die Stühle springen oder vom Steg aus apportieren ließen . Das alles , wenn dieser leere Wagen nicht schon einen vollbesetzten Vorläufer gehabt hatte , war für heute nicht zu befürchten . Gegen halb acht war er draußen , und einen halbwachsenen Jungen mit nur einem Arm und dem entsprechenden losen Ärmel ( den er beständig in der Luft schwenkte ) heranwinkend , stieg er jetzt ab und sagte , während er dem Einarmigen die Zügel gab : » Führ es unter die Linde , Fritz . Die Morgensonne sticht hier so . « Der Junge tat auch , wie ihm geheißen , und Leopold seinerseits ging nun an einem von Liguster überwachsenen Staketenzaun auf den Eingang des Treptower Etablissements zu . Gott sei Dank , hier war alles wie gewünscht , sämtliche Tische leer , die Stühle umgekippt und auch von Kellnern niemand da als sein Freund Mützell , ein auf sich haltender Mann von Mitte der Vierzig , der schon in den Vormittagsstunden einen beinahe fleckenlosen Frack trug und die Trinkgelderfrage mit einer erstaunlichen , übrigens von Leopold ( der immer sehr splendid war ) nie herausgeforderten Gentilezza behandelte . » Sehen Sie , Herr Treibel « , so waren , als das Gespräch einmal in dieser Richtung lief , seine Worte gewesen , » die meisten wollen nicht recht und streiten einem auch noch was ab , besonders die Damens , aber viele sind auch wieder gut und manche sogar sehr gut und wissen , daß man von einer Zigarre nicht leben kann und die Frau zu Hause mit ihren drei Kindern erst recht nicht . Und sehen Sie , Herr Treibel , die geben , und besonders die kleinen Leute . Da war erst gestern wieder einer hier , der schob mir aus Versehen ein Fünfzigpfennigstück zu , weil er ' s für einen Zehner hielt , und als ich ' s ihm sagte , nahm er ' s nicht wieder und sagte bloß : Das hat so sein sollen , Freund und Kupferstecher ; mitunter fällt Ostern und Pfingsten auf einen Dag . « Das war vor Wochen gewesen , daß Mützell so zu Leopold Treibel gesprochen hatte . Beide standen überhaupt auf einem Plauderfuß , was aber für Leopold noch angenehmer als diese Plauderei war , war , daß er über Dinge , die sich von selbst verstanden , gar nicht erst zu sprechen brauchte . Mützell , wenn er den jungen Treibel in das Lokal eintreten und über den frischgeharkten Kies hin auf seinen Platz in unmittelbarer Nähe des Wassers zuschreiten sah , salutierte bloß von fern und zog sich dann ohne weiteres in die Küche zurück , von der aus er nach drei Minuten mit einem Tablett , auf dem eine Tasse Kaffee mit ein paar englischen Biskuits und ein großes Glas Milch stand , wieder unter den Frontbäumen erschien . Das große Glas Milch war Hauptsache , denn Sanitätsrat Lohmeyer hatte noch nach der letzten Auskultation zur Kommerzienrätin gesagt : » Meine gnädigste Frau , noch hat es nichts zu bedeuten , aber man muß vorbeugen , dazu sind wir da ; im übrigen ist unser Wissen Stückwerk . Also wenn ich bitten darf , sowenig Kaffee wie möglich und jeden Morgen ein Liter Milch . « Auch heute hatte bei Leopolds Erscheinen die sich täglich wiederholende Begegnungsszene gespielt : Mützell war auf die Küche zu verschwunden und tauchte jetzt in Front des Hauses wieder auf , das Tablett auf den fünf Fingerspitzen seiner linken Hand mit beinahe zirkushafter Virtuosität balancierend . » Guten Morgen , Herr Treibel . Schöner Morgen heute morgen . « » Ja , lieber Mützell . Sehr schön . Aber ein bißchen frisch . Besonders hier am Wasser . Mich schuddert ordentlich , und ich bin schon auf und ab gegangen . Lassen Sie sehen , Mützell , ob der Kaffee warm ist . « Und ehe der so freundlich Angesprochene das Tablett auf den Tisch setzen konnte , hatte Leopold die kleine Tasse schon herabgenommen und sie mit einem Zuge geleert . » Ah , brillant . Das tut einem alten Menschen wohl . Und nun will ich die Milch trinken , Mützell ; aber mit Andacht . Und wenn ich damit fertig bin - die Milch ist immer ein bißchen labbrig , was aber kein Tadel sein soll , gute Milch muß eigentlich immer ein bißchen labbrig sein - , wenn ich damit fertig bin , bitt ich noch um eine ... « » Kaffee ? « » Freilich , Mützell . « » Ja , Herr Treibel ... « » Nun , was ist ? Sie machen ja ein ganz verlegenes Gesicht , Mützell , als ob ich was ganz Besonderes gesagt hätte . « » Ja , Herr Treibel ... « » Nun , zum Donnerwetter , was ist denn los ? « » Ja , Herr Treibel , als die Frau Mama vorgestern hier waren und der Herr Kommerzienrat auch , und auch das Gesellschaftsfräulein , und Sie , Herr Leopold , eben nach dem Sperl und dem Carrousel gegangen waren , da hat mir die Frau Mama gesagt : Hören Sie , Mützell , ich weiß , er kommt beinahe jeden Morgen , und ich mache Sie verantwortlich ... eine Tasse ; nie mehr ... , Sanitätsrat Lohmeyer , der ja auch mal Ihre Frau behandelt hat , hat es mir im Vertrauen , aber doch mit allem Ernste gesagt : zwei sind Gift ... « » So ... Und hat meine Mama vielleicht noch mehr gesagt ? « » Die Frau Kommerzienrätin sagten auch noch : Ihr Schade soll es nicht sein , Mützell ... Ich kann nicht sagen , daß mein Sohn ein passionierter Mensch ist , er ist ein guter Mensch , ein lieber Mensch ... , Sie verzeihen , Herr Treibel , daß ich Ihnen das alles , was Ihre Frau Mama gesagt hat , hier so ganz simplement wiederhole , ... aber er hat die