sich von jedem schön tun ließ und sich gar nicht um ihn zu kümmern und ihn durch ihre Munterkeit und ihr helles Lachen , das ihn unsäglich beleidigte , für seine Gleichgültigkeit strafen zu wollen schien . Da das Betragen der beiden allgemein auffiel , deren Vereinigung schon zu so vielem Geschwätz Anlaß gegeben hatte , so mußte er über die Trennung allerlei Bemerkungen und Neckereien hinnehmen , die ihn innerlich wütend machten , und der Abend würde ohne Zweifel , wie so oft auf dem Lande geschieht , mit Raufhändeln geendet haben , wenn die jungen Männer , die ihn um seiner Leutseligkeit willen liebten , sich nicht zu mäßigen gewußt hätten und wenn nicht Christine , die sich ihrer Anziehungskraft vollkommen bewußt zu sein schien , plötzlich vom Tanzboden verschwunden wäre . Als er sie nicht , mehr sah , gab er zwar den Gedanken , ihr nachzugehen , mit stolzer Überwindung auf , aber die Lustbarkeit hatte allen Reiz für ihn verloren , und die eintönige Tanzmusik klang ihm wie ein ewig wiederkehrender Spott . Er blieb noch eine Weile in dumpfem Brüten sitzen , machte einige vergebliche Versuche , mit den Lustigen lustig zu sein , und entfernte sich dann , um einen schweren Kopf und ein noch schwereres Herz zur Ruhe zu legen . Den andern Tag wurde er zum Pfarrer beschieden . Er zerbrach sich vergebens den Kopf , was die Ursache dieser Vorladung sein möge . Der Pfarrer , ein dürres kleines Männlein , kanzelte ihn heftig ab , daß er sich der Kinderlehre entziehe und dadurch so göttliche als fürstliche Gebote übertrete ; bis ins vierundzwanzigste Jahr habe ein lediger Bursche die Kinderlehre zu besuchen , schärfte er ihm ein und eröffnete ihm , es sei vom löblichen Kirchenkonvent beschlossen worden , künftig strenger auf die Befolgung der Vorschrift zu halten und jedes Wegbleiben unnachsichtlich mit einem Sechser » in den Heiligen « , bei längerem verstockten Beharren aber sogar mit Einsperrung ins » Zuchthäuslen « zu bestrafen ; wenn er sich wieder beigehen lasse , die Kinderlehre zu schwänzen , so werde er , der Pfarrer , ihn unfehlbar aufschreiben lassen und bei dem Herrn Amtmann und den Konventsrichtern den Fall zur Anzeige bringen . Damit hatte er seinen Bescheid und durfte gehen . Kaum vermochte er sich zu halten , daß er nicht aufbrauste . Bei seinem Stolz und vollends in seiner jetzigen Stimmung konnte ihm nichts so quer in den Weg kommen , als die Zumutung , in seinem Alter , noch drei Jahre lang , zur Kinderlehre zu gehen und das tonlose Poltern des Pfarrers über die Rechtfertigung durch den Glauben anzuhören , während doch jetzt sein Dichten und Trachten darauf gerichtet war , durch die Liebe von allem . Übel erlöst zu werden . » Das kommt mir geschlichen ! « sagte er zu sich , im Pfarrhofe noch einmal grimmig nach dem Fenster emporblickend , wo ihm gepredigt worden war . » Ebensogut hätt man mir die Rute andiktieren können , wenn ich noch ein Kind sein soll . Nun , ich geh eben nicht hin und zahl jedesmal die Straf . Freilich wird sich ' s damit auf die Länge nicht abtun lassen : wenn er einen verstockten Sünder in mir erkennt , so gibt ' s wieder eine Predigt , und zwar vorm Konvent , und dann legt sich auch der Amtmann drein . Man ist doch wie in einem Netz , aus dem man nicht herauskommt . Am besten wär ' s eben , ich kam schnell unter den Pantoffel ; wenn ' s mit dem dummen Ledigsein aus ist , so hat das Kinderlehrgeläuf von selbst ein End . « Hiermit war er in der Reihenfolge seiner Gedanken auf einen Gegenstand geraten , der ihm , so wie die Sachen zwischen ihm und Christinen standen , wenig Trost einflößen konnte . 7 Friedrich hatte traurige Feiertage , obgleich es ihm äußerlich gar nicht übel ging . Sein Vater bedachte ihn am Weihnachtsabend mit einem stattlichen Geldgeschenk , zum sichern Zeichen , daß alles wieder im alten Geleise sei . Er war nie so reich gewesen , aber gerade dies machte ihn unglücklich , denn das Geld erinnerte ihn nur daran , daß er es jetzt nicht mehr zu dem Zwecke brauchen konnte , zu welchem allein es ihm früher erwünscht gewesen wäre , nämlich Christinen seine Liebe durch Geschenke zu beweisen . Er würde sich wohl schnell über die Gesinnung des Mädchens beruhigt haben , wenn er ein Gespräch angehört hätte , das eines Abends zwischen ihr und ihrer Mutter stattfand , während er eben auf dem Wege von Hohenstaufen her , wohin sein Vater ihn geschickt hatte , auf das Haus zugeschritten kam . » Jetzt hab ich aber die stillen Seufzer überlei « , sagte die Mutter . » Du bist selber schuldig , greifst dein Sach ganz verkehrt an . « » Mutter , habt Ihr nicht gesagt - ? « » Weiß wohl , was du meinst , aber man muß alles mit einer Art tun , nicht oben ' naus und nirgends ' nein . Wenn eine arm ist , wie du , so soll sie nicht die hochmütig Jungfer machen , sondern die kluge im Evangelium , die ihre Lampe mit Öl füllt und dem Bräutigam entgegengeht . Sie muß sich ' runtergeben können und muß sich etwas gefallen lassen , aber freilich mit Maß . Zu lützel und zu viel verderbt allzeit das Spiel . Narr , ich hab deinen Vater am Schnürle geführt , er hat mir nicht weiter gucken dürfen , als ich ihm verstattet hab . Aber du bist eben so ein Zimpferle , weißt dich nicht umzutun , meinst , die gebratenen Tauben müssen dir ins Maul fliegen . « » Was soll ich denn tun ? « fragte Christine . » Tu , was du willst « , sagte die Mutter zornig , » steck mein ' twegen der Katz