alles , was ich bis heute erkannt und erlebt hab . - Dein ganzes Leben ist so gut . An Bettine Am 16. Juli 1807 Was kann man Dir sagen und geben , was Dir nicht schon auf eine schönere Weise zugeeignet wäre ; man muß schweigen und Dich gewähren lassen ; wenn es Gelegenheit gibt , Dich um etwas zu bitten , da mag man seinen Dank mit einfließen lassen für das viele , was unerwartet durch Deine reiche Liebe einem geschenkt wird . Daß Du die Mutter pflegst , möchte ich Dir gern aufs herzlichste vergelten ; - von dorther kam mir der Zugwind , und jetzt , weil ich Dich mit ihr zusammen weiß , fühl ich mich gesichert und warm . Ich sage Dir nicht : » Komm ! « Ich will nicht den kleinen Vogel aus dem Neste gestört haben ; aber der Zufall würde mir nicht unwillkommen sein , der Sturm und Gewitter benützte , um ihn glücklich unter mein Dach zu bringen . Auf jeden Fall , liebste Bettine , bedenke , daß Du auf dem Weg bist , mich zu verwöhnen . Goethe An Goethe Wartburg , den 1. August in der Nacht Freund , ich bin allein ; alles schläft , und mich hält ' s wach , daß es kaum ist , wie ich noch mit Dir zusammen war . Vielleicht , Goethe , war dies das höchste Ereignis meines Lebens ; vielleicht war es der reichste , der seligste Augenblick ; schönere Tage sollen mir nicht kommen , ich würde sie abweisen . Es war freilich ein letzter Kuß , mit dem ich scheiden mußte , da ich glaubte , ich müsse ewig an Deinen Lippen hängen , und wie ich so dahin fuhr durch die Gänge unter den Bäumen , unter denen wir zusammen gegangen waren , da glaubte ich , an jedem Stamme müsse ich mich festhalten , - aber sie verschwanden , die grünen wohlbekannten Räume , sie wichen in die Ferne , die geliebten Auen , und Deine Wohnung war längst hinabgesunken , und die blaue Ferne schien allein mir meines Lebens Rätsel zu bewachen ; - doch die mußt auch noch scheiden , und nun hatt ich nichts mehr als mein heiß Verlangen , und meine Tränen flossen diesem Scheiden ; ach , da besann ich mich auf alles , wie Du mit mir gewandelt bist in nächtlichen Stunden und hast mir gelächelt , daß ich Dir die Wolkengebilde auslegte und meine Liebe , meine schönen Träume , und hast mit mir gelauscht dem Geflüster der Blätter im Nachtwind ; der Stille der fernen weit verbreiteten Nacht . - Und hast mich geliebt , das weiß ich ; wie Du mich an der Hand führtest durch die Straßen , da hab ich ' s an Deinem Atem empfunden , am Ton Deiner Stimme , an etwas , wie soll ich ' s Dir bezeichnen , das mich umwehte , daß Du mich aufnahmst in ein inneres geheimes Leben , und hattest Dich in diesem Augenblick mir allein zugewendet und begehrtest nichts , als mit mir zu sein ; und dies alles , wer wird mir ' s rauben ? - Was ist mir verloren ? - Mein Freund , ich habe alles , was ich je genossen . Und wo ich auch hingehe - mein Glück ist meine Heimat . Wie die Regentropfen rasseln an den kleinen runden Fensterscheiben , und der Wind furchtbar tobt ! Ich habe schon im Bett gelegen und hatte mich nach der Seite gewendet und wollte einschlafen in Dir , im Denken an Dich . - Was heißt das : im Herrn entschlafen ? Oft fällt mir dieser Spruch ein , wenn ich so zwischen Schlaf und Wachen fühle , daß ich mit Dir beschäftigt bin ; - ich weiß genau , wie das ist : der ganze irdische Tag vergeht dem Liebenden , wie das irdische Leben der Seele vergeht ; sie ist hier und da in Anspruch genommen , und ob sie sich ' s schon verspricht , sich selber nicht zu umgehen ; so hat sie sich am End durch das Gewebe der Zeiten durchgearbeitet , immer unter der heimlichen Bedingung , einmal nur Rücksprache zu nehmen mit dem Geliebten , aber die Stunden legen im Vorüberschreiten jede ihre Bitten und Befehle dar ; und da ist ein übermächtiger Wille im Menschen , der heißt ihn allem sich fügen ; den läßt er über sich walten , wie das Opfer über sich walten läßt , das da weiß , es wird zum Altar geführt . - Und so entschläft die Seele im Herrn , ermüdet von der ganzen Lebenszeit , die ihr Tyrann war und jetzt den Zepter sinken läßt . Da steigen göttliche Träume herauf und nehmen sie in ihren Schoß und hüllen sie ein , und ihr magischer Duft wird immer stärker und umnebelt die Seele , daß sie nichts mehr von sich weiß ; das ist die Ruhe im Grabe ; so steigen Träume herauf jede Nacht , wenn ich mich besinnen will auf Dich ; und ich lasse mich ohne Widerstand einwiegen ; denn ich fühle , daß mein Wolkenbett aufwärts mit mir steigt ! - Wenn Du diese Nacht auch wachgehalten bist , so mußt Du doch einen Begriff haben von dem ungeheuren Sturm . Eben wollte ich noch ganz stark sein und mich gar nicht fürchten ; da nahm aber der Wind einen so gewaltigen Anlauf und klirrte an den Fensterscheiben und heulte so jammernd , daß ich Mitleid spürte , und nun riß er so tückisch die schwere Türe auf , er wollte mir das Licht auslöschen ; ich sprang auf den Tisch und schützte es , und ich sah durch die offne Tür nach dem dunklen Gang , um doch gleich bereit zu sein , wenn Geister eintreten sollten ; ich zitterte vor herzklopfender Angst ; da sah ich was sich bilden , draußen im Gang ; und