kläglich außer dem Bereich des Lebens , als habe sie Schiffbruch gelitten ! Mein Engel - ist so abgebraucht wie die Rosenwangen und Lilienhände der Dichter , welche nach gerade ganz welk sein müssen ! Was bleibt da übrig als : meine Ini , lebe wohl . « Als Faustine diesen Brief empfing , war sie fertig mit ihren Gemälden , fertig mit ihren Büchern , fertig mit Phantasie , Beschäftigung und Geduld . Sie hielt es für eine Unmöglichkeit , wenigstens drei Monat noch diese Lebensweise fortzuführen , denn nicht ihr Körper allein , auch ihr Geist ward abgemattet durch die wechsellose , spannende , schaffende Richtung ihrer Gedanken . Wenn mir der Himmel doch irgend etwas recht Schönes bescheeren wollte , dachte sie , so eine ächte Weihnachtsfreude , ich könnte sie brauchen . Es war ganz dunkel in ihrem Zimmer , sie lag auf dem Sopha von wachen Träumen so umschwirrt , daß sie fast dem Einschlafen nahe war , denn sie hatte angestrengt gemalt , um keine unvollendete Arbeit ins nahende neue Jahr hinüber zu nehmen . Sie hörte die äußere Thür des Vorzimmers aufgehen , hörte darin flüstern und leise auftreten ; aber sie mochte nicht klingeln und fragen , was es da gebe . Plötzlich fiel ihr ein , Andlau könne sie mit seinem Besuch überraschen wollen , und sie sprang auf . Doch eben so schnell nahm sie ihre vorige Stellung wieder ein , der Scherz sollte ihm ganz gelingen , sie wollte ihn erst erkennen , wenn er vor ihr stand . Sie blieb unbeweglich ; nur ihr Herz schlug athemraubend in jubelnder Erwartung . Die Thür ging auf . Kaum aber war eine Männergestalt eingetreten , von der Faustine nicht einmal die äußern Umrisse erkennen konnte , so wußte sie auch , daß dies nicht Andlau war . Sie richtete sich auf , schellte , und fragte zu gleicher Zeit mit eiskaltem Tone : » Wer ist so gütig , mir diesen seltsamen Besuch zu machen ? « » Ich ! nehmen Sie es nicht übel « - war die Antwort . » Clemens Walldorf ? willkommen tausendmal ! - Aber , Bester , man läßt sich melden bei einer Dame . « » Ich fragte Ihre Kammerfrau , ob Sie zu Hause , allein , und wohl wären .... « - » Da wußten Sie freilich Bescheid , aber ich nicht ! - Und was wollen Sie denn nun eigentlich hier in Dresden ? « Es war eine Lampe hereingebracht und vor ihr auf den Tisch gestellt ; sie war zufällig wundervoll beleuchtet . Glänzende Lichtstreifen fielen auf ihr schwarzes Atlaskleid und verriethen ihre liebliche Gestalt . Der weiche Nacken , die zarten Hände tauchten aus den dunkeln Falten auf , und die Farben , welche dem Anzug fehlten , lagen alle auf ihrem holden Antlitz . Clemens war bewundernd in ihren Anblick versunken , und vergaß zu antworten . » Bitte , geben Sie mir meinen Arbeitskorb von jenem Tische , « sagte Faustine ; » ich finde es zwar nicht sehr verbindlich , Tapisserie neben der Unterhaltung zu machen , aber Sie scheinen kein Freund der Conversation zu sein und deshalb auch wol kein Feind der Tapisserie . « Clemens ermannte sich , holte den Korb ; statt ihn aber ihr zu geben , behielt er ihn und sagte : » Sie frugen , was ich hier wolle ? nun , zum Beispiel den Inhalt dieses Körbchens besehen . Darf ich ? « » Bürden Sie sich doch nicht muthwillig die Plage des Besehens auf , hier , wo wirklich Augen und Seele zum Genuß mannigfacher Schönheit aufgespart werden sollten . « Clemens untersuchte genau die kleinen Arbeitsgeräthschaften des Körbchens : » Fingerhut und Scheere von Kokosnuß ? das ist sauber gemacht und dauerhaft nebenbei , zu dauerhaft für eine vorübergehende Mode . Ein Flacon von Hyalit , ein Bleistift in Schildkröt : Etui mit Silber eingelegt - niedlich ! Aber welche abscheulich plumpe Nadelbüchse von Porzellan ! « » Abscheulich ? Unglücklicher ! sie ist anbetungswürdig , denn sie ist rococo . « » Ein Erbstück Ihrer Urgroßmutter vielleicht , und respectabel als solches .... « - » Nichts von respectabel ! das ist ein unmodisches Wort , und rococo ist modisch par excellence . « » Wie Sie befehlen ! wenn es nur nicht schön sein soll . Dies Täschchen von russischem Leder mit Ihren Visitenbillets gefällt mir besser . Ah ! ein Brief . - ( Es war Andlaus letzter Brief . ) - Es muß angenehm sein , Ihnen schreiben zu dürfen . « » Viel angenehmer , mit mir zu plaudern . « » Sind Sie mit mir zufrieden , daß ich Ihnen nicht geschrieben habe ? « » Ich bin ganz damit zufrieden . - Jetzt legen Sie die Sächelchen wieder hübsch ordentlich in den Korb . So . Das grüne Gewölbe wäre exploitirt ! « Sie lachte so munter , daß Clemens auch ganz heiter ward . Er rief : » Dresden gefällt mir herrlich . Morgen besehe ich die Bildergallerie - die Ihre . « Felderns Eintritt störte seine Heiterkeit , und noch mehr störte es ihn , daß Faustine sagte : » Meine anachoretische Laune ist vorüber ! ich werde viel ausgehen und mich sehr freuen , wenn man mich häufig besucht . Graf Mengen , mein bester Feldern , soll mir sehr willkommen sein . Ich schmachte förmlich nach Gesellschaft , nach Mittheilung , nach Anregung . « » Und warum haben Sie es zu diesem Punkt kommen lassen , gnädige Gräfin ? « » Künstlerlaune , lieber Feldern ! ich bin zwar nur eine armselige kleine Dilettantin , aber ich habe große Anlagen zu einer ächten Künstlerin , nämlich immense Launen . Ich treibe Alles by fits and starts . « » Dadurch wird die tiefe Einheit Ihres Innern doppelt interessant . « » Alle Welt sagt , ich sei interessant ! ich wüßte gern , was