erzählen will , ist keine Geschichte für junge Mädchen . Die hübsche Kleine wurde bis über die Ohren roth und entfernte sich schleunig mit einem Blick auf Oswald . Herr Schmenckel räusperte sich , lehnte sich vornüber auf den Tisch und begann mit einer Stimme , die in diesem gedämpften Ton noch heiserer klang , als gewöhnlich : Meine Herren , Sie wissen : es giebt für den denkenden Menschen zwei Arten von Frauenzimmern , solche , die dienen , und solche , die sich bedienen lassen . Aber für die Liebe existirt dieser Unterschied nicht , denn die Liebe beherrscht sie Beide . Diese Erfahrung habe ich nun zwar des Oefteren in meinem Leben gemacht , niemals aber ist es mir so deutlich demonstrirt worden , als vor einigen - hier sah sich Herr Schmenckel scheu um , ob auch kein unberufenes , besonders weibliches Ohr die chronologische Notiz , die er zu geben im Begriffe war , auffangen könnte - zwanzig Jahren in Petersburg . Ist einer von den Herren je in Petersburg gewesen ? Man verneinte die Frage . Wie kamen Sie nach Petersburg , Herr Director ? sagte ein Fichtenauer Bürgerssohn , der sich mittlerweile der Gesellschaft angeschlossen hatte . Beim Schmenckel , erwiderte der Director im Ton der Belehrung , darf man sich nimmer wundern , wenn er an einem Orte gewesen ist . - Petersburg , meine Herren , ist eine schöne Stadt , was Sie schon daraus ersehen können , daß die Paläste des Kaisers und aller Großen aus blitzblankem , blauem und weißem Eis erbaut sind . Wie ist denn das möglich ? fragte der Bürgerssohn , die müssen doch im Sommer schmelzen . Im Sommer ? sagte Herr Schmenckel , ohne sich einschüchtern zu lassen , im Sommer ? Ja , da kommen Sie schön an ! Ich sage Ihnen , Herr , es giebt in Petersburg keinen Sommer . Schnee und Eis und Eis und Schnee das liebe lange Jahr hindurch von Sylvester bis wieder Sylvester . Also : wir waren in Petersburg , und es gefiel uns da sehr gut - uns , das heißt , der berühmten Kunstreiter-Gesellschaft meines Onkels und damaligen Directors Franz Schmenckel , in welcher ich als Herkules engagirt zu sein die Ehre hatte . Ich kann wohl sagen , daß wir Furore machten , besonders unsere Pferde ; denn die Russen kennen Pferde nur von Hörensagen ; höchstens daß der Kaiser vielleicht zwei oder drei zottige , wie große Hunde aussehende Thiere in seinen Ställen hat . Alle übrigen fahren , wie ich schon bemerkte , nur mit Rennthieren , selbst die Cavallerie ist darauf angewiesen , und ich versichere Sie , meine Herren , daß so ein russischer Garde-Kürassier-Lieutenant auf seinem Rennthierhengst sich gar nicht so übel ausnimmt . Wir hatten ganz ungeheuren Zulauf . Der Kaiser und der ganze Hof waren jeden Abend in unserm Circus . Se . Majestät applaudirte so wüthend , daß er alle fünf Minuten ein neues Paar weißer Glacéehandschuhe anziehen mußte , weil sie die andern zerklatscht hatte . In den Zwischenacten hatte ich an der Thür der kaiserlichen Loge zu stehen , um Se . Majestät hinter die Coulissen und in die Pferdeställe zu führen , wo Allerhöchst- dieselbe den besten Pferden huldvoll auf den Hals zu patschen und den hübschesten Damen der Gesellschaft in die Wangen zu kneifen geruhte . Vor allem aber hatte ich mich der Gunst des Kaisers zu erfreuen . Warum , weiß ich selbst nicht ; aber so viel ist gewiß , daß der Kaiser mich gleich am ersten Abend in seine Loge rufen ließ und vor dem ganzen Hofe zu mir sagte : Herr Schmenckel , sagte er , Sie sind nicht nur der stärkste , sondern auch der schönste Mann , den ich je gesehen habe . Bitten Sie sich eine Gnade aus . - Eure Majestät , erwiderte ich , mich anmuthig verbeugend , ich bitte um Ihr ferneres geschätztes Wohlwollen . Das sollen Sie haben , und den Adel dazu , rief Se . Majestät im höchsten Enthusiasmus , geben Sie mir Ihre starke Hand , Herr von Schmenckel ! Mit einer Compagnie solcher Männer , wie Sie , dictire ich die Gesetze für die Welt ! Seit diesem Augenblicke waren wir geschworene Freunde . Von Schmenckel , kommen Sie heute Abend zu einer Tasse Caravanenthee zu mir ! - Wollen Sie heute Abend nach der Vorstellung ein Glas Wutkipunsch mit mir trinken , lieber von Schmenckel - Sie wissen , ganz unter uns , vielleicht ein paar Herren und Damen vom Hofe ? - wollen Sie ? - so ging es einen Tag wie alle Tage . Nun , meine Herren , der Schmenckel aus Wien ist nicht stolz , aber er bewegt sich gern in guter Gesellschaft - Hier machte Herr Schmenckel eine verbindliche Verbeugung gegen seine Zuhörer - Und ein Kaiser ist und bleibt am Ende immer ein Kaiser und man freut sich doch , wenn man mit ihm so zu sagen auf Du und Du steht . Es waren famose Abende , die ich so im Schooße der kaiserlichen Familie zubrachte . Die Herren vom Hofe waren sehr liebenswürdig , und die Frauen - Herr Schmenckel drückte die Augen zu und warf eine Kußhand gegen die Decke des Zimmers . Die Frauen ! ich sage Ihnen , meine Herren , wer die russischen Frauen nicht gesehen hat , hat gar keine Frauen gesehen . Diese Haare , diese Augen , dieser Wuchs , dieses Feuer - und wenn der Schmenckel viertausend Jahre alt werden sollte , er wird den Winter in Petersburg nicht vergessen . Die russischen Frauen sind schön , und Sie werden einen Anflug von Neid empfinden , meine Herren , wenn ich Ihnen sage , daß ich unter den schönsten der schönen die Auswahl hatte . Das klingt wie Aufschneiderei , meine Herren ; aber , ich kann Ihnen nicht helfen , es war so . Ich bekam ganze Wagenladungen