! - Ist der Fürst jetzt allein ? « » Er war es , Mütterchen , aber - - « » Was ? « » Ich sollte sagen , er schlafe noch , wenn Du nach ihm fragst , und dann , er sei ausgegangen . « » Hat er Dir sonst einen Befehl gegeben ? « » Ja , Mütterchen . Der Herr erwartet Besuch , und ich soll ihn sogleich in das Zimmer führen , wo die vielen Bücher stehen . « Die Fürstin erhob sich . » Geh ' auf Deinen Posten , Wassili , und achte sorgfältig auf Alles , was geschieht und wer aus- und eingeht bei meinem Bruder . Ich lade die Schuld auf Dein Haupt , wenn das Geringste vorgeht , das ich nicht sofort erfahre . « Sie warf einen leichten Mantel um die Schultern , während Wassili , von der Schwester zur Thür gewinkt , mit dem demüthigen , aber in seiner Einfachheit schönen Gruß der niederen Russen verschwand . Dann verließ sie durch eine andere Thür das Zimmer . Die Fürstin nahm ihren Weg zu den Gemächern ihres Bruders , die , durch den gemeinschaftlichen Salon und die Nebenzimmer von den ihren getrennt , nach dem Garten hinauslagen . Eine kleine Tapetenthür , welche direkt in das Toilettzimmer des Fürsten führte und zur Unterhaltung des unbelästigten Verkehrs zwischen Bruder und Schwester bisher gedient hatte , fand Iwanowna jetzt von Innen verschlossen . Im Begriff , auf einem anderen Wege durch das eben von Wassili bezeichnete Zimmer zu gehen , hörte sie fremde Stimmen von Außen und sprang rasch hinter die Portiere eines angrenzenden Kabinets , deren Schnuren sie löste . Die Falten bewegten sich noch , als Wassili mit einem Herrn eintrat . Die Fürstin erkannte durch die Oeffnung des Vorhanges den Marquis de Sazé , was ihre Befürchtungen bestätigte und sie ihren Platz behaupten ließ . Wassili ging , den Besuch zu melden , und augenblicklich erschien der Fürst und nöthigte seinen Gast , Platz zu nehmen . Er sah überwacht und blaß aus , beherrschte aber vollkommen seine Mienen . » Sie werden errathen , Durchlaucht , « eröffnete der Marquis die Unterhaltung , sobald der Diener sich entfernt hatte , » in welcher unangenehmen Angelegenheit ich Ihnen so zeitig meinen Besuch aufdränge . Diese Zeilen des Herrn Capitain de Méricourt ertheilen mir unbeschränkte Vollmacht . « Der Fürst lehnte mit einer Handbewegung höflich die Durchsicht ab und verbeugte sich zustimmend . » Ich muß Ihnen gestehen , Fürst , « fuhr de Sazé fort , » ich begreife eigentlich das Vorgefallene nicht , und mein Freund , der Vicomte , eben so wenig . Wollen Sie sich herablassen , uns einige Erläuterungen zu geben , so wird sich das Mißverständniß gewiß aufklären , und Sie werden als Mann von Ehre nicht anstehen , meinem Freunde in Gegenwart eines der Zeugen der Beleidigung Ihre Entschuldigung zu machen . « » Ich bedaure , Herr von Sazé , « sagte der Fürst . Doch der Andere unterbrach ihn : » Einen Augenblick noch , Durchlaucht , ehe Sie Ihre unwiderrufliche Meinung aussprechen . Sie wissen , daß es nicht Sitte der Franzosen ist , in einem Ehrenstreit die Hand zu bieten , und namentlich eine solche Beleidigung , wie dem Capitain widerfahren , anders als durch Blut zu sühnen . Ich bitte , würdigen Sie also das wackere Benehmen Ihres Gegners , der in Berücksichtigung der bisherigen Verhältnisse mit jeder billigen Erklärung zufrieden sein will . « Der Fürst entgegnete steif und frostig : » Obschon noch sehr jung , mein Herr , bin ich doch vollständig mit den Gesetzen eines Edelmannes vertraut und würde gerade in Berücksichtigung der Verhältnisse dem Herrn Vicomte nicht zumuthen , mit einer Entschuldigung zufrieden zu sein , die ich ohnehin nicht zu machen gesonnen bin . Darf ich Sie um Ihre weiteren Aufträge bemühen ? « » Ich habe die Ehre , Ihnen die Forderung des Capitains de Méricourt zu überbringen . « » Ich bin zum ersten Male in Paris und mit Ihren Gewohnheiten daher noch einigermaßen unbekannt . So viel ich weiß , pflegt man dergleichen Angelegenheiten rasch abzumachen ? « » Gewöhnlich ehe die nächste Sonne untergeht ; sollten Sie jedoch Zeit wünschen ... « Der junge Mann richtete sich steif empor . » Ich bitte , Herr Marquis ! « » Also heute , eine Stunde vor Sonnenuntergang . Ihre Waffen ? « » Natürlich Pistolen , ich verstehe mich nur wenig auf Ihre Degen . « » Ich werde die Ehre haben , mit Ihrem Secundanten das Weitere zu ordnen . Wollen Sie mir Ihre Befehle deshalb ertheilen ? « » Sie sind sehr freundlich , Herr Marquis . Graf Wassilkowitsch hat in Erwartung eines solchen Besuchs meine Vertretung bereits übernommen und wird die Ehre haben , Sie in seiner Wohnung zu empfangen . « » So bleibt mir nur noch , mich Ihnen zu empfehlen , Durchlaucht . Leben Sie wohl ; ich bedaure , diesmal sagen zu müssen , à revoir ! « Der Fürst zwang sich , zu lachen . » Unter Freunden , Marquis , sollte man sich dergleichen Bedauern eigentlich übel nehmen . Wollen Sie nicht eine Cigarre ? - Sie wissen , ich führe echte Manilla . « Der Marquis nahm die gebotene Cigarre und steckte sie in Brand , Fürst Iwan folgte seinem Beispiele und geleitete ihn nach einigen gleichgültig geplauderten Worten bis in ' s Vorzimmer . Als er hierauf rasch in sein Kabinet zurückgekehrt war und Wassili ihm wenige Augenblicke nachher folgen wollte , fand er in der Mitte des Zimmers die Fürstin , bleich , die Hand auf das klopfende Herz gedrückt . Sie hob den Finger drohend in die Höhe . » Bei Deinem Leben , Wassili , keinen Laut , daß Du mich hier gesehen ! « Damit verschwand sie . Capitain Méricourt bewohnte den Garten-Pavillon hinter dem Hause seines Schwagers in der Rue Avenue de