man fühlt es den Dingen ab , daß niemand ans Sparen dachte . Bei uns denkt man immer daran , auch die , die ' s nicht nötig haben . Sieh diese Bank . Alles Granit und mit Sandstein eingefaßt . Bei uns wäre sie von Holz . « Manon fand es eigentlich auch . Aber die Hauptunterhaltungsform zwischen den Poggenpuhlschen Schwestern war die , daß eine der andern widersprach . Und so sagte sie denn : » Du kannst nie Maß halten , Therese . Wie wir ankamen , mißfiel dir alles , und nun findest du wieder alles schön und reich und uns überlegen . Ich kann es nicht finden ; ich finde den Tiergarten viel schöner . « » Wie du nur so was sagen kannst , und alles bloß aus Widerspruch . Der Tiergarten , nun meinetwegen , der kann passieren ; aber er ist doch etwas Öffentliches , und was öffentlich ist , ist immer gewöhnlich . Und vieles , was man im Tiergarten sieht , ist geradezu zynisch . « » Zynisch ? « » Ja . Man sieht Statuen und Reliefs , die das Zynische rücksichtslos herauskehren . Ich wähle diesen Ausdruck absichtlich . Es ist das eben die Vorliebe für das Natürliche , das die moderne Kunst als ihr gutes Recht ansieht ; ich glaube aber umgekehrt , daß die Kunst verhüllen soll . Indessen dies alles mag auf sich beruhen , ich will davon nicht sprechen ; als ich vorhin mit Vorbedacht das Wort zynisch gebrauchte , dachte ich vielmehr an die lebendigen Bilder und Szenen , an die Menschen also , die man dort findet . Auf jeder Bank sitzt ein Paar und verletzt durch seine Haltung . Und wenn man endlich wo Platz nehmen will , an einer Stelle , wo sich zufällig kein Paar befindet , so kann man es auch nicht , weil man nie weiß , wer vorher da gesessen hat . Gerade im Tiergarten soll es so furchtbare Menschen geben . « » Ich setze mich immer da , wo Kinder spielen . « » Das solltest du nicht tun , Manon . Man ist auch da nicht sicher , oft da am wenigsten . Und jedenfalls fehlt allem der Zauber des Unberührten ; hier weiß ich , ich atme eine reine Luft . Sich doch , wie das da plätschert ; bei uns ist alles trübe Lache . « Therese sprach noch weiter in dieser Richtung und verstieg sich dabei bis zu hoher Anerkennung der Tante . » Sophie hat uns nicht zuviel geschrieben , eine Frau , in der alles Frühere bis auf den letzten Rest getilgt ist . Es ist nicht jedem beschieden , dies von sich sagen zu können . Wenn ich da an Mama denke ... « » Du solltest nichts gegen Mama sagen . Mama ist gut und mußte viel tragen und hat es . Das kann auch nicht jeder . « Erst beim Tee sahen sich alle wieder . Manon sprach über die Gäste , über einzelne Vorkommnisse , zuletzt auch über die Predigt . Der Geistliche hatte viel von Auferstehung gesprochen , und die Tante richtete die Frage an Sophie , ob die Auferstehung nicht auch durch einen Hergang aus dem Alten Testament dargestellt werden könne . Sie würde sich freuen zu hören , daß das möglich sei . » Ja « , sagte Sophie , » das Alte Testament hat einen Hergang , von dem man annimmt , daß er die Auferstehung bedeute . « » Und welcher ist das ? « » Es ist das der Moment , wo der große Walfisch den von ihm verschlungenen Propheten Jonas wieder auswirft . Wie man zugestehen muß , sehr sinnreich . Ich fühle mich der Aufgabe aber nicht gewachsen . « » Gott sei Dank « , sagte Manon in einem plötzlichen Anfall von Übermut . » Sage das nicht , Kind « , bemerkte die Tante . » Dir erscheint es komisch ; aber was Jahrhunderte mit Ernst und Achtung angeschaut haben , darin seh ich immer etwas , was man respektieren muß . « Manon errötete und erhob sich dann und küßte der Tante die Hand . Man trennte sich früh , aber doch mit der Zusicherung , am andern Tage spätestens um sieben beim Frühstück sein zu wollen . Es gab noch allerhand zu besprechen . Da kam man denn auch überein , daß Sophie , die nun schon so lange in halber Einsamkeit gelebt habe , wieder mit nach Berlin zurückkehren solle , aber nur auf kurze Zeit . Sophie , so äußerte sich die Tante , sei so gut und so klug und so bescheiden , daß ihre Nähe ihr ein Bedürfnis geworden sei ; sie müsse sich freilich in der großen Stadt erholen , aber je eher sie zurückkehre , je lieber sei es ihr . Es wurde seitens der Tante festgesetzt , daß sie Mitte November wieder in Adamsdorf eintreffen solle ; mit dem Malen würde es dann in den dunkeln Nebeltagen wohl vorbei sein , aber das schade nichts , und wenn Sophie neben ihr sitze und mit ihr ins Feuer sähe und des lieben Toten gedenke , so sei das noch besser als das beste Bild . Als sie das sagte , reichte sie Sophie die Hand , und alle waren glücklich , daß ein so herzliches Verhältnis zwischen den beiden bestehe . Selbst Therese freute sich ; ihr Familiengefühl war stärker als ihre persönliche Eitelkeit , und sie sah in dem Ganzen einen Sieg des Poggenpuhlschen , das doch auch in Sophie lebte , wenn auch anders als bei den andern und ganz besonders bei ihr . Sie hatte das Liebe , Freundliche , Demütige , das der gute Onkel ja auch gehabt . Nach diesen Abmachungen zogen sich die jungen Mädchen zurück , um dem Pfarrer und seiner jungen Frau , die für eine Schönheit galt und es auch war , einen Besuch zu machen ,