaren schließt auch eine Verdammung der großen , mächtigen Stimmungen in sich - - - Und das geht denn doch nicht - - - Das Große darf man nicht verdammen . Ob das Große durch Mitwirkung geschlechtlicher oder halbkranker Geschichten entsteht - - oder nur durch große , edel genannte Geschichten entsteht - das ist ja ganz gleich . « » Was ist gleich ? « fragt nun gereizt die Tarub , die nur Safurs letzte fünf Worte vernommen , da der Dichter das übrige nicht laut ausgesprochen hatte . Und ihre Frage bringt ihn aus dem Text . Zum dritten Mal wirkt die Tarub unangenehm auf ihn - an einem Abend dreimal unangenehm - das ist unerhört . Und er schaut sein Weib an - nicht freundlich , aber doch forschend - aufmerksam . So gern möcht er wissen , was ihm eigentlich an seiner Köchin so unangenehm ist , wieder ne unklare Sache ! Doch bald nickt er mit dem Kopfe . Er weiß . Ihr fehlt die geistige Regsamkeit , die Fähigkeit , etwas Geistiges , Gedankliches zu verstehen - ihr fehlt , was nach seiner Meinung allen Weibern fehlt . Der Geist fehlt seiner Tarub - darum ist sie ihm unangenehm . Darum kann er sie nicht lieben , wie er sie lieben möchte . Er empfindet plötzlich ganz klar , daß er ein Weib überhaupt nicht lieben könnte . Die Weiber reizen ihn nur zum Lachen oder zur Wollust - zur Liebe nie . Das ist grade keine sehr erquickende Erkenntnis . Er denkt wieder an die Dschinne , die ihm an jenem Morgen über der Morgensonne erschien . Und er sehnt sich nach Liebe . Und nun wird die Tarub noch wieder zärtlich . Manche Augenblicke der Lust sind doch sehr merkwürdig - sehr merkwürdig . Safur kommt sich später noch unklarer vor - muß erst weinen über sich und dann wieder lachen . Die Tarub merkt von seinen Gemütsbewegungen nichts - glaubt , ihm sei nicht wohl . Er aber - er - der große Dichter - ihm fällt plötzlich ein , daß er ja noch in Tarubs Küche weilt , in der dunkelrote Rosen duften und acht Öllämpchen brennen . Und in der Küche gibts ja noch so viel zu essen . Und drum will er wieder essen - Drob freut sich Bagdads berühmte Köchin - sie gibt ihm eine große Aalpastete und Wein aus Bassora . Er ißt und trinkt . Er zerschneidet die Pastete mit dem Dolch , steckt die Dolchspitze immer in ein kleines Stück und führts so zierlich zum Munde . Die Tarub sieht ihm freundlich zu . Er denkt an die großen unklaren Stimmungen , die so eng verbunden sind mit Leid und Liebe - mit allen möglichen ewigen Qualen - mit den Qualen der Empfindlichkeit . Aber die Empfindlichkeit kommt vom vielen Empfindenwollen . Safur denkt an alles dieses - und kaut . Und beim Kauen werden ihm seine Gedanken verworren . Er will schließlich seine Gedanken los sein . Er trinkt und kaut - kaut Aalpastete - kaut - kaut . Vierzehntes Kapitel Die Sterne verblassen . Es wird Morgen . Die lauteren Brüder schlafen und träumen . Aber sie sind nicht zu Hause oder - wo sie sonst des Nachts zu sein pflegen . In Saids Garten liegen die lauteren Brüder . Da schlafen sie - da träumen sie . Denn Said will ein Morgenfest geben . Und ein Morgenfest beginnt in Bagdad immer mit Schlaf und Traum . Die Gäste kommen nachts in das Haus des Gastgebers , legen sich schweigend auf breite Sänften , schlafen da schnell ein - und werden dann behutsam in den Garten hinausgetragen - wo sie bis zum Aufgang der Sonne weiterschlafen . Nachts werden sehr viel Umstände gemacht . Die Sklaven schleichen mit kleinen Lämpchen im Garten herum und passen auf , daß die Schläfer nicht - von Schlangen , Fröschen , Kröten , Regenwürmern und andrem menschenfeindlichem Gewürm belästigt werden . Selbstverständlich wird in solcher Nacht auch sehr viel Räucherwerk verbrannt . Der Araber hat eine sehr fein gebildete Nase - Und wenn schlafende Araber was Feines riechen , kriegen sie feine Träume . Battany mit seinen sieben Freunden , Said selbst und der junge , als Trunken - und Witzbold berühmt gewordene Geograph Hamadany - das sind die lauteren Brüder , die nun in Saids Garten träumen - man will die glückliche Rückkunft derer , die den Mondtempel zu Hauran besuchten , feiern . Kodama und Osman haben deshalb ein halbes Schock berüchtigter Sängerinnen mitgebracht - natürlich , ohne dem geizigen Said was davon zu sagen . Die Sonne geht wieder überm Tigris auf - sehr dunkelrot - mit vielen dunkelroten Wolken ... Sie ist aber kaum mit dem vierten Teil ihrer Scheibe sichtbar geworden , so erhebt sich in Saids Garten ein ohrzerreißender Gesang - die Sängerinnen tun ihre Schuldigkeit . Ein keusches Lied singen sie freilich nicht - was sie singen , wird für gewöhnlich nur in den schmutzigsten Gassen von Alt-Bagdad gesungen - in jenen Gassen , in denen man mehr seine Börse als sein Herz in Acht nehmen muß - - - Doch Osman und Kodama lachen aus vollem Halse - als sie das - Lied hören . Nicht so lustig wie die Dicken erwachen die Andern . Namentlich Said - der weiß vor Schreck nicht , was er sagen soll