halb richtig . Un was die Hauptsache is , das is , meine liebe Jnädigste , die hat eijentlich das liebe kleine Herz auf ' n rechten Fleck , un is immer für helfen und geben , un immer für die armen Leute . Un was die Vernezobern war , na , die putzte sich bloß , un war immer vor ' n Stehspiegel , der alles noch hübscher machte , und sah aus wie ' s Modejournal und war eijentlich dumm . Wie ' n Haubenstock , sagten die Leute . Un war auch nich so was Vornehmes wie meine liebe Jnädigste , un bloß aus ' ne Färberei , türkischrot . Aber , das muß ich Ihnen sagen , Ihrer is doch auch anders als der Vernezobern ihrer war un hat sich gar nich un redt immer frei weg un kann keinen was abschlagen . Un zu Weihnachten immer alles doppelt . « Melanie nickte . » Nu , sehen Sie , meine liebe Jnädigste , das is hübsch , daß Sie mir zunicken , un wenn Sie mir immer wieder zunicken , dann kann es auch alles noch wieder werden , un wir packen alles wieder aus , un Sie legen sich ins Bett un schlafen bis an ' n hellen lichten Tag . Un Klocker zwölfe bring ich Ihnen Ihren Kaffee un Ihre Schokolade , alles gleich auf ein Brett , un wenn ich Ihnen dann erzähle , daß wir hier gesessen und was wir alles gesprochen haben , dann is es Ihnen wie ' n Traum . Denn dabei bleib ich , er is eijentlich auch ein juter Mann , ein sehr juter , un bloß ein bißchen sonderbar . Und sonderbar is nichts Schlimmes . Und ein reicher Mann wird es doch wohl am Ende dürfen ! Un wenn ich reich wäre , ich wäre noch viel sonderbarer . Un daß er immer so spricht un solche Redensarten macht , als hätt er keine Bildung nich un wäre von ' n Wedding oder so , ja , du himmlische Güte , warum soll er nich ? warum soll er nich so reden , wenn es ihm Spaß macht ? er is nu mal fürs Berlinsche . Aber is er denn nich einer ? Und am Ende ... « Sechzehntes Kapitel Abschied Christel unterbrach sich und zog sich erschrocken in die Nebenstube zurück , denn van der Straaten war eingetreten . Er war noch in demselben Gesellschaftsanzug , in dem er , eine Stunde nach Mitternacht , nach Hause gekommen war , und seine überwachten Züge zeigten Aufregung und Ermattung . Von welcher Seite her er Mitteilung über Melanies Vorhaben erhalten hatte , blieb unaufgeklärt . Aus allem war nur ersichtlich , daß er sich gelobt hatte , die Dinge ruhig gehenzulassen . Und wenn er dennoch kam , so geschah es nicht , um gewaltsam zu hindern , sondern nur , um Vorstellungen zu machen , um zu bitten . Es kam nicht der empörte Mann , sondern der liebende . Er schob einen Fauteuil an das Feuer , ließ sich nieder , so daß er jetzt Melanie gegenübersaß , und sagte leicht und geschäftsmäßig : » Du willst fort , Melanie ? « » Ja , Ezel . « » Warum ? « » Weil ich einen andern liebe . « » Das ist kein Grund . « » Doch . « » Und ich sage dir , es geht vorüber , Lanni . Glaube mir , ich kenne die Frauen . Ihr könnt das Einerlei nicht ertragen , auch nicht das Einerlei des Glücks . Und am verhaßtesten ist euch das eigentliche , das höchste Glück , das Ruhe bedeutet . Ihr seid auf die Unruhe gestellt . Ein bißchen schlechtes Gewissen habt ihr lieber als ein gutes , das nicht prickelt , und unter allen Sprüchwörtern ist euch das vom besten Ruhekissen am langweiligsten und am lächerlichsten . Ihr wollt gar nicht ruhen . Es soll euch immer was kribbeln und zwicken , und ihr habt den überspannt sinnlichen oder meinetwegen auch den heroischen Zug , daß ihr dem Schmerz die süße Seite abzugewinnen wißt . « » Es ist möglich , daß du recht hast , Ezel . Aber je mehr du recht hast , je mehr rechtfertigst du mich und mein Vorhaben . Ist es wirklich , wie du sagst , so wären wir geborene Hazardeurs , und va banque spielen so recht eigentlich unsere Natur . Und natürlich auch die meinige . « Er hörte sie gern in dieser Weise sprechen , es klang ihm wie aus guter , alter Zeit her , und er sagte , während er den Fauteuil vertraulich näher rückte : » Laß uns nicht spießbürgerlich sein , Lanni . Sie sagen , ich wär ein Bourgeois , und es mag sein . Aber ein Spießbürger bin ich nicht . Und wenn ich die Dinge des Lebens nicht sehr groß und nicht sehr ideal nehme , so nehm ich sie doch auch nicht klein und eng . Ich bitte dich , übereile nichts . Meine Kurse stehen jetzt niedrig , aber sie werden wieder steigen . Ich bin nicht Geck genug , mir einzubilden , daß du schönes und liebenswürdiges Geschöpf , verwöhnt und ausgezeichnet von den Klügsten und Besten , daß du mich aus purer Neigung oder gar aus Liebesschwärmerei genommen hättest . Du hast mich genommen , weil du noch jung warst und noch keinen liebtest und in deinem witzigen und gesunden Sinn einsehen mochtest , daß die jungen Attachés auch keine Helden und Halbgötter wären . Und weil die Firma van der Straaten einen guten Klang hatte . Also nichts von Liebe . Aber du hast auch nichts gegen mich gehabt und hast mich nicht ganz alltäglich gefunden und hast mit mir geplaudert und gelacht und gescherzt . Und dann hatten wir die Kinder , die doch schließlich reizende Kinder sind , zugestanden , dein Verdienst , und du hast enfin