Schmerzliche , das ihn noch von einer Verbindung mit Therese trennte , allein durchkämpfen , und sie dann erst um ihre Hand angehen , wenn er sie in Ruhe und Frieden zu der Seinen machen konnte . Dann wieder schweifte sein Geist plötzlich zu den Arbeiten zurück , die er in der letzten Zeit begonnen und die er Therese noch nicht vorgelegt hatte . Mit Freude dachte er daran , wie sie hier und dort den Anklang ihrer beiderseitigen Unterredungen , den Widerschein ihres eignen Wesens wieder finden würde . Er ahnte , was ihren Beifall haben , was gegen ihre Ansicht sein könne , und immer lieblicher malte er sich die Zukunft an ihrer Seite aus . So verging ihm der Abend schnell und die Stunden der Nacht . Am Morgen , als er halten ließ , um sein Frühstück einzunehmen , fand er in dem Gasthofe einen Bekannten , dessen Besitzungen an die seinigen grenzten . Nun ? kommen Sie endlich doch hinaus ? rief der Nachbar ihm entgegen , sobald er ihn erblickte ; Sie sind lange ausgeblieben ! Ja ! die Residenz läßt Einen nicht leicht los . Aber es ist Zeit , daß Sie zusehen ! Die Hälfte der Kartoffeln stecken bei Ihnen noch in der Erde , das sah ich im Vorüberfahren . Ich weiß es , sagte Reichenbach . Mein Inspector schrieb mir , daß er sie noch in der Erde lasse , es ist nur ein ganz kleiner Theil . Ich will sie versuchsweise wie am Rheine zusammenstampfen lassen , und dafür mußten erst Keller zugerichtet werden . Mit verdoppelten Arbeitern und gutem Lohn ist der Zeitverlust bald eingebracht . Will wünschen , daß Sie gut Wetter behalten . Bei mir ist Alles unter Dach , haben heute schon den ersten November . Sie bleiben doch nun wieder zu Hause ? Ich finde Sie bei meiner Rückkehr ? fragte der Gutsbesitzer . Es kommt darauf an , wie lange Sie in Berlin verweilen , denn ich denke wieder dahin zurückzukehren . Oho ! rief der Andere , also spukt wieder einmal der Poet in Ihnen und läßt dem Landwirth keine Ruhe . Nun , Ihre Frau wird ' s sich gefallen lassen . Sie haben die letzten Jahre in der That wie Einsiedler gelebt ; hat Niemand etwas von Ihrer Gesellschaft gehabt , außer den Kaplänen von Maria-Gnad . Der Kaplan Ruhberg ist ja seit einigen Wochen auch wieder bei Ihnen zur Milchkur . Er sprach bei mir vor , ehe er zu Ihnen ging . Frommer , charmanter Herr ! - Pferde fertig ? abgefüttert ? fragte er dann den eintretenden Kutscher und nahm mit derbem Händedruck und dem Wunsche , ihn bald wiederzusehen , von Alfred Abschied , als man ihm sagte , daß sein Wagen ihn erwarte . Auf Alfred hatte die kurze Unterhaltung aber einen peinlichen Eindruck gemacht . Sie hatte ihn aus den heitern Entwürfen für seine Zukunft plötzlich in die Gegenwart zurückgerufen , in der noch so viel Hindernisse vor ihm lagen , noch so viel Wirren zu lösen waren . Seine Gedanken wendeten sich der Heimat mit immer größerer Sorge zu , je näher er ihr kam . Endlich erreichte er die Grenze seines Besitzes . Da fand sich bald hier , bald dort eine Vernachlässigung zu rügen ; Anordnungen , die er vor seiner Abreise getroffen und deren schnellste Ausführung er befohlen hatte , waren nicht befolgt worden ; er sah , daß er seinen Inspektor für zuverlässiger gehalten hatte , als er sich erwies . Mit wachsender Verstimmung fuhr er durch seinen reichen Besitz . Erst als er sein Schloß erblickte , wich sie dem Gedanken an den Sohn . Es that ihm leid , daß er seine bevorstehende Ankunft nicht gemeldet , daß er nicht den Befehl gegeben hatte , ihm Felix entgegenzuschicken ; aber seine Abreise war so schnell gekommen , daß es nicht thunlich gewesen war . Vor dem großen Rasenplatz angelangt , der sich an der einen Seite des Schlosses befand , hoffte er mit Sicherheit seinen Sohn zu erblicken , der dort in den Morgenstunden seine Spiele zu treiben pflegte . Er war aber nicht da und das beunruhigte seinen Vater . Caroline hatte in ihrem letzten Briefe des Knaben nicht gedacht , Felix nicht , wie er pflegte , ein Blättchen für den Vater beigelegt . Er fürchtete also den Knaben krank zu finden und , als er das Schloß erreicht hatte , als die Dienerschaft herbeikam , ihn zu empfangen , war seine erste Frage nach dem Sohne . Die gnädige Frau ist mit dem Herrn Kaplan zur Kirche nach Maria-Gnad gefahren und hat den jungen Herrn mitgenommen , gab man ihm zur Antwort . Das beruhigte den Vater , aber sich besinnend fragte er : In die Kirche ? heute ? Gnädiger Herr ! es ist Allerheiligen ! sagte der eine Diener . Ja so ! nun gut ! Lassen Sie abpacken ! Mit den Worten stieg Alfred die Treppe hinauf und wollte sich in sein Zimmer verfügen . Sein Diener aber bemerkte , da man des gnädigen Herrn Eintreffen nicht erwartet hätte , wären seine Zimmer nicht geheizt . So sehen Sie zu , daß es gleich geschieht , befahl Alfred und trat inzwischen in das Wohnzimmer ein . Ungeduldig ging er umher und blieb dann an dem Fenster sitzen , um die Rückkehr der Seinen zu erwarten . Die Zeit schien ihm still zu stehen , jede Minute brachte ihm ein neues peinliches Gefühl . Die Diener , von der unklugen Gebieterin in die Geheimnisse der Eheleute zum Theile eingeweiht , schlichen scheu und ängstlich umher . Alles kam ihm fremd vor und doch war er in der Heimat . Die Stille , die Einsamkeit wurden ihm unerträglich : er verlangte den Sohn zu umarmen und bangte bei dem Gedanken , daß die Mutter mit demselben zugleich erscheinen werde . Er überlegte , was er ihr sagen , wie er es ihr sagen