Menschen , wenn man die Hoffnung vor dem Kampf , vor dem Erlangen des Wunsches und diese ersten verwirrten , unklaren Augenblicke nach ihm davon abzieht ? Summa cum laude ! lächelte der Sonnenstrahl , der das Bett , in welchem Hans Unwirrsch mit halbgeschlossenen Augenlidern lag , umspielte ! Summa cum laude ! zwitscherten die frühwachen Sperlinge und Schwalben vor dem Fenster . Summa cum laude ! riefen die Glocken , die den Grünen Donnerstag einläuteten . Summa cum laude ! sagte Hans Unwirrsch , als er in der Mitte seiner Kammer stand und einen Bückling machte , welcher ihm selber galt . Er war mit seinem Anzug noch nicht ganz fertig , als die Mutter bereits hereinschlich . Sie hatte ihre Schuhe unten an der Treppe gelassen , um die Base , die ihre Schlafkammer dicht neben Hansens Kammer hatte , nicht zu wecken . Sie setzte sich auf das Bett des Sohnes und betrachtete ihn mit naivem Stolz , und ihre Blicke taten ihm bis ins Innerste wohl . Unten wartete der Feiertagskaffee , und die Base saß am Tisch . Sie hatte ihre Schuhe oben an ihrer Tür gelassen , um den Studenten und die Frau Christine nicht zu wecken , und es gab ein kleines Gelächter wegen der wechselseitigen Vorsicht . Ein Stück Jubelkuchen war auch vorhanden , und obgleich der Grüne Donnerstag nur ein halber Festtag ist , wie jeder weiß , der sich in harter Arbeit quälen muß , so stand es doch fest , daß er als ein ganzer gefeiert werden solle . Zuerst ging man natürlich zur Kirche , nachdem Hans noch einmal vergeblich an die Tür des Trödlerhauses geklopft hatte . Seit der alte Samuel den Lakai des Königs Hieronymus vom Haken genommen und ihn somit seiner Stellung oder vielmehr seines Schaukelns im gesellschaftlichen Leben für immer enthoben hatte , war die Tür noch nicht wieder geöffnet worden . Was hinter ihr vorging , war ein Rätsel für die Kröppelstraße , aber ein noch größeres Rätsel für Hans , der den Freund seit ihrem Heimgang aus dem Examen nicht wiedergesehen hatte und von jedem Versuch , in das Haus drüben einzudringen , ohne Erfolg zurückgekommen war . Murx , der pensionierte Stadtbüttel , der immer noch in ohnmächtiger Wut und gichtbrüchig mehr als je von seinem Lehnsessel aus auf die Kröppelstraße achtgab , hatte bereits den gegenwärtigen Stabschwinger und Nachfolger im Amt auf den » verflucht verdächtigen Kasus « aufmerksam gemacht ; ja der Bürgermeister hatte bereits das Haupt darüber geschüttelt . - Das stille Haus fing an , die Ruhe der Stadt mehr zu stören , als der betrunkenste Raufbold es vermocht hätte . Aber die Glocken riefen zur Kirche , und dort schritt der Oheim Grünebaum heran , im blauen Rock , in seegrünen Hosen und gestreifter Weste , zum Schutz gegen alle bittern und süßen Verlockungen mit dem mächtigsten aller Gesangbücher bewaffnet , eine Zierde jeder Straße , durch welche er stapfte , ein Schmuck jeder Versammlung von Christen , Politikern und zivilisierten Menschen , die er mit seiner Gegenwart beehrte . Hand in Hand ging Hans mit seiner Mutter , und an der Seite der Base schritt der Oheim , der nur da ein wenig von seinem selbstbewußten Anstand verlor , als man um die Ecke bog , wo er gestern - wo ihn gestern seine Gefühle übermannt hatten . Ein sehr rotes Taschentuch zog er hervor , schneuzte sich heftig , gelangte so glücklich über die böse Stelle hinweg und landete seine Würde ohne Havarie in dem Kirchenstuhl der Familie ; - es ist schade , daß wir seinem Gesang nicht ein eigenes Kapitel widmen dürfen , niemals psallierte ein Schuster mit größerer Andacht und Gewalt durch die Nase . Von der Predigt verstand Hans an diesem Tage nicht viel , und obgleich sie ziemlich lang war , deuchte sie ihm sehr kurz . Summa cum laude ! grinste sogar das steinerne Skelett an dem alten Grabmal neben dem Kirchenplatz der Unwirrsche , dieses Scheusal , welches Hans lange Jahre über die Kindheit hinaus nie von dem Begriff Kirche ablösen konnte . Auch die Orgel sang durch alle Pfeifen : Summa cum laude ! und begleitete damit die Familie bis vor die Tür des Gotteshauses . Summa cum laude ! lächelte vor allem der Professor Doktor Fackler , der mit Kornelia und Eugenia ebenfalls in der Kirche gewesen war , der es nicht unter seiner Würde hielt , mit der Verwandtschaft seines Lieblingsschülers eine Strecke weit zu gehen , und der dem Oheim Grünebaum nun nachträglich Glück wünschen konnte . Summa cum laude ! schien auf den Gesichtern aller Begegnenden zu stehen , es war wirklich eine merkwürdige Geschichte . Mit Gruß und Händedruck hatte der Professor sich verabschiedet , und Eugenia und Kornelia hatten die unbeholfene Verbeugung des schüchternen , errötenden Studenten mit zierlichem Knicks erwidert ; - da war die Kröppelstraße wieder , und ihre Bewohner hatten bereits die Feiertagskleider ausgezogen und die Werktagskleider angelegt . Sie arbeiteten aber noch nicht ; eine große Aufregung herrschte in der Kröppelstraße ; alt und jung war auf den Beinen und schrie und lief und handzappelte durcheinander . » Holla , was ist da wieder los ? « rief der Oheim . » Was hat ' s denn gegeben ? Was gibt es denn , Meister Schwenckkettel ? « » Er hat ' s ! Es hat ihn ! « lautete die Antwort . » Der Deibel , wer hat ' s ? Was hat ihn ? « » Der Jud , der Freudenstein ! Er liegt auf dem Rücken und schnappt - « Die Frauen schlugen die Hände zusammen , Hans Unwirrsch stand starr und erbleichend , der Oheim Grünebaum aber sprach phlegmatisch : » Der Deibel nimmt die Graden und die Ungraden ! Nur immer langsam , Hans Donnerwetter , da ist er schon hin ! « Im vollen Laufe stürzte Hans nach dem Laden des Trödlers , dessen Tür jetzt offenstand und von