Haupt mit einem Ausdruck von unsäglicher Demut und legte ihre Hände wie zum Gebet vor der Brust zusammen . » Nun , was antwortest Du jetzt ? « fragte der Graf . » Jetzt und immer dasselbe , « antwortete sie mit einer Stimme , die aus leisem Zittern allmählig in Festigkeit überging . » Es ist das , was Du schon weißt , lieber Vater : mein Verlangen geht nicht nach der Welt , sondern nach dem Kloster , und ich habe meinem Herrn und Heiland das Gelübde der ewigen Jungfräulichkeit abgelegt . « Der Graf sprang auf und rief mit Donnerstimme : » Bleib hier sitzen ! nicht vom Fleck Dich gerührt ! ich komme wieder ! « Er verließ das Kabinett . Regina seufzte leise : Liebe Mutter Gottes , stehe mir bei ! und drückte innig einen Rosenkranz an ihre Lippen , den ihre Mutter immer bei sich getragen und täglich gebetet hatte . In das goldene Kruzifix dieses Rosenkranzes war ein Partikel vom wahren Kreuz gefaßt . Regina betrachtete es zärtlich und sagte zu sich selbst : Jetzt beginnt mein Kreuzweg , denn ich betrübe meinen Vater . Der Graf kam wieder . Er hatte sich zum Beistande Onkel Levin geholt . Als Regina ihn eintreten sah , brach ein Freudenstrahl aus ihren Augen . Sein mildes Antlitz schien ihr noch milder als gewöhnlich zu sein . Der Graf hatte sich inzwischen auch gefaßt und überlegte , daß es nicht länger geraten sei , Regina einzuschüchtern und im Stillschweigen über ihre innerste Seelenstimmung zu erhalten . Er setzte sich mit Levin ihr gegenüber und sagte gelassen : » So ! nun weiter , Regina ! Du hast also das Gelübde der ewigen Jungfräulichkeit abgelegt . Wann ist das geschehen ? « » Am Tage meiner heiligen Erstkommunion . « » Wie alt warst Du da ? « » Dreizehn Jahre ; und seitdem hab ' ich es immer am Jahrestage erneuert . « » Wen hast Du dabei zu Rate gezogen ? « » Niemand . « » Ganz für Dich allein hast Du diese Verwegenheit gehabt ? « » Ich wußte nicht , daß es verwegen sei , der göttlichen Liebe eine ausschließliche Liebe zu geloben , « sagte sie so treuherzig , daß Levin unwillkürlich zum stillen Dankgebet für diese Lauterkeit der Seele die Hände faltete . » War das ein Gebrauch bei den Damen von Sacré Coeur ? « » Ein Gebrauch ist es ja nie und nirgends , lieber Vater . « » Ich meine , hat man Euch im Pensionat direkt oder indirekt zu einem solchen Gelübde veranlaßt ? « » Niemals . « » Haben andere es abgelegt ? « » Das weiß ich nicht . Ich habe nie darüber gesprochen . « » Auch nicht in der Beicht ? « » O nein ! da spricht man von seinen Sünden - und dies ist keine . « » Es könnte doch eine schwere Sünde sein , so über sich zu verfügen ohne Wissen der Eltern ! Kennst Du nicht das Gebot : Du sollst Vater und Mutter ehren ? « » Doch , mein lieber Vater ! Aber Christus hat auch gesagt : Wer Vater und Mutter mehr liebt , als mich , ist meiner nicht wert . « » Wie bist Du aber überhaupt auf diesen Gedanken gekommen ? « » Durch die liebe selige Mutter zuerst ! « » Das ist nicht wahr , « rief der Graf . » Deine selige Mutter hat nie anders gedacht , als daß Du Uriel heiraten würdest . « » Ich glaube , Dein Vater hat recht , Regina ! « sagte Levin . » Besinne Dich , Kind . « » Ich brauche mich nicht zu besinnen , lieber Onkel Levin , ich weiß es ganz genau ! Erinnerst Du Dich nicht , daß die liebe Mutter gar viel ein paar spanische Verslein der heiligen Therese im Munde führte , die gar lieblich klangen und deren Schluß war : Solo Dios basta ? « 1 » Gewiß ! « sagte Levin und der Graf nickte einstimmend . » Solo Dios basta ! das klang mir so erhaben und lieblich und ich fragte sie einmal , wie das auf deutsch heiße . Da sagte sie : Es heißt Nichts genügt uns , als Gott ; denn in ihm haben wir Liebe , Glück , Freude , Frieden , wechsellos und unvergänglich , während das alles außer Ihm gar schwankend und unsicher ist . Und dann pflegte sie mir viel zu erzählen von den heiligen Klosterfrauen der alten Zeiten , wie sie gewirkt hätten für das Reich Gottes auf Erden durch ihr Beispiel und ihr Gebet , und wie sie durch ihren himmlischen Wandel die Christusliebe geweckt und genährt hätten in tausend Seelen , und weit hinaus über ihr irdisches Leben , und wie sie , oftmals von Leid und Trübsal und mancherlei Nöten heimgesucht , doch immer froh wie die Seligen gewesen wären , weil es für sie wie für die heilige Therese stets geheißen habe : Solo Dios basta . Bald darauf schied die liebe Mutter von uns . Aber ich vergaß nie ihr Solo Dios basta und was sie darüber gesagt hatte . Als nun die selige Zeit der heiligen Erstkommunion für mich kam , als ich mehr und mehr erfuhr von dem Wunder der Liebe Gottes , das er im eucharistischen Opfer für uns wirkt , um unsere Seelen auf dem Pfad der Gnade zum Thron der Glorie hinzuziehen , und von der unendlichen Verdemütigung der ewigen Liebe , die nichts so sehr begehrt , als die armselige Liebe des staubgeborenen Geschöpfes , und wie sie statt dessen Verschmähung , Beleidigung , Verlassenheit erfährt , und wie die Seelen , ach , so leicht ! alles für Glück halten , was Gott nicht ist : da kam mir das Solo Dios basta gar nicht mehr aus dem Sinn . Ich dachte es nicht und wollte es