Himmel und Erde eins zu sein . Änneli wußte es nicht bis jetzt , daß wenn der Himmel sich hinuntergelassen hat über unser Gemüt , wenn er inwendig in uns ist , unser Fuß jeden Ort , den er betritt , zum Himmel heiliget . Gekräftigt , wie neu geboren , stieg sie zum Hause hinab . Freundlich bewillkommen sie Tauben und Hühner , folgen ihren Schritten bis zur Küchentüre , harren dort , bis sie ihnen Futter bringt und fröhlich zusieht , wie sie lustig und friedlich darum sich zanken . Da kömmt auch der Hund hervor , wedelt durch Tauben und Hühner , ohne sie zu stören , und legt sein Haupt in Ännelis Schoß und läßt sich nicht stören wenn die Katze , welche bereits auf demselben Platz genommen , ihn mit der Tatze trifft , denn sie hatte die Krallen eingezogen und neckte sich gerne mit dem alten Kameraden . An dieser Einigkeit und Traulichkeit hatte Änneli große Freude , und sie streichelte abwechselnd bald Hund und Katze , aber sie ging ihr auch zu Herzen und trieb ihr das Wasser wiederum in die Augen . Wenn Hund und Katze sogar wegen alter Bekanntschaft einig und im Frieden mit einander leben , wie können dann Mann und Frau , die Gott für einander geschaffen hat , sich plagen und quälen und immer größere Feinde werden , je langer sie bei einander sind ! So sah sie dem Spiele zu , bis , wie abends zum Walde Die Vögel wiederkehren und zum Schlage die Tauben , ein Bewohner ihres Hauses nach dem andern heimkam , ein jeglicher auf seine Weise . Die , welche noch ein Tagwerk hatten , eilig und schlitzend , andere , welche nur noch essen und dann schlafen wollten , behaglich und langsam . Die Jungfrauen kamen eilig dahergeschossen , rupften aber doch aus dem Zaun allerlei Blümchen und Blättchen ab und ergriffen diese Gelegenheit , um verstohlen zurückzusehen , ob Keiner ihnen folge von weitem , in welchem Falle sie wohl noch gezögert hätten , ein Strumpfband gebunden oder sonst etwas , bis sie vernommen , ob derselbe ihnen vielleicht noch etwas zu sagen hätte . Resli kam wehmütig vom Walde her , Christen lustiger von Seite des Dorfes , Annelisi zur hinteren Türe herein , man wußte nicht woher . Noch war Christen nicht da , mit Angst schaute Änneli nach ihm aus . Endlich kam er langsam , zögernd und fast wie ein Schiff dem Hafen zu , dem vom Lande her der Wind entgegenweht . Es klopfte doch Änneli das Herz , als sie ihn so kommen sah mit dem sauren Gesicht und dem zögernden Schritt , denn was ihm im Herzen sich regte , das wußte sie nicht . Es wollte ihr der Mut und die Zuversicht fliehen , und sie mußte ins Haus hinein und konnte kein freundlich Wort zum Willkommen ihm sagen , wie sie gewillet war . Das tat Christen weh , als er Änneli bei seinem Kommen ins Haus gehen sah . Kann sie mir dann nicht einmal mehr freundlich guten Abend sagen und selbst an einem heiligen Sonntag das Dubeln nicht lassen , dachte er , und fast wäre er umgekehrt . Nun machte er aber ein desto saurer Gesicht und mochte fast nicht einmal dem Annelisi guten Abend sagen , das an ihn heranschlich wie in heimlichem Verständnis oder als wenn es ihm etwas anzuvertrauen hätte . Da aber der Vater tat , als merkte er sie nicht , gab sie dem Hund , der an ihr sich streichen wollte , einen Stoß und ging in den Garten zu ihren Blumen . Unterdessen hatte Änneli den Kaffee gemacht , die Erdäpfelröste dazu , alles stand auf dem Tische bis an die Kaffeekanne , die stand auf dem Tritte des Kunstofens , und langsam drehten die Leute zum Essen sich herbei . Änneli nahm sich zusammen , festigte ihre gläubige Demut wieder , tat freundlicher als sonst und hatte für jeden ein gutes Wort . Was sie lange nicht getan , tat sie wieder , sie schenkte selbst den Kaffee ein und Christen zuerst ; dann kam sie mit der Milch , und weil sie wußte , wie Christen die Milchhaut liebe , nahm sie ihr Messer und schob die meiste ihm in sein Kacheli . Und als Christen sagte : » Hör ume , ih ha gnueg « , sagte sie : » He nimm ume , es ist für die Angere o no da . « Das verwunderte Christen sehr , er dachte , so wäre es wieder dabei zu sein , und er wurde gesprächig und berichtete recht kurzweilige Sachen , wie man es lange nicht gehört hatte , daß sich die Meisten verwunderten und meinten , Christen sei im Wirtshaus gewesen und hätte einen Schoppen mehr als sonst getrunken . Aber Christen hatte den ganzen Tag keinen Wein gesehen , aber als Änneli ihm wieder die Milchhaut in sein Kacheli schob , da heimelete es ihn , es ward ihm wieder , als wäre er daheim , und das wirkte mehr , als drei oder vier Schoppen vermocht hätten . So böse über sie , dachte Änneli , mußte Christen doch nicht sein , und ihr Vertrauen ward fest , und als die Haushaltung gemacht war , setzte sie sich zu den Andern draußen vor die Küchentüre , nahm freundlich teil an allen Gesprächen ; ein freundlich Wort gab das andere freundliche Wort , man wußte nicht wie , und hoch am Himmel stand der Mond , als eins nach dem Andern seine stille Kammer suchte . Änneli ging zuletzt ins Haus , schloß die Türe , sah wie üblich nach , ob das Feuer ausgelöscht sei und alles am rechten Orte . Zweimal machte sie die Runde , denn es klopfte ihr wieder das Herz , und ihrem Stübchen nahte sie sich , wie der Laie sich naht dem Heiligtume im Tempel , welches sonst nur des Priesters