ihm hatte es schon auch weh getan , die hinter seinem Rücken an den ihm verhaßten Hansjörg , den elenden Schneider , geschriebenen Briefe zu lesen . Das aber gestand er seinem Kinde jetzt nicht mehr zu . Mit Überlegung , nicht im Ärger wollte er geredet haben , während er sonst sogar seinen berechnetsten Reden und Handlungen etwas Unwillkürliches , einen Schein von Herzlichkeit zu geben suchte . Es schien ihm ein Trost , sich selbst einzureden , daß notwendig alles zum Biegen oder Brechen habe gebracht werden müssen . Erst als er selbst sich das einmal glaubte , war er wieder ruhig und kalt genug zum Rechnen . Nur war ihm , wie sonst gewöhnlich , jeder menschliche Trieb , jedes Bedürfnis und jede Regung des Hasses und der Liebe nichts weiter als eine Naturkraft , die er beliebig einspannen und zu seinen Zwecken ausbeuten zu dürfen meinte . Er tat das um so ruhiger , weil er glaubte und erfahren haben wollte , daß es eigentlich jedermann so mache , nur daß mancher nicht klug genug sei , um viel damit zu gewinnen , wenn nicht sein besonderer Stand , seine Stellung ihm seine Opfer locke . An Beweisen fehlte es ihm nie , wenn seine Tochter das Gegenteil behauptete . Doch pflegte er ihr nicht von dem Pfarrer zu erzählen , der seine Mutter zur Erbin des Vaters gemacht hatte , um dessen Vermögen so seinen Zwecken dienlich zu machen ; auch nicht von der geld- und namensstolzen Stigerin , die ihm nie einen freundlichen Blick gegönnt hatte , bis er den Hansjörg für ihren unbeholfenen Jungen zu den Soldaten brachte . Das alles gab ja ihm selbst zu sinnen und konnte ihn noch jetzt so ärgern , daß er meinte , es passe nicht für Mädchen , die nun einmal zum Singen und Lachen und zu einem frohen und erfreulichen Leben geschaffen seien . Wenn daher Zusel ihm vormalte , wie schön das Leben desjenigen dahinfließe , der wie ein Wiesenbächlein immer nur die nächste Gegend in seines Innern Spiegel aufnehme , so sagte er , daß er nur einen Menschen kenne mit dieser Gemütlichkeit , die aber ihn selbst und Weib und Kind höchst unglücklich mache , nämlich den Andreas , seinen Töchtermann . Angelika , die allerdings bei ihren Basen das ängstliche Sorgen und Rechnen habe satt bekommen können , werde vermutlich einmal Abwechslung gewünscht haben . Wenigstens sei ihr , das habe sie oft gestanden , kein Leben schöner vorgekommen als eines , welches immer nur dem gegenwärtigen Augenblick gehörte . Drum sei ihr Hans mit seinem leichten Humor ganz der Rechte gewesen . Sie habe sich wenig drum gekümmert , ob er aus Schwäche oder Kraft , aus Überlegung oder Dummheit entstand , bis sie vom Widerstand der alten Stigerin auf diese Frage gebracht worden sei . Die Zaghaftigkeit des Burschen habe auf Angelika zurückgewirkt und ihr Betragen gegen ihn verändert . » Das « , meinte der Krämer , der jetzt viel öfter als sonst auf die Geschichte kam , » das , nicht etwas das Geschwätz der Weiber , hat die beiden getrennt . Ich kenne Hansen , er kann , wenn ' s ihm einmal ernstlich drum ist , recht verteufelt eigensinnig sein , selbst der alten Stigerin gegenüber . Hat er doch den Jos , den sie ihr Lebtag niemals leiden konnte , ins Haus gebracht und darin behalten können . Und ich hätte doch gedacht , er sollte es noch eher durchsetzen , wo sich ' s um ein liebes Mädchen handelte . Und weißt du « , konnte der wohlberechnende Mann dann plötzlich fragen , » wer dem Andreas am ähnlichsten wäre , wenn er in seinen Verhältnissen steckte ? « » Nein , wer ? « » Der Hansjörg . « Wenn der Krämer auch hundertmal so fragte , so ließ Zusel ihn doch immer selbst antworten , ja sie konnte sich ' s nie erwehren , daß sie bei Nennung dieses Namens zusammenzuckte . Der Krämer aber schien das gar nicht zu bemerken und fuhr ruhig fort : » Leute , die der Stunde leben , können sich bald selbst für nichts Rechtes mehr halten , dann folgt dem Genusse der Katzenjammer , den man , wie ein Trinker , wieder mit Trinken vertreibt . Wer nicht das Leben für ein Ganzes ansieht , der zerschlägt den schönsten Wandschrank , um ein glattes Brett zu einem Melkstuhl zu bekommen , den er gerade braucht . Just so ist der Andreas . Die Angelika aber hat so viel unter den berechnenden Basen und besonders unter Hansens Unentschlossenheit gelitten , daß ihr der Leichtsinn , die Raschheit ihres jetzigen Mannes eine Weile recht wohl gefiel . Jetzt aber ist sie unglücklich und verachtet ihn . Sie geht wieder zu weit , und gerade der trotzige Stolz , den sie ihn sehen läßt , nimmt ihm noch den Glauben an sich selbst , treibt ihn aus dem Haus und macht ihn schlecht . « » Was wäre denn da noch zu machen ? « fragte Zusel traurig . » Sicher nichts , als eine gute Lehre für sich selbst daraus zu nehmen . Über den Andreas hat niemand Gewalt , nicht einmal er selbst . Da schätze ich mir einen Hans , der vor- und nachgibt , auch dem Hausfrieden ein Opfer bringt , wenn es sein muß . Könntest du ihm im Ernste etwas Böses nachreden ? « Zusel antwortete nicht , denn sie wußte nur zu gut , wie leicht hier auch der vorsichtigste Widerspruch den sonst so gelassenen Krämer leidenschaftlich machte . Dieser wurde immer dringlicher , denn er fürchtete , daß Hans bald nach der Heldentat am Osterfest einen zweiten Anlauf nehmen werde , und dann sollte der Erfolg ihn nicht wieder abschrecken . Der Krämer sah wohl , wie ungern Zusel noch von Hansjörg reden hörte , drum stellte er ihn immer wieder dem Stighans gegenüber . Wenn sie immer nur