beunruhigt Sie so heftig ? - - Sie haben also noch nichts gehört ? - - Wovon soll ich gehört haben ? - - Von der Sturmpetition , die heute Abend unter den Zelten berathen und morgen durch eine großartige Demonstration vor dem Schlosse ausgeführt werden soll ? - Und das beunruhigt Sie ? - fragte mit ironischem Mitleid Alice , deren Augen bei dieser Nachricht einen eigenthümlichen Glanz annahmen . - Sie Aermster ! - - Spotten Sie immerhin . Ich sage Ihnen , es wird nicht gut ablaufen . Die Polizei hat bereits Notiz davon bekommen und ihre Maßregeln getroffen . Ich bin draußen gewesen in der Gesellschaft , weil ich vermuthete , daß sie berathen würde . Ich täuschte mich nicht , sie waren Alle beisammen , nur Ralph fehlte . - Gilbert warf , indem er diesen Namen aussprach , einen Blick auf Alicen , der eine Verläumdung gegen den Bruder Annas enthielt . Diese schien ihn nicht verstehen zu wollen . - Gut , daß Sie mich daran erinnern - sagte sie kalt . - Ralph ist im Gefängniß und durch Ihre Schuld . Gilbert erbleichte . - Durch meine Schuld ? fragte er mit unsicherem Tone . In diesem Augenblick bemerkte er Anna , die bei seinem Eintritt sich zurückgezogen hatte . - Ja , Sie sind , wenn auch nicht gerade schuld , so doch Ursache davon . - Hier ist Ralphs Schwester . Sie wird Ihnen das Nähere mittheilen . Eilen Sie , die armen Kinder aus ihrer Angst um Vater und Bruder zu befreien . An der Bereitwilligkeit , mit der Sie meinen Wunsch erfüllen , werde ich sehen , ob Sie an diesem Irrthum keine wissentliche Schuld haben . - Dann wandte sie sich zu Anna : Begleite den Herrn , liebes Kind , und gieb dieses Papier in die Hand deines Bruders . - Verwahre es sorgfältig ; nachher wirst Du mir Alles erzählen . Gilbert und Anna verließen die Wohnung . Alice eilte mit einer schnellen Bewegung ins Nebenzimmer , aus dem sie nach wenigen Minuten als junger Mann heraustrat . Salvador , der Alicen noch nie in Männerkleidung gesehen , riß vor Ueberraschung eine Seite auf seiner Mandoline entzwei und starrte mit offnem Munde auf die plötzliche Erscheinung , bis die Stimme Alicens , die ihm eine Kutsche zu rufen befahl , ihn seines Irrthums überführte . Hotel des Prinzen A .... , rief sie dem Kutscher zu , welcher ihr die Fahrmarke in den Wagen reichte . - Nach einer kurzen Fahrt war sie am Hotel angelangt , und von dem vertrautesten Kammerdiener des Prinzen in einen Gartenpavillon geführt . Hunderterlei blühende exotische Gewächse füllten das phantastisch geschmückte Zimmer , mit einem fast betäubenden narkotischen Wohlgeruch an . Der Prinz in einem orientalischen Kostüm , das ihm als Negligee diente , war in halbliegender Stellung auf einer Ottomane hingestreckt und über ihn hin breiteten mächtige Faisenpalmen ihre eleganten , fußbreiten Blätter aus . Der vor ihm stehende milchweiße Marmortisch war mit einer Menge Zeitungen und Journale bedeckt . Beim Eintritt Alicens erhob sich der Prinz und führte sie schweigend zur Ottomane . Alice warf einen Blick auf den Zaubergarten , der sie umgab und seufzte . Es war nicht das erste Mal , daß sie als Knabe verkleidet hier eingetreten und vom Prinzen in derselben Weise , wie heute , empfangen wurde . Aber jene Zeit gehörte der Vergangenheit an . - - Was bringen Sie mir , Alice ? - fragte der Prinz nach einer Pause . - Ich wünschte , das Ihnen bringen zu können , was ich bei Ihnen zu suchen gekommen - Trost in Verzweiflung . Jetzt war die Reihe zu seufzen am Prinzen . Doch sagte er lächelnd : worüber oder woran könnten Sie verzweifeln , meine Freundin ? Oder ists ein Dritter , für den Sie Trost bei mir suchen ? Alice erzählte die Gefangenschaft Ralphs und bat den Prinzen um Verwendung für den Unglücklichen bei dem Polizeipräsidenten v. M. Ich glaube nicht - fuhr sie fort - daß auf den bloßen Verdacht hin , das Goldstück könne auf unrechtmäßige Weise in die Hände der Familie gekommen sein , so streng gegen den alten Naumann und seinen Sohn verfahren worden wäre , wenn man nicht andere , tiefer liegende Gründe zu haben vermeinte . Uebrigens habe ich zur Aufklärung derselben sogleich den Chevalier St. Just zum Herrn von M. geschickt , da von ihm das Goldstück herrührt . - Glauben Sie mir , Alice , erwiederte der Prinz , dieser St. Just wird unser Aller böser Dämon . - Hüten Sie sich vor ihm ! - Sie lächeln ? Meinen Sie vielleicht , daß mein Haß gegen ihn mich verblendet ? Und nun schicken Sie ihn vollends zum Polizeipräsidenten . Fürwahr , ich fange an , Ihre sonst so bewährte Klugheit in Zweifel zu ziehen . Wissen Sie denn nicht , daß Herr v. M. es war , der mir gestern mit Rücksicht auf St. Just jene Warnung für Sie zukommen ließ , die ich selbst nicht einmal verstand ? Alice erbebte . Sie schien mit sich über einen Entschluß zu kämpfen . Vom Divan aufspringend , schritt sie hastig zwischen den Gewächsen auf und ab . Endlich blieb sie vor dem Prinzen stehen . Ihr Anblick war völlig verändert . Ihr dunkles Auge strahlte wunderbar , ihr lockiges Haupt war hoch aufgerichtet . Wir müssen uns Gewißheit verschaffen , Prinz . Dies aber ist nur möglich , wenn wir gemeinsam handeln . Dann aber Vertrauen um Vertrauen . - Schlagen Sie ein . - Sie streckte ihm die Hand entgegen . - Ich sehe noch nicht , was uns selbst die Gewißheit von seiner Verrätherei nützen kann - sagte ungläubig der Prinz ; doch legte er seine Hand in die dargebotene Alicens und zog sie zärtlich an seine Lippen . - Sie , wie ich , werden dieselbe Frucht pflücken - erwiederte Alice , einen köstlichen Granatapfelbaum eines seiner