durch ein Vermittelndes , das Dämonische : da schwebten , » damit das Ganze in sich selbst verbunden sei « , Geister » viel und vielerlei « auf und nieder , strafende und lohnende Boten der Gottheit , und niemand entging seinen Taten . Diese Geister Verfolgten auch den Grafen : Reue , Ruhelosigkeit , Lebensüberdruß hießen sie , und auf jede Lebensfreude legten sie ihre ertötende Hand . Wieder zog der Graf über die Alpen nach Deutschland . Das Schloß Seeburg war verkauft - er kam nach Wien , wo er menschenscheu und finster in einem einsamen kleinen Hause wohnte . Oft hörte ihn seine Tochter auf und ab gehen in der Nacht ; sie hatte keine Bekanntinnen , keine Freundin ; eine alte Dienerin ihrer Mutter war ihr ganzer Umgang . So verlebte sie ihre ersten Jugendjahre fast ganz sich selbst überlassen , während ihr Vater immer finsterer und finsterer ward . Er verbot ihr zu singen , zu spielen ; sie seufzte und fügte sich . Da wurde eines Morgens der alte Graf Seeburg tot im Bett gefunden ; kein Mensch war bei seinen letzten Augenblicken zugegen gewesen , er war gestorben , wie ihn Helene nur gekannt hatte - einsam und allein . Einsam und verlassen war aber auch sie jetzt , ein junges Mädchen in einer großen , fremden Stadt , die sie nicht kannte , wo niemand sie kannte . Es fand sich , daß die Hinterlassenschaft ihres Vaters kaum hinreichte , die während seines Aufenthalts in Wien gemachten Schulden zu bezahlen . Unter den wenigen , die von Zeit zu Zeit das Haus ihres Vaters betreten hatten , war ein Doktor Berg , ein nicht mehr ganz junger Mann , und dieser war der einzige , der , an das Totenbett des alten Grafen gerufen , nachdem er ihm die Augen zugedrückt hatte , sich der jungen Waise annahm . Er brachte ihre Vermögensverhältnisse in Ordnung ; er führte sie , die ebenfalls fast menschenscheu Gewordene , zu guten Menschen , zu seiner alten freundlichen Mutter . Er schien alles , was er tat , nur als seine Pflicht anzusehen , und er , der ihr anfangs gleichgültig war , gewann ihre Zuneigung mehr und mehr . Da bot er ihr seine Hand , und die Gräfin Helene Seeburg ward seine zufriedene , glückliche Gattin , bald noch glücklicher durch die Geburt eines Sohnes , der Gustav genannt wurde . Da zwangen Verhältnisse - auch seine Mutter war gestorben - den Doktor Berg , Wien zu verlassen ; er zog hierher und bemühte sich , eine Praxis zu gewinnen . Eben schien es ihm zu gelingen , als eine heftige Seuche , die verheerend von Osten kam und über das ganze Land todbringend zog , auch ihn wegraffte ; er ließ seine Frau und seinen Sohn fast unbemittelt zurück . Auf dem Johanniskirchhof , zwanzig Schritte von Franz und Marie Ralff , ward er begraben . Das war es , was die Frau Helene Berg erzählte , während der Ring mit dem Wappen der Grafen Seeburg , die Schlange , die den Rubin umwand , vor ihr auf dem Tische funkelte . Noch an demselben Abend trug ich ihn auf die Königsbrücke und warf ihn weithin in den Strom , nachdem ich ihn in zwei Stücke zerbrochen hatte . Helene lehnte neben mir am Geländer , und schweigend gingen wir zurück in die Sperlingsgasse zu - unsern Kindern . War ' s nicht ein hübsches , ein glückliches Vorzeichen , dieser kleine goldgelbe Vogel , der zwischen den beiden Wohnungen hin und her flatterte , der seine Wohnung dort und hier hatte , oft ein kleiner treuer Bote war und an seinem beweglichen Hälschen gar wichtige Nachrichten , Fragen oder Antworten hinüber- und herübertrug ? » Schau mal nach , Liese , das Flämmchen trägt wieder einen Zettel am Halse . Jetzt werden wir wohl erfahren , wo der Bösewicht , über den ich die alte Martha draußen noch brummen höre , steckt . « Zwitschernd hüpft Flämmchen auf Elisens Hand . Sie nimmt ihm den Zettel ab , und in einer weitbeinigen Knabenhandschrift lautet die Botschaft : » Liese ! Da ich mich vor morgen bei Euch nicht zu zeigen wage und noch dazu leider gezwungen bin ( scheußlich ! ) , 3 Seiten , schreibe drei Seiten , voll lateinischen Unsinns zu übersetzen ( ich möchte nur wissen , wozu ein Maler , und ich will einer werden , Latein braucht ? ? ? ? ? ) , so bitte ich Dich , den Onkel ( Du brauchst ihm diesen Brief nicht zu zeigen ) ebenso auf seinem Lehnstuhl festzubinden , wie ich die alte Martha festgebunden habe , und so bald als möglich vor die Tür zu kommen . - Ich will Dir mal was Wichtiges sagen . Gustav P. Scr . Ich passe auf , und wenn ich Deine Nasenspitze sehe , schleiche ich an den Häusern hin zu Euerer Tür ! Komme bald ! ! P. Scr . Bring Deine Korbtasche mit ! « » Was mag er nur wollen ? « fragt Lieschen , die schon nach dem Nagel guckt , an welchem ihre Tasche hängt , während ich trotz des warnenden Passus den Brief des Übeltäters und seine echte Tertianerlogik studiere . Es ist prächtig : weil ich ein Exerzitium von bedenklichster Länge machen muß - so komme so bald als möglich ! Und dann die kleine Heuchlerin , die recht gut weiß , was der Faulpelz will ! » Was für einen Tag haben wir heute , Lieschen ? « » Ah - Sonnabend ! « ruft Elise . » Jetzt weiß ich ' s ! Er hat sein Taschengeld gekriegt . « » Welches eigentlich die alte Martha konfiszieren müßte . Höre , Lieschen ; schreib ihm als Bedingung Deines Kommens vor , daß die scheußliche Arbeit fertig sein müsse . « » Wie lange dauert das wohl , Onkel ? « fragt die