klugen Äuglein Meister Reinekes zu warten , als mit dem frommen und eleganten Jüngling Télémaque die krummen rosigen Wege des Lasters zu vermeiden . Der Knabe hatte die Ohrfeige der ungnädigen Mama wohl gespürt , allein über alles siegte die unbezwingliche Vorstellung , daß doch das größte Vergnügen in der Welt sei , dem weisen Mentor und dem Frölen Trine davonzulaufen und zu erkunden , wie weit der Wald sich in die Welt erstrecke und wie es hinter diesen , Wald aussehe ! Freilich stiegen verschiedene sehr ansehnliche und würdige Persönlichkeiten empor , um sich diesen schönen Vorstellungen und den daraus entspringenden schlechten Vorsätzen strengstens entgegenzustellen . Wenn sich auch mit dem Herzog von Engern und Westfalen , dem biedern Wittekind , Warnekinds Sohn , dem Haupt und Stammeshelden des Herrn von Glaubigern , wohl fertig werden ließ ; so war doch mit den sämtlichen Louis von Frankreich und Navarra nicht zu spaßen , und Madame de Campan und Madame de Genlis zeigten sehr drohend die Rute und zeigten bedenklich spitzige und mit scharfen Nägeln bewaffnete Finger . Aber die Krisis war eingetreten , und sämtliche im Körper wie im Geiste auf dem Lauenhofe zu Krodebeck ein und aus gehende Persönlichkeiten hatten sich darein zu finden . Daß sich jedoch Hennig mit allen gleichfalls abzufinden hatte , verstand sich von selbst und ging in den Träumen , welche dann endlich doch auf den Halbtraum folgten , ziemlich leicht und bequem vonstatten , wie solches auch bei erwachsenen Leuten in zweifelhaften Situationen und gefährlichen Kollisionen des Lebens der Fall zu sein pflegt . Die Dämonen der Nacht stehen nicht immer mit den Dämonen des Tages auf dem besten Fuße , und wie der Mensch dabei fährt , als Federball dient und sein armes , leeres Schicksal erfüllt , das kümmert bekanntlich und erweislich die Götter sehr wenig . Weshalb sollten sie ihr Spielwerk nicht gebrauchen ? Beim Styx , meine Herren und Damen , versetzen wir uns an ihre Stelle , und seien wir einmal - gerechter als sie . Zwölftes Kapitel Ein Gehirn , in welchem Tonie Häußler und der Herzog Wittekind , der Professor Amos Comenius und Fräulein Adelaide von Saint-Trouin , Louis XV und Madam Scrofa aus Krodebeck zugleich mit Jane Warwolf aus Hüttenrode , dem Ritter von Glaubigern und der gestrengen Frau Adelheid einen Tanz aufführen , soll wohl wirr und müde werden ! Auf das Gezappel und Geschwirr von Figuren und Stimmen folgte das dunkle , unermeßliche , raum- und zeitlose Nichts , und dann war es plötzlich wieder Morgen für den Junker von Lauen , und ein neuer Tag seines Daseins hatte unter veränderten Aspekten begonnen . Die große Hausglocke des Lauenhofes machte allem Spuk der Nacht ein Ende . Früher als sonst war Meister Hennig aus den Federn und in den Kleidern und suchte sofort die Frau Jane in der Gesindestube auf , um die frischgeschlossene Freundschaft nicht erkalten zu lassen . Die Warwölfin begrüßte ihn aufs höflichste und erkundigte sich teilnehmend nach seinem Befinden überhaupt , aber vorzüglich , wie ihm das kalte Bad des vorigen Tages bekommen sei . Er bezeigte jetzt einige Lust zu renommieren und sich als Held aufzuspielen , doch da kam er an die Unrechte und wurde an der Nase auf den richtigen Standpunkt zurückgeführt , ohne daß jedoch die Freundschaft darunter litt . Nachher begleitete er die wandernde Frau bis an das Hoftor und sah sie durch den immer noch fortdauernden Regen abmarschieren , dem Siechenhause zu , und sah ihr dumm mit offenem Munde nach , bis die liebliche helle Stimme Fräulein Adelaides ihn zum Frühstück rief und an die nahende französische Lektion mahnte . Das Frühstück ging vorüber , ohne daß weiter nach den Vorgängen des vergangenen Nachmittags gefragt wurde ; die französische Stunde nahm ihren Anfang . Mit dem Glockenschlage winkte die Chevalière mit spitzem Zeigefinger über ihre Tasse und den Tisch weg , erhob sich langsam mit einem würdigen Rundgruß an alle Tischgenossen und ergriff die Schulter des noch dämischer und grämlicher als gewöhnlich aussehenden Hennig . Widerwillig erhob auch er sich und folgte der grausigen Notwendigkeit - verstockt , giftig und doch dem Weinen nah , folgte er ihr treppauf , und die Tür der weisen und strengen jungfräulichen Lehrmeisterin öffnete sich vor ihm , verschlang ihn und schloß sich . Adelaide hatte ihn es war keine Rettung mehr für ihn vorhanden , und unaufgefordert ließ er alle Hoffnung draußen . Draußen vor den angehauchten Fensterscheiben mischten sich die ersten Schneeflocken des Winters in den Regen . Lieblich duftete in den Fensterbänken die altjungferliche Blume , das Geranium , und Peccadillo suchte seinen gewohnten Platz in der Sofaecke und setzte sich bequem hin , um die kommenden Erörterungen zu notieren . Auf den Kupferstichen an der Wand schwuren die Gardedukorps im Ballsaal und sange » O Richard , o mon roi « - beschäftigte sich Marie Antoinette zu Trianon mit Menschenliebe und Kindererziehung - stieg der Sohn des heiligen Ludwig zum Himmel empor , während der Flegel Santerre die Trommeln rühren ließ , um die Rührung der neugierigen Pariser in der Geburt zu ersticken . Es war sehr warm und altjungferlich behaglich in dem Zimmer der Erbin Johanns von Brienne . Die närrischen Blumen und Vögel auf den Stuhllehnen und Kissen , die vergilbten Zeichnungen des Grafen von Pardiac über der Kommode , der dicke wackelköpfige Chinese auf derselben , der Spiegel im Rokokorahmen , in den Vasen die Sträuße künstlicher Blumen , die Potpourrivase auf dem Rokokoschrank - alles dies konnte nicht netter und behaglicher sein , und auf nichts in der Welt blickte der Junker von Lauen in seiner jetzigen Seelenstimmung mit solchem Verdruß als auf alles dieses . Freilich an und für sich war jedes Ding freundlich genug , wenn sich nur von jedem Dinge das Fräulein von Saint-Trouin hätte trennen lassen ! Aber hier saß sie in ihrem Reich , und kein oströmischer Kaiser , kein Johanniter-Großmeister von Rhodus oder Malta blickte je saurer von seinem Stuhl auf