war . » Und war es denn « , fuhr er fort , » etwas so Törichtes und Unmögliches , was ich wollte ? Nein . Es liegt nicht in mir , die Welt herauszufordern und ihr und ihren Vorurteilen öffentlich den Krieg zu erklären ; ich bin durchaus gegen solche Donquixoterien . Alles , was ich wollte , war ein verschwiegenes Glück , ein Glück , für das ich früher oder später , um des ihr ersparten Affronts willen , die stille Gutheißung der Gesellschaft erwartete . So war mein Traum , so gingen meine Hoffnungen und Gedanken . Und nun soll ich heraus aus diesem Glück und soll ein andres eintauschen , das mir keins ist . Ich hab eine Gleichgiltigkeit gegen den Salon und einen Widerwillen gegen alles Unwahre , Geschraubte , Zurechtgemachte . Chic , Tournure , savoir-faire - mir alles ebenso häßliche wie fremde Wörter . « Hier bog das Pferd , das er schon seit einer Viertelstunde kaum noch im Zügel hatte , wie von selbst in einen Seitenweg ein , der zunächst auf ein Stück Ackerland und gleich dahinter auf einen von Unterholz und ein paar Eichen eingefaßten Grasplatz führte . Hier , im Schatten eines der älteren Bäume , stand ein kurzes , gedrungenes Steinkreuz , und als er näher heranritt , um zu sehen , was es mit diesem Kreuz eigentlich sei , las er : » Ludwig v. Hinckeldey , gest . 10. März 1856 . « Wie das ihn traf ! Er wußte , daß das Kreuz hierherum stehe , war aber nie bis an diese Stelle gekommen und sah es nun als ein Zeichen an , daß das seinem eigenen Willen überlassene Pferd ihn gerade hierher geführt hatte . Hinckeldey ! Das war nun an die zwanzig Jahr , daß der damals Allmächtige zu Tode kam , und alles , was bei der Nachricht davon in seinem Elternhause gesprochen worden war , das stand jetzt wieder lebhaft vor seiner Seele . Vor allem eine Geschichte kam ihm wieder in Erinnerung . Einer der bürgerlichen , seinem Chef besonders vertrauten Räte übrigens , hatte gewarnt und abgemahnt und das Duell überhaupt , und nun gar ein solches und unter solchen Umständen , als einen Unsinn und ein Verbrechen bezeichnet . Aber der sich bei dieser Gelegenheit plötzlich auf den Edelmann hin ausspielende Vorgesetzte hatte brüsk und hochmütig geantwortet : » Nörner , davon verstehen Sie nichts . « und eine Stunde später war er in den Tod gegangen . Und warum ? Einer Adelsvorstellung , einer Standesmarotte zuliebe , die mächtiger war als alle Vernunft , auch mächtiger als das Gesetz , dessen Hüter und Schützer zu sein er recht eigentlich die Pflicht hatte . » Lehrreich . Und was habe ich speziell daraus zu lernen ? Was predigt dies Denkmal mir ? Jedenfalls das eine , daß das Herkommen unser Tun bestimmt . Wer ihm gehorcht , kann zugrunde gehn , aber er geht besser zugrunde als der , der ihm widerspricht . « Während er noch so sann , warf er sein Pferd herum und ritt querfeldein auf ein großes Etablissement , ein Walzwerk oder eine Maschinenwerkstatt , zu , draus , aus zahlreichen Essen , Qualm und Feuersäulen in die Luft stiegen . Es war Mittag , und ein Teil der Arbeiter saß draußen im Schatten , um die Mahlzeit einzunehmen . Die Frauen , die das Essen gebracht hatten , standen plaudernd daneben , einige mit einem Säugling auf dem Arm , und lachten sich untereinander an , wenn ein schelmisches oder anzügliches Wort gesprochen wurde . Rienäcker , der sich den Sinn für das Natürliche mit nur zu gutem Rechte zugeschrieben , war entzückt von dem Bilde , das sich ihm bot , und mit einem Anfluge von Neid sah er auf die Gruppe glücklicher Menschen . » Arbeit und täglich Brot und Ordnung . Wenn unsre märkischen Leute sich verheiraten , so reden sie nicht von Leidenschaft und Liebe , sie sagen nur : Ich muß doch meine Ordnung haben . Und das ist ein schöner Zug im Leben unsres Volks und nicht einmal prosaisch . Denn Ordnung ist viel und mitunter alles . Und nun frag ich mich , war mein Leben in der Ordnung ? Nein . Ordnung ist Ehe . « So sprach er noch eine Weile vor sich hin , und dann sah er wieder Lene vor sich stehn , aber in ihrem Auge lag nichts von Vorwurf und Anklage , sondern es war umgekehrt , als ob sie freundlich zustimme . » Ja , meine liebe Lene , du bist auch für Arbeit und Ordnung und siehst es ein und machst es mir nicht schwer ... aber schwer ist es doch ... für dich und mich . « Er setzte sein Pferd wieder in Trab und hielt sich noch eine Strecke hart an der Spree hin . Dann aber bog er , an den in Mittagsstille daliegenden Zelten vorüber , in einen Reitweg ein , der ihn bis an den Wrangelbrunnen und gleich danach bis vor seine Tür führte . Fünfzehntes Kapitel Botho wollte sofort zu Lene hinaus , und als er fühlte , daß er dazu keine Kraft habe , wollt er wenigstens schreiben . Aber auch das ging nicht . » Ich kann es nicht , heute nicht . « Und so ließ er den Tag vergehen und wartete bis zum andern Morgen . Da schrieb er denn in aller Kürze . » Liebe Lene . Nun kommt es doch so , wie Du mir vorgestern gesagt : Abschied . Und Abschied auf immer . Ich hatte Briefe von Haus , die mich zwingen ; es muß sein , und weil es sein muß , so sei es schnell ... Ach , ich wollte , diese Tage lägen hinter uns . Ich sage Dir weiter nichts , auch nicht , wie mir ums Herz ist ... Es war eine kurze schöne Zeit , und ich werde