Carltheater wirkt jedenfalls erfrischender , als tagelange beschauliche Einsamkeit . « » Das beste , um Sie aufzurütteln , lieber Tilling , « sagte mein Vater , » wäre wohl ein frischer , fröhlicher Krieg - aber leider ist jetzt gar keine Aussicht dazu vorhanden ; der Friede droht sich unabsehbar auszudehnen . « » Was das doch für sonderbare Wortzusammensetzungen sind , « konnte ich mich nicht enthalten zu bemerken : » Krieg und - fröhlich ; Friede und - drohen . « » Allerdings , « bestätigte der Minister , » der politische Horizont zeigt vor der Hand noch keinen schwarzen Punkt ; doch es steigen Wetterwolken mitunter ganz unerwartet rasch auf , und die Chance ist niemals ausgeschlossen , daß eine - wenn auch geringfügige - Differenz einen Krieg zum Ausbruch bringt . Das sage ich Ihnen zum Trost , Herr Oberstlieutenant . Was mich anbelangt , der ich kraft meines Amtes die inneren Angelegenheiten meines Landes zu verwalten habe , so müssen meine Wünsche allerdings nur nach möglichst langer Erhaltung des Friedens gerichtet sein ; denn dieser allein ist geeignet , die in meinem Ressort liegenden Interessen zu fördern ; doch hindert dies mich nicht , die berechtigten Wünsche derer anzuerkennen , welche vom militärischen Standpunkt allerdings - « » Gestatten Sie mir , Excellenz , « unterbrach Tilling , » für meine Person gegen die Zumutung mich zu verwahren , daß ich einen Krieg herbeiwünsche . Und auch gegen die Unterstellung zu protestieren , als dürfe der militärische Standpunkt ein anderer sein , als der menschliche . Wir sind da , um , wenn der Feind das Land bedroht , dasselbe zu schützen , geradeso wie die Feuerwehr da ist , um , wenn ein Brand ausbricht , denselben zu löschen . Damit ist weder der Soldat berechtigt , einen Krieg , noch der Feuerwehrmann , einen Brand herbeizuwünschen . Beides bedeutet Unglück , schweres Unglück , und als Mensch darf keiner am Unglück seiner Mitmenschen sich erfreuen . « » Du guter , teurer Mann ! « redete ich im Stillen den Sprecher an . Dieser fuhr fort : » Ich weiß wohl , daß die Gelegenheit zu persönlicher Auszeichnung dem einen nur bei Feuersbrünsten dem anderen nur bei Feldzügen geboten wird ; aber wie kleinherzig und enggeistig muß ein Mensch nicht sein , damit sein selbstisches Interesse ihm so riesig erscheine , daß es ihm den Ausblick auf das allgemeine Weh verrammelt . Oder wie hart und grausam , wenn er es dennoch sieht und nicht als solches mitempfindet . Der Friede ist die höchste Wohlthat - oder vielmehr die Abwesenheit der höchsten Übelthat , - er ist , wie Sie selber sagten , der einzige Zustand , in welchem die Interessen der Bevölkerung gefördert werden können , und Sie wollten einem ganzen großen Bruchteil dieser Bevölkerung - der Armee - das Recht zuerkennen , den gedeihlichen Zustand wegzuwünschen und den verderblichen zu ersehnen ? Diesen berechtigten Wunsch großziehen , bis er zur Forderung anwächst , und dann vielleicht sogar erfüllen ? Krieg führen , damit die Armee doch beschäftigt und befriedigt werde - Häuser anzünden , damit die Löschmannschaft sich bewähren und Lob ernten könne ? « » Ihr Vergleich hinkt , lieber Oberstlieutenant , « entgegnete mein Vater , indem er gegen seine Gewohnheit Tilling mit seinem militärischen Titel ansprach , vielleicht um ihn zu ermahnen , daß seine Gesinnungen mit seiner Charge nicht übereinstimmten . - » Feuersbrünste bringen nur Schaden , während Kriege dem Lande Macht und Größe zuführen können . Wie anders haben sich denn die Staaten gebildet und ausgebreitet , als durch siegreiche Feldzüge ? Der persönliche Ehrgeiz ist wohl nicht das einzige , was dem Soldaten Freude am Kriege macht , vor allem ist es der nationale , der vaterländische Stolz , der da seine köstliche Nahrung findet ; - mit einem Wort , der Patriotismus - « » Nämlich die Liebe zur Heimat ? « fiel Tilling ein . » Ich begreife wirklich nicht , warum gerade wir Militärs machen , als hätten wir dieses , den meisten Menschen natürliche Gefühl , allein in Pacht . Jeder liebt die Scholle , auf der er aufgewachsen ; jeder wünscht die Hebung und den Wohlstand der eigenen Landsleute ; aber Glück und Ruhm sind durch ganz andere Mittel zu erreichen , als durch den Krieg ; stolz kann man auf ganz andere Leistungen sein , als auf Waffenthaten ; ich bin zum Beispiel auf unseren Anastasius Grün stolzer , als auf diesen oder jenen Generalissimus . « » Wie kann man einen Dichter mit einem Feldherrn nur vergleichen ! « rief mein Vater . » Das frage ich auch . Der unblutige Lorbeer ist weitaus der schönere . « » Aber , lieber Baron , sagte nun meine Tante , so habe ich noch keinen Soldaten sprechen hören . Wo bleibt da die Kampfbegeisterung , wo das kriegerische Feuer ? « » Das sind mir keine unbekannten Gefühle , meine Gnädige . Von solchen beseelt , bin ich als neunzehnjähriger Junge zum erstenmal zu Feld gezogen . Als ich aber die Wirklichkeit des Gemetzels gesehen , nachdem ich Zeuge der dabei entfesselten Bestialität gewesen , da war es mit meinem Enthusiasmus vorbei , und in die nachfolgenden Schlachten ging ich schon nicht mehr mit Lust , sondern mit Ergebung . « » Hören Sie , Tilling , ich habe mehr Campagnen mitgemacht als Sie und auch Schauderscenen genug gesehen , aber mich hat der Eifer nicht verlassen . Als ich im Jahre 49 schon als ältlicher Mann mit Radetzky marschierte , war ' s mit demselben Jubel wie das erste Mal . « » Entschuldigen Sie , Excellenz - aber Sie gehören einer älteren Generation an , einer Generation , in welcher der kriegerische Geist noch viel lebendiger war , als in der unseren , und in welcher das Weltmitleid , welches nach Abschaffung alles Elends begehrt , und das jetzt in immer größere Kreise dringt ,