bei den Alpenrosen , bei den Gemsen , und wie weit es noch hinauf ist bis zum Schnee . Aber die gute Kiefer ist dich keine Tochter der Alpen , balde faßt sie der Schwindel und sie bückt sich angstvoll zusammen und kriecht mühsam auf den Knien hinan , mit ihren geschlungenen , verkrüppelten Armen immer weiter vorgreifend und rankend , die Zapfenköpfchen neugierig emporreckend , bis sie letztlich in den feuchten Schleier des Nebels kommt und in demselben planlos umherirrt zwischen dem Gestein . Auf einem der niedergestürzten Felsblöcke dieses letzten Tales des Waldlandes steht ein Kreuz . Es ist unbeholfen aus zwei rohen Holzstücken gezimmert ; es hängt stellenweise noch die Rinde daran . Still steht es da in der verlorenen Öde ; es ist , wie die erste Kunde von dem Welterlöser , welche der heilige Bonifaz vormaleinst in den deutschen Wildnissen aufgepflanzt hat . Die Eidechse schlüpft auf dem Felsengrunde dahin ; ein Reh trippelt heran mit seinen schlanken Füßen und blickt mit hochgehobenem Kopf und klugen Augen zu dem Kreuzbilde empor . Es will ihm schier bedünken , das Ding sei nicht so geradewegs gewachsen auf dem Stein ; es hebt ängstlich an , hin und her zu lugen , es schwant ihm von jenem schrecklichen Wesen , das schlank wie ein Baum auf zwei Beinen einherzieht und den knallenden Blitzstrahl schleudert nach ihm , dem armen , harm- und wehrlosen Tiere . Des Entsetzens voll schlägt es seine Beine aus und eilt von dannen . Ich habe schon mehrmals nach der Bedeutung jenes Kreuzes gefragt . Seit Gedenken steht es auf dem Stein , kein Mensch kann sagen , wer es aufgestellt . Der Sage nach sei es gar nicht aufgestellt worden . Alle tausend Jahre flög ein Vöglein in den Wald und das brächte ein Samenkorn mit aus unbekannten Landen . Alle anderen Körner seien bislang verloren gegangen , oder man wisse nicht , sei die Giftpflanze mit der blauen Beere , oder der Dornstrauch mit der weißen Rose oder ein anderes Schlimmes oder Gutes daraus entwachsen . Das letzte Korn aber habe jenes Vöglein auf den Klotz im Felsentale gelegt , und daraus sei das Kreuz entsprossen . Man gehe zuweilen hin , um davor zu beten ; manchmal habe das Gebet daselbst schon Segen gebracht , manchmal aber sei auch ein Unglück darauf gekommen . Man wisse also auch vom Kreuze nicht , ob es zum Heile oder zum Unheile sei . Den Einspanig sehe man noch am öftesten im Felsentale und er verrichte seine Andacht vor dem Bilde ; aber man wisse auch vom Einspanig nicht , ob er Gutes oder Schlimmes bedeute . Nach mehreren Tagen der Wanderung bin ich wieder einmal zurückgekehrt in mein Haus an der Winkel . Mehrmals über das Kreuz im Felsentale und den Einspanig nachdenkend , hab ' ich im Winkel ein weniges erfahren . Erstlich , wie ich eintrete in das Haus , wundere ich mich daß , daß meine sonst recht gutmütige Hauswirtin heute gar aufgebracht ist . Die Sache soll so gewesen sein : am Försterhause geht der Einspanig vorüber . Die Haushälterin schaut just zur Tür hinaus und denkt : Ei , wenn sich nur mit diesem seltsamen Menschen einmal ein kleines Plaudern anheben ließ , daß eins doch ein bißchen was von ihm erfahren könnt ' . Und kaum er so zufällig sein Haupt gegen die Tür wendet , lädt sie ihn artig ein , an der Bank ein wenig abzurasten . Er tut ' s , sie bringt ihm eilig Milch und Brot herbei und frägt ihn in ihrer Weise : » Ihr guter Mann Gottes , wo kommt Ihr denn her ? « » Von dem Felsentale hernieder , « ist die Antwort . » Ihr Närrchen ! « ruft das Weib aus , » das soll ja so viel eine böse Gegend sein . Da oben im Felsental ist die Welt mit Brettern verschlagen . « Darauf der Einspanig : » Wo ist die Welt mit Brettern verschlagen ? Gar auf keinem Fleck . Die Berge gehen weit , weit zurück hinter den Hochzahn , dann kommen die Hügelländer , dann kommen die Ebenen , dann kommt das Wasser . Viele tausend Stunden breitet sich das Wasser , dann kommt wieder Land mit Berg und Tal und Hügeln , und wieder Wasser , und wieder Land und Wasser und Land und Land - « Hat ihn die Haushälterin unterbrochen : » Jesus , Einspanig , wie weit denn noch ? ! « » Bis heim , bis in unser Land , in unseren Wald , in das Winkel , in das Felsental . - Ehrsame Frau , gibt Euch Gott Flügel und Ihr fliegt fort gegen Sonnenuntergang , und fort und immerfort , der Nase und der Sonne nach , so kommt Ihr eines Tages von Sonnenaufgang her geflogen gegen Euer friedsam Haus . « Darauf die Hauswirtin : » O du Fabelhans , fable wen andern an , ich bin die Winkelhüterin . Die Milch schenk ' ich Euch und redlicher alter Leut ' Wort dazu : es ist ein Fleck , da ist die Welt mit Brettern verschlagen . So ist der alte Glauben und in dem will ich leben und sterben . « Der Mann soll darauf gesagt haben : » Weib , Eueren alten Glauben hoch in Ehren ! Aber ich bin den Weg schon gegangen , gegen Niedergang hin und von Anfang her . « Und dieses Wort hätte das Weib vollends erbittert ; » Du bist eine Lugentafel ! « soll sie gerufen haben , » auf dich hat der Teufel seinen Heimatschein geschrieben ! « Und hierauf sei der Mann kopfschüttelnd davongezogen . Das gute Weib muß schon schwer auf mich gewartet haben , um sich weiters Luft zu machen . Als ich nach Hause komme , ruft sie mir über den Gadern ( Bretterzaun ) her entgegen : » Mein Eid , mein Eid ! Was es doch