, von des Geliebten Munde das Geständniß seiner Liebe zu hören und ihm zu sagen , wie er ihre Welt , ihr Schicksal , ihr Alles gewesen sei von ihrer Jugend an . Nun kam das niederschmetternde Bewußtsein über sie , daß diese erste Stunde des Glückes auch sicher die einzige und letzte für sie sein werde und müsse . Aber das Verlangen ihres Herzens war befriedigt , ihre lang verschwiegene heiße Liebe war , wenn auch nur für einen Augenblick , frei und schön zur hellen Flamme emporgelodert ; der tief verborgene Keim war zum Lichte durchgedrungen und hatte geblüht , zur Freude des Geliebten . Das konnte , das mußte ihr genügen , jetzt und immerdar . Verlasse mich , gehe ! bat sie plötzlich und schlang doch ihre Arme fesselnd um seinen Hals . Es ist vorbei , vorbei für immer ! Er verstand sie nicht . Ich soll Dich lassen ? und in dieser Stunde ? fragte er . Kann es denn anders sein ? klagte sie . Du selbst hast mit dem Namen meines Gatten mich an ihn erinnert , den ich so treulos verrathe , der es nicht ahnt , in liebendem Vertrauen , daß sein Weib Dich liebt und ihn und sich selbst in Deinen Armen , an Deinem Herzen beweint . Gehe , gehe , Geliebter , wenn Du mich liebst ! rief sie noch einmal und ihre glühenden Thränen flossen auf seine Brust . Nein ! ich gehe nicht ! versetzte er . Liebst Du mich denn nicht ? Mußt Du nicht mein sein , weil Du mir gestanden , daß Du nur mich allein geliebt ? Ich will nicht mehr leben ohne Dich , ich will es nicht , Du sollst nicht hinsterben in fruchtlosen Kämpfen . Leben sollst Du für mich , für mich allein . Denkst Du wohl jenes Abends , als Dein müdes Haupt in den Blättern der Cala sich barg , wie hart ich war , wie ungerecht der Zweifel an Dir mich damals machte ? Jetzt , da ich Deiner sicher bin , jetzt , da ich Meining und den Adel seines Sinnes kenne - Nicht weiter , ich beschwöre Dich , flehte Clementine , Meining liebt mich , ich weiß es und ich kenne seine Großmuth - aber dringe nicht in mich , jetzt nicht . Verlasse mich nur jetzt , nur heute , morgen hörst Du von mir - gewiß , nur jetzt laß mich allein . Ich höre von Dir ? und werde ich Dich nicht sehen ? Kannst Du Dich mir nach so langem Entbehren , nach so kurzem Glücke so schnell entziehen ? Glaubst Du , daß ich einwilligen werde , mir auch nur einen Augenblick die Wonne Deiner Gegenwart rauben zu lassen , jetzt da Du wieder mein bist ? Nein , morgen in aller Frühe bin ich wieder hier , morgen und alle Tage will ich ' s in Deinen Augen lesen und an Deinem Herzen empfinden , daß die Welt die Mühe des Lebens vergelten , überreich vergelten kann , in einem Herzschlag . Nur in der Hoffnung gehe ich . Und so gute Nacht , mein schönes , holdes Glück . Denke auch im Traume an mich - ist es mir doch selber wie ein schöner Traum , daß ich Dich wieder gefunden habe , daß Du mir wieder leuchtest , Du lieber Stern aus meiner Jugendzeit ; nun gehe mir niemals , niemals wieder unter . Und nun lebe wohl und ruhe sanft , Du holdes , süßes Weib ! Noch einmal sanken sie einander in die Arme , noch einmal hob er die Geliebte zu sich empor , und ruhten Herz an Herz und Mund an Mund . Noch ein langer Kuß , in den sie alle Gluth , alle Liebe ihres Lebens preßte , noch ein kurzer Augenblick voll Wonne , und Clementine war allein - allein mit der Ueberzeugung , auf dem Gipfel ihres Lebens gestanden zu haben , entschlossen , den Weg , der ihr zu machen blieb , unerschütterlich fest fortzuwandeln , reich durch das Andenken an diese Eine nun entschwundene Stunde . Schlaflos verging ihr die Nacht , sie rang vergebens nach einem Entschlusse . Bald hielt sie es für nöthig , ihrem Manne Alles zu bekennen , seine Vergebung zu erflehen und ihr Schicksal in seine Hände zu legen , dann wieder schien es ihr eine heilige Pflicht , ihm Alles zu verschweigen wie bisher . Robert baute seine Hoffnungen auf ihre Trennung von ihrem Manne , und wider ihren Willen sah sie sich in Hochberg neben und mit ihm wirken . Sie empfing ihn , wenn er Abends zurückkehrte , sie theilte seine Leiden , seine Freuden , sie sah ihn glücklich an ihrer Seite , sich selber glücklich neben ihm - aber konnte sie jemals glücklich werden ? Konnte sie sich losreißen von dem Manne , von dessen Leben sie seit Jahren ein Theil gewesen war ? Er war ihr Gatte , hatte ihr in all den Zeiten , die sie mit einander verlebt , mit sorglicher Liebe angehangen ; sie war seine Freude , sein Glück , er hatte sie geehrt mit vollem Vertrauen ! Sollte er sie verachten müssen ? Sollte er einsam und allein in seinem Alter bleiben , weil sie mit kalter Selbstsucht auf den Trümmern seines Glückes ihr Haus gebaut ? Es war eine lange dunkle Nacht , die sie durchwachte , aber der Tag brach endlich an , und mit ihm traten die Vernunft und das Gefühl der Pflicht , die Herrschaft über die zügellosen Schöpfungen der Phantasie und des Herzens wieder an . Als sie sich am Morgen von dem Lager erhob , war sie mit sich einig . Der frühe Morgen brachte ihr von dem Geliebten Kunde . Ich kann die Zeit nicht erwarten , Du Theure , schrieb er ihr , in der ich Dich wiedersehen darf , ich muß Dein denken , mit Dir sprechen ,