zweiten Wagen hatte man ähnliche Begegnungen und Begrüßungen gehabt ; aber das Hauptgespräch drehte sich doch um Holk , bei welcher Gelegenheit Pentz von dem Fräulein von Rosenberg erfahren wollte , wie der Graf ihr bei Vormittagsaudienz eigentlich gefallen habe . Erichsen mischte sich in diese Fragen und Antworten nicht mit ein , hörte doch aufmerksam zu , weil er solche Schraubereien sehr liebte , vielleicht um so mehr , je mehr er seine persönliche Unfähigkeit dazu empfand . » Er ist ein Schleswig-Holsteiner « , sagte Ebba . » Die Deutschen sind keine Hofleute ... « Pentz lachte . » Da merkt man nun aber wirklich , meine Gnädigste , daß Dänemark nicht des Vorzugs genießt , Sie geboren zu haben . Die Schleswig-Holsteiner keine Hofleute ! Die Rantzaus , die Bernstorffs , die Moltkes ... « » Waren Minister , aber keine Hofleute . « » Das ist aber doch nahezu dasselbe . « » Mitnichten , mein lieber Baron . Ich lese viel Geschichte , wenn auch nur aus französischen Romanen , aber für eine Hofdame muß das ausreichen , und ich wage die Behauptung , ein Gegensatz existiert zwischen einem Minister und einem Hofmann . Wenigstens dann , wenn jeder seinen Namen ehrlich verdienen soll . Die Deutschen haben ein gewisses brutales Talent zum Regieren - gönnen Sie mir das harte Beiwort , denn ich kann die Deutschen nicht leiden - , aber gerade weil sie zu regieren verstehen , sind sie schlechte Hofleute . Das Regieren ist ein grobes Geschäft . Fragen Sie Erichsen , ob ich recht habe ... « Dieser nickte gravitätisch , und das Fräulein , das lachend darauf hinwies , fuhr fort : » Und das alles paßt mehr oder weniger auch auf den Grafen . Es ließe sich vielleicht ein Minister aus ihm machen ... « » Um Gottes willen ... « » ... Aber der Kavalier einer Prinzessin zu sein , dazu fehlt ihm nicht mehr als alles . Er steht da mit der Feierlichkeit eines Oberpriesters und weiß nie , wann er lachen soll . Und dies ist etwas sehr Wichtiges . Unsere gnädigste Prinzessin , ich denke , daß wir einig darüber sind , hat einige kleine Schwächen , darunter auch die , sich auf die geistreiche Frau des vorigen Jahrhunderts hin auszuspielen . Sie hat in Folge davon eine Vorliebe für ältere Anekdoten und Zitate und verlangt , daß man beide nicht bloß versteht , sondern sie auch zustimmend belächelt . Aber von diesem Abc der Sache hat der Graf keine Vorstellung . « » Und das haben Sie während einer Audienz von kaum zehn Minuten dem armen Grafen alles von der Stirn gelesen ? « » Ich weiß nicht , ob ich diesen Ausdruck gelten lassen darf , denn das Wesentliche lag darin , daß ihm , all die Zeit über , überhaupt nichts von der Stirne zu lesen war . Und das ist das schlimmste . Da sprach beispielsweise die Prinzessin von König Heinrich dem Vierten und kam auf das Huhn im Topf , von dem man füglich nicht mehr sprechen sollte . Aber gerade weil es so schwach mit diesem Huhn steht , hat ein Hofmann doppelt die Verpflichtung , zu lächeln und nicht leblos dabeizustehen und eine sich nach Beifall umsehende Prinzessin im Stich zu lassen . « Über Erichsens ernstes Gesicht glitt ein stilles Behagen . » Und dann sprach die Prinzessin huldvoll von meiner Bleichsucht , oder daß ich sie beinahe haben müßte . Nun , ich bitte Sie , Baron , bei Bleichsucht muß immer gelächelt werden , das ist einmal so herkömmlich , und wenn eine Prinzessin die Gnade hat , noch etwas von Eisen im Blut hinzuzusetzen und dadurch anzudeuten , daß sie Darwin oder irgendeinen anderen großen Forscher gelesen hat , so muß sich zu dem Heiterkeitslächeln auch noch ein Bewunderungslächeln gesellen , und wenn das alles ausbleibt und ein Kammerherr so nüchtern dasteht , als würde bloß zehn Uhr ausgerufen , so muß ich solchem Kammerherrn allen hofmännischen Beruf absprechen . « Es war gegen vier , als man in Klampenborg hielt . Holk war der Prinzessin behülflich , und nachdem man die Frage , wo der Kaffee zu nehmen sei , zugunsten der » Eremitage « entschieden hatte , brach man rasch nach dem unmittelbar angrenzenden Tiergarten auf , an dessen nördlichem Rande die Eremitage gelegen war . Der Weg dahin führte zunächst an einem großen Klampenborger Hotel vorüber , in dessen Front , auf einem zwischen Weg und Strand gelegenen Wiesenstreifen , ein wohl hundert Schritt langes , nach drei Seiten hin geschlossenes Leinwandzelt errichtet war . Die offene Seite lag gerade dem Wege zu , darauf die Prinzessin jetzt herankam . Das Festmahl selbst hatte noch nicht begonnen , aber zahlreiche , den verschiedensten Truppenteilen der Kopenhagener Garnison angehörige Offiziere waren bereits beisammen ; überall sah man die glänzenden Uniformen sowohl der Leibgarde zu Pferde wie der Gardehusaren , und noch bunter als das Bunt der Uniformen waren die Flaggen und Wimpel , die zu Häupten des Zeltes wehten . Als die Prinzessin bis auf hundert Schritte heran war , bog sie scharf links in einen Kiesweg ein , weil sie die sichtlich unmittelbar vor der Eröffnung stehende Festlichkeit nicht stören wollte ; sie war aber bereits erkannt worden , und de Meza , den man auf ihr Erscheinen aufmerksam gemacht hatte , säumte nicht , über den Lawn heranzukommen und die Prinzessin respektvollst zu begrüßen . » Lieber General « , sagte diese , » so war es nicht gemeint . Eben schlägt es vier , und ich sehe bereits , wie sich die Suppenkolonne vom Hotel her in Bewegung setzt . Und eine kalt gewordene Suppe , das mag ich nicht verantworten . Am wenigsten an einem Oktobertage mit frischer Brise . Das liebt General de Meza nur ausnahmsweise , nur wenn er zu Felde zieht und mit seinen Leuten im Biwak liegt . « Sie sagte das alles mit