hast ? « heißt es vielfach . » Nein , es ist nur unsere Magd , « antwortete Rosel . Mehrere Bettler aus Haldenbrunn die hier waren , betrachteten Barfüßele staunend ; sie kannten sie offenbar nicht und erst als sie sie lange angesehen hatten riefen sie : » Ei , das ist ja das Barfüßele . « » Das ist nur unsere Magd . « Dieses Wörtchen » nur « war Barfüßele tief in ' s Herz gedrungen , aber sie faßte sich schnell und lächelte , denn in ihr sprach es : » Laß dir nicht von einem Wörtchen deine Freude verderben . Wenn du das anfängst , da trittst du überall auf Dornen . « Die Rosel nahm Barfüßele bei Seite und sagte : » Geh ' du nur einstweilen auf den Tanzboden , oder anderswohin wenn du sonst Bekannte im Ort hast . Bei der Musik sehe ich dich hernach schon wieder . « Ja , da stand Barfüßele wie verlassen und sie kam sich vor , als hätte sie ihre Kleider gestohlen und gehöre gar nicht daher , sie war ein Eindringling . » Wie kommst du dazu , daß du zu so einer Hochzeit gehst ? « fragte sie sich und sie wäre am liebsten wieder heimgekehrt . Sie ging durch das Dorf aus und ein , dort an dem schönen Hause vorbei , das für den Brosi erbaut worden war und worin auch heute viel Leben sich zeigte ; denn die Oberbauräthin hielt mit ihren Söhnen und Töchtern hier ihre Sommerfrische . Barfüßele ging wieder das Dorf hinein und schaute sich nicht um und doch wünschte sie , daß Jemand sie anrufe , damit sie sich zu ihm geselle . Am Ende des Dorfes begegnete ihr ein schmucker Reiter auf einem Schimmel , der das Dorf hereinritt . Er trug eine fremde Bauerntracht und sah stolz drein ; jetzt hielt er an , stemmte die Rechte mit der Reitgerte in die Seite , mit der linken klaschte er den Hals seines Pferdes und sagte : » Guten Morgen , schönes Jungferle ! Schon müde vom Tanz ? « » Das ist leicht gefragt vom Gaul herunter , « lautete die Antwort . Der Reiter ritt davon und Barfüßele saß lange Zeit hinter einer Haselhecke und mußte Allerlei in sich hineindenken und ihre Wangen glühten von einer Röthe , die der Aerger über sich selbst , über die spitze Antwort auf eine harmlose Frage , die Betroffenheit und ein unbegreifliches inneres Wogen anfachte : Was kann der gute Mensch dafür , daß du so verdrießlich bist ? Und gut ist er . Er hat so eine herzliche Stimme gehabt . Und schmuck ist er auch . Aber was geht das Alles mich an ? Ich will von der ganzen Welt nichts mehr , von gar nichts ... So zu Jubel gespannt hatte sie den Tag begonnen und jetzt wünschte sie sich den Tod . » Hier hinter der Hecke einschlafen und nicht mehr sein , o wie herrlich wäre das ! Du sollst keine Freude haben , warum noch so lange herumlaufen ? « Wie zirpen die Heimchen im Grase und ein warmer Dampf steigt auf von der Erde und eine Grasmücke zwitschert immer fort und es ist als ob sie mit ihrer Stimme immer in sich hinein lange und frische noch innigere Töne heraushole und sich gar nicht genug thun könne , das so recht von ganzem Herzen zu sagen was sie zu sagen hat , und droben singen die Lerchen und jeder Vogel singt für sich und Keiner hört auf den Andern und Keiner stimmt dem Andern bei und doch ist Alles ... Noch nie in ihrem Leben war Amrei am hellen Tag und nun gar des Morgens eingeschlafen und jetzt , sie hatte ihr Kopftuch über die Augen gezogen , und jetzt küßte der Sonnenstrahl ihre geschlossenen Lippen , die im Schlafe noch immer wie trotzig gepreßt waren und die Röthe auf ihrem Kinn färbte sich röther . Sie schlief wohl eine Stunde , da wachte sie zuckend plötzlich auf . Der Reiter auf dem Schimmel war auf sie zugeritten und jetzt eben hob das Pferd seine beiden Vorderfüße , um sie auf ihre Brust zu stellen . Es war nur ein Traum gewesen und Amrei schaute sich um , als wäre sie plötzlich vom Himmel gefallen ; sie sah staunend wo sie war , betrachtete verwundert sich selbst ; aber Musikklang aus dem Dorfe weckte schnell Alles und sie ging neu gekräftigt in ' s Dorf zurück , wo bereits Alles noch lebendiger geworden war . Sie spürte es , sie hatte sich ausgeruht von dem Allerlei was heute schon mit ihr vorgegangen war . Jetzt sollten sie nur kommen die Tänzer ! Sie wollte tanzen bis zum andern Morgen und nicht ausruhen und nicht müde werden . Die frische Röthe eines Kinderschlafes lag auf ihrem Angesicht und Alles sah sie staunend an . Sie ging nach dem Tanzboden ; da tönte die Musik , aber in den leeren Raum , es waren keine Tänzer da . Nur die Mädchen , die heute zur Bedienung der Gäste gedungen waren , tanzten miteinander herum . Der Krappenzacher betrachtete Barfüßele lange und schüttelte den Kopf . Er schien sie offenbar nicht zu kennen . Amrei drückte sich an den Wänden hin und wieder hinaus . Sie begegnete Dominik dem Furchenbauer , der heut ' in voller Freude strahlte . » Mit Verlaub , « sagte er , » gehört die Jungfer zu den Hochzeitgästen ? « » Nein , ich bin nur eine Magd , und bin mit meiner Haustochter , des Rodelbauern Rosel gekommen . « » Gut , so geh ' hinauf auf den Hof zur Bäuerin , und sag ' ihr , ich schick ' dich , du wolltest ihr helfen ; man kann heute nicht Hände genug in unserm Hause haben . « » Weil Ihr es seid , recht gern , « sagte Amrei und machte sich