geschmort werden und sehr gut schmecken . Im Hafen war die Sache natürlich anders . Jeder Kapitän sorgte dann für frisches Gemüse und Fleisch , schon um die Leute gesund zu halten . An Getränken gab es Kaffee , Tee , Branntwein , Rum und Wasser , das in Tanks und Fässern mitgenommen wurde . War aber auf diese Weise das Leben des Seemanns sehr hart und einfach , so war es andrerseits auch für einen von Haus aus kräftigen Körper sehr gesund . Robert wurde von Tag zu Tag stärker und gewandter ; er zeigte sich den Anforderungen des harten Borddienstes durchaus gewachsen und konnte sich in die Gemeinschaft der Matrosen gut einfügen . Als der spanische Hafen Ferrol erreicht war , ging er mit den andern in der fremden Stadt spazieren . Die alte Jacke aus Peter Vollands Hinterzimmer hatte ihm Kapitän van Swieten gegen einen neuen Seemannsanzug vertauscht , aber Geld bekam er nicht in die Hand , und ebensowenig durfte er allein von Bord gehen . Immer begleitete ihn einer der älteren Matrosen . » Onkel Mohr « , fragte er eines Tages seinen alten Freund , » wann wirst du denn endlich Urlaub nehmen , um die Stadt anzusehen ? « Der Matrose schüttelte den Kopf . » Nie , mein Junge . « » Und warum nicht ? « forschte Robert . » Weil mein Fuß überhaupt die Erde nicht wieder betreten soll . « Der Junge schwieg , dann aber sah er treuherzig in das Gesicht des alten Mannes . » Onkel Mohr , gehört auch das mit zu deiner Geschichte ? « Der Greis beugte sich über seinen jungen Schützling . » Hinter Ferrol « , murmelte er , » wenn die Fahrt fast zu Ende geht , wenn - die Stunde schlägt ! « Der Schiffbruch Der Hafen war verlassen , die Küste in der Ferne zurückgeblieben , und die » Antje Marie « segelte wieder auf hoher See . An Bord aber regte sich geheimnisvolles Leben . Robert sollte erfahren , was Peter Volland meinte , als er von den doppelten Böden und verschiebbaren Planken des Schiffes sprach . Man hatte feine Weine geladen und verschiedene andere Waren . Das alles befand sich teils in der Kajüte , teils war es im Logis aufgestapelt , während noch unzählige teure Waren aus den Schränken und Kisten der Kajüte hervorkamen , um dann in anderen Räumen verstaut zu werden . Das ganze Schiff glich einer großen Jahrmarktsbude , in der alles Mögliche ausgebreitet daliegt , um die Schaulust der Käufer zu reizen . Hier prachtvoller flandrischer Samt , dort Brüsseler Teppiche , Mechelner Spitzen und die Seidenwaren Frankreichs . Feiner Battist , Stickereien und Schleier wechselten mit teuersten Sorten echten Champagners und Burgunders , mit Blumenzwiebeln von Harlem und den Ölgemälden alter berühmter Meister . Und nun ging man an das » Stauen « all dieser Dinge . » Hast du es noch nicht gewußt ? « fragte der alte Mohr . » Wir treiben als Hauptverdienst den Schmuggelhandel , aber laß du dich dazu nicht brauchen . Wenn sie dich abfassen , so wirst du bestraft , und es kommt in deine Schiffspapiere . Ist auch außerdem kein ehrliches Geschäft . « » Was sollte ich denn dabei tun ? « fragte der Junge erstaunt . » Hm , die zollpflichtige Ware an Land bringen , entweder eine Bootsladung bei Nacht und Nebel den Mittelsmännern zuführen , oder einzelne Dinge an deinem Körper in die Stadt schaffen . Dafür gibt es freie Tage und ein paar Taler Heuer mehr , aber es ist doch nichts Gutes , und du solltest dich lieber heraushalten . « » Onkel Mohr « , fragte nach einer Pause der Junge , » tust du es auch nicht ? « Der Alte strich mit der Hand durch das weiße Haar . » Ich , Kind ? - Ja , ich tue es , obwohl ich das Land nicht betrete , aber mit mir ist es etwas anderes , als mit dir . Ich will schon dafür sorgen , daß du frei ausgehst . Im Augenblick mußt du freilich mithelfen , das läßt sich nicht ändern . « Kapitän van Swieten erschien an Deck . Der alte Holländer in seiner altfränkischen , nicht gerade seemännischen Tracht ließ sich selten ohne sein Glas Grog sehen , gewöhnlich glänzte sein breites Gesicht vor trunkener Röte . Er ließ durch den Untersteuermann jedem Matrosen eine Flasche Wein geben , auch Robert erhielt eine , obwohl er nicht so recht wußte , was er damit anfangen sollte . » So , Kinder « , schmunzelte der Kapitän , » nun macht euch dran . Zuerst die Flaschen verstauen . Das andere findet schon leichter seinen Platz . Also weg mit den Kohlen , damit wir fertig sind , ehe Kuba in Sicht ist . « Ein beifälliges Murmeln der Matrosen antwortete dem » Alten « . Die Champagnerpfropfen knallten in die sengende Mittagshitze hinein , und die geleerten Flaschen flogen den tanzenden Korken nach ins Meer , nur der Obersteuermann sah äußerst verdrießlich in das weinrote , behäbige Gesicht des Kapitäns . » Hättest auch nicht jedem Kerl eine ganze Flasche schenken sollen « , brummte er . » Ein Glas voll wäre genug gewesen . « Van Swieten blinzelte vertraulich . » Die Steinkohlen fallen dann aber so verteufelt leicht - oder schwer , wenn du willst - einmal aus Versehen an die unrechte Stelle , und meistens gerade dahin , wo Champagner liegt « , schmunzelte er . » Kennst das nicht , Renefier , und übrigens bin ich Kapitän , wie du weißt , und kann auf meinem Schiff das tun , was mir richtig scheint . Die Pfennigfuchserei schätze ich nicht , daher habe ich überall , wohin ich komme , gute Freunde , das solltest du dir merken . « Der Obersteuermann nickte grimmig . » Bis nach Havanna , van Swieten , dann trennen wir