Dir . « Am Montag So ernsthaft hab ich geschrieben , ich weiß selbst nicht , wie ich dazukomme , doch ist ' s der Nachklang von vor Mitternacht . Ich weiß selbst nicht , wenn ich ' s ansehe , warum ' s dasteht . Du gehst weit über mich hinaus im reinen Schauen ; denn Du bist ein Seher , ich betrachte nur die Schatten des Geistertanzes in den Lüften , die Dich umschweben . Was soll das alles vor Dir , ich fühl , daß ich von einer viel niederen Stufe zu Dir hinanrufe , ob dies und das so ist ; ich ahne auch , daß Du mit einem leisen Zauberschlag mich strafen kannst , daß ich bei solchen Nachgedanken mich aufhalte . Ich weiß und weiß nicht . - Im Tau baden , in den Mond schauen bei nächtlicher Weile ist schöner , als sich wenden und den Schatten messen , den man in die beleuchtete Ebene wirft ; ja , ich war auch traurig , wie ich gestern schrieb , und aus der Traurigkeit steigt mir immer solcher Qualm von Hyperklugheit auf , Philistergeist ! - Ich schäme mich - es ist eine schlechte Sonate , deren Thema man bald auswendig kann , und die einem abgeleiert vorkommt , wenn man sie wiederholen wollt , das kommt vom Einsamsein her , da meint man , man müsse was Bessers vorstellen , wenn man mit sich selber spricht . Ich merkt es , als beim Schreiben das selbstgefällige Geschwätz , was sich so schön fügte , mich verführte , und nun auf einmal bin ich ' s satt . Wie anmutig und scherzend hast Du alles ausgesprochen und mit Deinem Zauberstab Dir spielend einen Kreis gemacht , mit mir drin zu scherzen , und ich hab mit Dornen und Nesseln und Disteln um mich gepeitscht ; ach ich fühl einen Widerwillen gegen meine Schreiberei von gestern . - Hätt ich Dir nicht besser den wunderlichen Abend beschrieben , die seltsame Nacht , die ich mit der Tonie erlebt habe . - So eine Wundernacht vergeht nicht , sie besteht ewig mit ihren leisen Schattenbildern , mit ihren Lichtdämmerungen und eiligen Luftzügen und wie sie den Schlummer Woge auf Woge wälzt ; gewiß , wie die Welt geboren wurde , da war es Nacht , und da stiegen die Gipfel der Unsterblichkeit , die stillen , von denen Du sagst , zuerst auf aus den Wassern , und da drängte sich die Welt ihnen nach und liegt nun , und über ihr strömen die Sprachen jener Einsamen durch den Nachthimmel . - Ja , ich find mich nicht zurecht , wenn in einer solchen Nacht alles schläft weit und breit und der Geist mächtig mit seinen Flügeln die Luft durchsegelt . - Und alle die Philosophen , die die Menschheit erwecken wollen , schlafen doch so fest und fühlen ' s nicht . - Und ob bloß , wenn ' s einem gegönnt wär in jeder Nacht die Augen zu öffnen und ihren tiefen Faltenmantel zu durchschauen , den sie über die Natur ausbreitet und dann ihre heimlichen Geister umherschweifen , anhauchen - alles Lebende ; ob der nicht hierdurch ein Seher würde himmlischem Wissen . Es ist doch so Seltsames in der Nacht , man sollte meinen , der Tag sei einmal schon in Beschlag genommen von der Verkehrtheit , aber die Nacht sei noch ganz frei davon ; man fühlt sich in der lautlosen silbernen Mondzeit aufgezogen wie die rankende Pflanze , die hinausstrebt in die Lüfte , - den vorüberschweifenden Geistern sich anzuhängen und hier und dort von ihrem Hauch zu trinken . Aber was steig ich und schwindel ich denn immer noch , als lief ich am Waldrand hin ? - Ja , in der Nacht war ' s so klar in meinem Sinn , daß ich laut lachte , und nun schweift ' s von Berg zu Tal und betastet die Erinnerung . - Und all mein Denken solcher Nachhall , wie wär ich in eine Kluft gefallen . Wir waren am Nachmittag zum weiten Spaziergang fortgewandert und wußten wohl nicht genau die Zeit , die später war , als wir glaubten , und weil überall der Pfad an etwas Neugierigem sich hinzog , bald ein brausend Bächlein zwischen Klippen , bald sonnenhelles Grün und Hügel und Gemäuer und dann ein Wald mit mächtigen Kronen , da kamen noch Scharen von Vögel über uns hingezogen , denen wir nachsahen , da war ' s bald gar aus , wir wußten nicht , wo wir hergekommen waren , und wo wir hinwollten , gern wären wir wieder umgewendet , wenn wir nur ahnen konnten , wo der Heimweg war . Wir machten einander Mut , durch den Wald auf einem breitern Weg , der quer lief , fortzuwandern ; weil frische Spuren da waren , so mußte er dort zu Menschen führen , noch hielten wir den Wind , die allmählich sinkende Helle für vorüberziehende Wolken , aber es war der Abendwind , der das Laub vor uns her wehte , wir sagten es einander nicht , aber merkten es bald , schritten immer fort und sahen bald zwischen den hohen Wipfeln durch den roten Himmel glänzen , und wie der sich verzog in ein dämmerndes Gold , aber ohne Schein und endlich ein Blau , schweigende Sternchen glitzerten , und der Pfad lief immer fort im Wald und die Sterne sahen hoch herab , und keins wagte die Stille zu unterbrechen , schweigend , ein Tritt nach dem andern raschelte durchs Laub . - » Ach , « sagt ich , » laß uns einen Augenblick ausruhen , Du wirst sehen , dann wird der Wald auf einmal sich auftun . « » Ach , « sagte die Tonie leise , » was wird das werden , wo kommen wir hin ? « - Statt zu klagen , mußte ich laut lachen ; - » Um Gotteswillen , wie kannst Du