d ' Angleterre und bestelle das Zimmer Nr. 19. , oder wenn das besetzt sein sollte , Nr. 20. für mich « - befahl er . » Wenn es geschehen , so benachrichtige mich davon . « Nach diesen Worten sprang er schnell die Treppe hinauf . Fräulein Cornelia von Hohenhausen empfing ihn im höchsten Staate und mit aufrichtiger Freude , da sie in einen Gedanken alle die Verwicklungen und Verwirrungen zusammenfaßte , welche das Erscheinen des Barons hervorbringen konnten . » Ich habe eben eine heftige Philippika gegen Sie gehalten , mein Verehrtester . Sie werden sich über die verlegenen und erstaunten Visagen wundern , die Ihnen sogleich entgegen treten werden . « Sie wandte sich an die Gesellschaft . » Erlauben Sie , daß ich Ihnen einen meiner ältesten und vertrautesten Freunde vorstelle . Es ist der Baron von Landsfeld . « In der That malte sich ein allgemeines Erstaunen in den Gesichtern . » Wie falsch ! « - » Diese Heuchelei übersteigt allen Glauben . « So flüsterte man einander zu , denn bei einem Gespräch , dessen Gegenstand Landsfeld gewesen war , hatte Niemand mehr Böses von ihm zu sagen gewußt , als gerade Cornelia . Der sogenannte Salon , in den Landsfeld hiermit wieder eingeführt war , bestand aus zwei aneinanderstoßenden elegant möblirten Zimmern , von denen das erstere größere durch ein Paar schöne Astrallampen sehr hell erleuchtet war , während das zweite vermittelst einer rothen Ampel in ein magisches Halbdunkel versetzt wurde . In Beiden hatten lebhafte Conversationen stattgefunden , die durch das Erscheinen des Barons ein paar Minuten unterbrochen , aber nicht gestört wurden . Landsfeld warf einen raschen Blick über die Gesellschaft und wandte sich dann an eine Gruppe , aus jüngeren und älteren Männern bestehend , die sich um den Ofen postirt hatten . » Und worin finden Sie die Unsittlichkeit , ich bitte Sie ? Etwa darin , daß sie die Ehe nur als etwas Aeußerliches betrachtet , da sie einmal officiell dazu gezwungen ist ? « - sagte ein Mann von etwa 35 Jahren mit interessanten , aber verlebten Zügen . » Gewiß « - antwortete sein Gegner , in dem Landsfeld seinen Freund Schattenfrey erkannte . » Ist nicht ein solches Verhältniß , bei dem der Mann nur eine Nebenrolle spielen darf , ein durchaus widerwärtiges und unästhetisches . Eben weil es unästhetisch ist , finde ich es unsittlich . Denn die Sittlichkeit des Weibes liegt mit in seiner Grazie . Verletzt es diese , so hilft ihm alle Keuschheit Nichts , bewahrt es sie , so kann es sich gar Manches erlauben , was man ihm fast mißdeuten würde . « » Unter der Bedingung , daß sie nach ihrem Instinkt handelt und in ihrer Empfindung Wahrheit ist « - fügte Landsfeld hinzu . » So wäre Ihr Ideal etwa eine Isabella oder Lola ? « - fragte Jener . » Ob das mein Ideal wäre , ist gleichgültig « - sagte Landsfeld kalt . » Aber für sittlicher , als manche andere , über sie die Nase rümpfende , halte ich die Beiden allerdings . Ich möchte noch mehr behaupten « - fuhr er , seine Stimme erhebend , fort . - Denn er hatte in einer Fensternische des halb dunklen Nebenzimmers zwei Gestalten bemerkt , deren eine er als Cornelia erkannte , während die andere große Aehnlichkeit mit Berger zu haben schien . » Alle Gegensätze sind reiner und tadelloser , als die sogenannten Mittelstraßen , mit denen sich nur die Dummen oder die Heuchler begnügen können . So ist ' s beim Mann , so beim Weibe . Sich von solcher Halbheit zu emanzipiren , gleichviel in welches Extrem man dabei geht , darin besteht die wahre Emanzipation . Vergleichen wir zum Beispiel einen durchaus ehrenfesten Mann , der in seiner Ehrenhaftigkeit ehrlich und vor allen Dingen konsequent ist , mit seinem Gegensatz , einem Menschen , der die Ehre für ein bloßes Vorurtheil hält und nun aus Prinzip in seiner Unehrenhaftigkeit eben so ehrlich und konsequent ist , wie Jener in seiner Ehrenhaftigkeit , so sagt mir das Letztere doch nimmer noch mehr zu , als ein Mensch , der zur konsequenten Ehrlichkeit sowohl , so wie zur konsequenten Unehrlichkeit zu feig ist . Nichts ist erbärmlicher , als ein Mann , der von Gewissensbissen geplagt wird . Was sagen Sie dazu , Cornelia ? « - Die Letztere war eben , durch den lauten Ton Landsfelds aufmerksam gemacht , aus der Fensternische , in der sie mit Berger gestanden , hervorgetreten . » Sie wissen , theurer Freund , daß wir in allen Dingen sympathisiren . « - Sie lachte . Landsfeld ebenfalls und fuhr fort : » In der weiblichen Natur findet dasselbe Verhältniß statt . « » Wollen Sie dies Verhältniß nicht durchführen ? « - bemerkte die Sängerin G----z , eine feine Kokette , welche sehr glänzendes schwarzes Haar , sehr glänzende Augen , sehr schwellende Lippen und einen sehr schönen Wuchs hatte . » Von Herzen gern . Nur müssen Sie mir eine böse Angewohnheit zu gute halten , die nämlich , daß ich zuweilen stark individualisire . « » So wird Ihre Vergleichung desto pikanter werden « - erwiederte sie muthig . Landsfeld lächelte . » Es giebt manche Frauen , bei deren erstem Anblick man bewundernd ausruft : Es giebt nichts Schöneres , nichts Verführerisches . Aber eine Schönheit , die verführt , ist keine reine , ist eine Unnatur . Es liegt allerdings etwas Dämonisches , darum Unwiderstehliches in diesem prunklosen Glanz , in dieser flammenden , eleganten Einfachheit , in dieser frivolen Bescheidenheit und raffinirten Unschuld . Eine simple jugendliche Landdirne , deren Herz jungfräulich ist , und deren Gedanken keusch sind - und eine Priesterin der modernen Mylitta mit unverhülltem Busen und kurzem Rock - . Das sind Extreme , es ist wahr ; aber jede zeigt wenigstens , was sie ist , sie verheimlichen nichts , die Eine , weil sie