ein wenig abseits dort unter die Linden wandeln . « » Ich kann es auch nicht mehr ertragen , « sagte Ursula , » und noch hab ' ich kaum ein paar Worte mit Stephan zu wechseln gewagt . « » Jetzt beginnt es dunkel zu werden , und die Dämmerung begünstigt alle Liebenden ! « tröstete Elisabeth . Und nicht lange wandelten sie allein unter den Linden , da gesellte sich Stephan zu ihnen . Nachdem er die ersten Zärtlichkeiten mit Ursula getauscht , sagte er : » König Max ist ein Mann nach meinem Sinn , was meinst Du , wenn ich ihm folge , mir auf eigene Hand in seinem Gefolge Ruhm und Ehr und den Ritterschlag erwerbe , und dann als Lohn für meine Dienste Nichts fordere , als daß der König unsere eigensinnigen Väter versöhne ? « » Das ist ein würdiger Entschluß ! « rief Elisabeth , » so segensreich ist schon die Erscheinung eines wahren Helden - sie treibt auch Andere auf die Heldenbahn ! « Ursula sagte : » Ja , vertraue Dich ihm , er ist so ein ganzer Mann und Held , und hat ja mit seiner Maria auch erfahren , was rechte Liebe ist ! « Elisabeth wollte das Paar nicht stören und zog sich wieder zurück . Um sich auszuruhen und ihren Empfindungen zu überlassen lehnte sie sich an eine der Linden , die ihre Zweige , sie fast verbergend , über sie breitete , wozu auch die grüne Farbe ihres Kleides beitrug . Sie hatte die Augen halb geschlossen und hörte jetzt eine Männerstimme sagen : » König Max hat unsere Einladung angenommen , einem Zechentag in unserer Bauhütte beizuwohnen , und Propst Kreß hat den übermorgenden dazu festgesetzt . Gebe Gott , daß es ihm Ernst ist um die heilige Kunst . « » Ich hoffe es ! « antwortete der Andere mit der melodisch klangvollen Stimme , an der wir Ulrich erkennen . » Sein Geist , der in so vielen Fächern der Wissenschaft bewandert ist , wird auch die erhabene Lehre des Albertus Magnus in ihrer ganzen Herrlichkeit erfaßt haben , und diejenigen zu würdigen wissen , welche ihre geheiligten Lehrsätze im Stein zu verwirklichen suchen . Wird er uns nur ein Kaiser , der uns die alten Privilegien in Ehren läßt und sie zeitgemäß erweitert , so geschieht schon das Beste für uns , das wir begehren können , denn die deutsche Kunst ist das , was sie ist , nicht geworden durch die Fürsten , sondern trotz ihnen - und wollte König Max den Einfluß , den er dadurch , daß er Baubruder geworden ist , auf die Bauhütten üben kann , je so weit gebrauchen , daß er in guter oder böser Absicht uns Vorschriften machen wollte : so wäre er kein rechter freier Maurer , und wir hätten die Pflicht , ihn aus unserem Bunde zu stoßen , seine Gemeinschaft zurück zu weisen . Als Fürst kann er für die Kunst nichts Besseres thun , als unsere Freiheiten bestätigen , uns schirmen gegen die Buchstabensatzungen der Pfaffen , wie gegen den Fürwitz der Profanen . Die göttliche Kunst selbst in ihrer Reinheit zu bewahren und höherer Vollendung entgegenzuführen - das ruht allein in den Händen der Künstler selbst . « » Ich wollte , König Max hörte Dich selbst so sprechen , « sagte Hieronymus . » Sollt ' es ihm gefallen , mich etwas zu fragen , « sagte Ulrich , » so werde ich ihm nicht anders antworten , denn jedem andern Baubruder . « » Herr Anton Kreß , unser Propst , der einmal sein besonderes Augenmerk auf Dich gerichtet , wird den König schon aufmerksam auf Dich machen , « sagte Hieronymus . » Wie es ihm gefällt , « entgegnete Ulrich ; » übrigens aber hat die Theilnahme dieses Mannes für mich etwas Unheimliches . « » Sage nur Geheimnißvolles , « verbesserte Hieronymus ; » worin sollte das Unheimliche liegen ? Er ist ein durchaus harmloser Charakter , wie mir scheint - ein Mann , der es zur Ehrensache anrechnet , sich das Ansehen zu geben , als habe er unsere Lehre bis in ihre ganze Tiefe erschöpft , und der vielleicht kaum das System des Achtortes von ihr behalten , der sich gern als Stifter erhabener Bauten einen Namen machen möchte , weil das zumal in Nürnberg so üblich , und den Glanz der Geschlechter erhöht - der nebenher aber gern den Freuden der Tafel huldigt , dem Bachus opfert und nach schönen Frauen schielt . « Elisabeth war kein Wort von dieser Unterhaltung verloren gegangen , denn alle ihre Sinne waren von ungewöhnlicher Feinheit , so auch ihr Gehör , und so auch sah sie jetzt trotz der Dämmerung , daß die beiden die Festtracht der Baubrüder trugen , wie sie dieselbe am Morgen gesehen , und es schien ihr wahrscheinlich , daß der eine von ihnen der Steinmetz war , von dem sie sich an diesem Morgen durch das Wegwerfen ihrer Blume beschimpft hielt . Sie rührte sich nicht und ihre Gegenwart blieb den Männern verborgen . Jetzt sah sie , wie eine kleine weibliche Gestalt ihnen nachgeschlichen kam , und sich ohne bemerkt zu werden , nur einige Schritte hinter ihnen hielt . Ihnen entgegen kamen zwei andere , noch knabenhafte Jünglingsgestalten . » Sieh ' da , « sagte Ulrich , » mein kleiner wackerer Freund Albrecht Dürer ! Habt ' Ihr heute auch einmal die dumpfe Werkstatt verlassen und seid von Meister Wohlgemuth ' s Knechten befreit ? « Albrecht schüttelte Ulrich herzlich die Hand . Der Steinmetz hatte Wort gehalten und ihn eines Tages in seiner Werkstatt besucht , und seitdem war es zuweilen geschehen , daß sie an Sonntagen einander gesehen , denn Ulrich fand Wohlgefallen an dem fleißigen , kunstbegeisterten Jüngling , und dieser wieder an Ulrich ' s Belehrungen , durch die er besonders seine geometrischen Kenntnisse vervollkommnete . Er stellte diesem seinen Begleiter