wurzeln hier . Wir welken und sterben . « - Und mit edler Wehmut blickte er hinaus in die blaue Flut . Aber Kamilla hatte nicht die Stimmung , diesen weissagerischen Worten eines Königs über sein Volk nachzusinnen . » Warum seid ihr gekommen ? « fragte sie mit Härte . » Warum seid ihr über die Berge gedrungen , die ein Gott als ewige Marken gesetzt hat zwischen euch und uns . Sprich , warum ? « - » Weißt du , « sprach Athalarich , ohne sie anzublicken , wie mit sich selber und für sich selber fortdenkend , » weißt du , warum die dunkle Motte nach der hellen Flamme fliegt ? Wieder , immer wieder ! Von keinem Schmerz gewarnt ! bis sie verzehrt ist von der schönen , lockenden Feindin ? Aus welchem Grund ! Aus einem süßen Wahnsinn ! Und solch ein süßer Wahnsinn ist es , ganz derselbe , der meine Goten aus den Tannen und Eichen hinweggezogen hat zu Lorbeer und Olive . Sie werden sich die Flügel verbrennen , die törichten Helden . Und werden doch nicht davon lassen . Wer will sie drum schelten ? Sieh um dich her . Wie tief blau der Himmel ! wie tief blau das Meer ! und darin spiegeln die Wipfel der Pinien und die Säulentempel voll Marmorglanz ! und fern da drüben ragen schön gewölbte Berge und draußen in der Flut schwimmen grüne Inseln , wo sich die Rebe um die Ulme schlingt . Und drüber hin die weiche , die warme , die kosende Luft , die alles erhellt . Welche Wunder der Formen , der Farben trinkt das Auge und atmen die entzückten Sinne ! Das ist der Zauber , der uns ewig locken und ewig verderben wird . « Die tiefe und edle Erregung des jungen Königs blieb nicht ohne Eindruck auf Kamilla . Die tragische Gewalt dieser Gedanken ergriff ihr Herz : aber sie wollte nicht ergriffen sein . Sie wehrte sich gegen ihre weicher werdende Empfindung . Sie sagte kalt : » Ein ganzes Volk gegen Verstand und Einsicht vom Zauber angezogen ? « und kalt und zweifelnd sah sie ihn an . Aber sie erschrak : denn wie Blitze loderte es aus den dunkeln Augen des Jünglings und die lang zurückgehaltne Glut brach plötzlich aus den Tiefen seiner Seele : » Ja , sag ' ich dir , Mädchen ! « rief er leidenschaftlich . » Ein ganzes Volk kann eine törichte Liebe , einen süßen , verderblichen Wahnsinn , eine tödliche Sehnsucht pflegen so gut wie - so gut wie ein einzelner . Ja , Kamilla , es gibt eine Gewalt im Herzen , die stärker als Verstand und Wille , uns sehenden Auges ins Verderben reißt . Aber du weißt das nicht ! Und mögest du ' s nie erfahren . Niemals . Leb wohl ! « Und rasch wandte er sich und bog rechts vom Tempel in den dichten Laubgang von rankendem Wein , der ihn sofort vor Kamilla wie vor den Fenstern des Schlosses verbarg . Sinnend blieb das Mädchen stehen . Seine letzten Worte klangen seltsam fort in ihren Gedanken : lange sah sie träumend ins offne Meer hinaus und mit wundersam gemischter Empfindung , mit verwandelter Stimmung , kehrte sie endlich wieder dem Schlosse zu . Achtes Kapitel . Noch am nämlichen Tage fand sich Cethegus bei den Frauen ein . Er war in wichtigen Geschäften von Rom herbeigeeilt und kam soeben aus dem Regentschaftsrat , der in des kranken Königs Gemach gehalten wurde . Verhaltner Zorn lagerte auf seinen herben Zügen . » Ans Werk , Kamilla , « sprach er heftig . » Ihr säumt zu lang . Dieser vorlaute Knabe wird immer herrischer . Er trotzt mir und Cassiodor und seiner schwachen Mutter selbst . Er verkehrt mit gefährlichen Leuten . Mit dem alten Hildebrand , mit Witichis und ihren Freunden . Er schickt Briefe und empfängt Briefe hinter unsrem Rücken . Er hat es durchgesetzt , daß die Königin nur noch in seiner Gegenwart den Rat der Regentschaft beruft . Und in diesem Rat kreuzt er all unsre Pläne . Das muß aufhören . So oder so . « - » Ich hoffe nicht mehr , Einfluß auf den König zu gewinnen , « sagte Kamilla ernst . - » Weshalb ? hast du ihn schon gesehen . « Das Mädchen überlegte , daß sie Athalarich versprochen , seinen Ungehorsam nicht an die Ärzte gelangen zu lassen . Aber auch sonst widerstrebte es ihrem Gefühl , die Begegnung dieses Morgens zu entweihen , zu verraten . Sie wich daher der Frage aus und sagte : » Wenn der König sich sogar seiner Mutter , der Regentin , widersetzt , wird er sich nicht von einem jungen Mädchen beherrschen lassen . « - » Goldne Einfalt ! « lächelte Cethegus und ließ das Gespräch ruhen , solang das Kind anwesend war . Aber insgeheim trieb er Rusticianen , zu veranlassen , daß ihre Tochter den König fortan häufig sehe und spreche . Dies ward möglich , da sich dessen Befinden jetzt rasch besserte . Und wie äußerlich , wurde er innerlich zusehends männlicher , fester und reifer : es war , als ob das Widerstreben gegen Cethegus ihm Leib und Seele kräftige . So verbrachte er bald wieder viele Stunden in den weiten Anlagen des Gartens . Dort war es , wo ihn seine Mutter und die Familie des Boëthius in den Abendstunden häufig trafen . Und während Rusticiana die Huld der Regentin mit voller Freundschaft zu erwidern schien und aufmerksam ihren vertrauenden Mitteilungen lauschte , um sie wörtlich dem Präfekten wiedererzählen zu können , wandelten die jungen Leute vor ihnen her durch die schattigen Gänge des Gartens . Oft auch bestieg die kleine Gesellschaft eine der leichten Gondeln in jenem Hafen und Athalarich steuerte wohl selbst eine Strecke ins blaue Meer hinaus , nach einer der kleinen , grünbuschigen Inseln , die nicht weit vor der Bucht